Monday, February 11, 2013

In Sigiryia: Spießrutenlauf - auf der Flucht vor der Tuc-Tuc-Mafia


In Sigiryia angekommen finde ich mich an der Haupteinfahrt des Felsengeländes wieder und werde sofort von klettenartigen Tuc-Tuc-Fahrern angesprochen, ob meines eventuellen Wunsches, ein solches Gefährt zum Eingang nutzen zu wollen. Diese penetrante Art machte mich so rasend, dass ich ersteinmal nichts wie raus aus diesem Stimmenwirrwarr wollte, um durchatmen zu können. Die Busfahrt war extrem anstrengend gewesen und ich war um 5:45 morgens aufgestanden, um hier gegen 9:30 meinen Aufstieg zu beginnen. Können diese Taxihändler das gar nicht verstehen? Es ist vielleicht dumm gewesen, aber ich schulterte wieder meine Rucksäcke und machte mich mit meinen 20 Extrakilos auf den Fußweg Richtung Eingang. Diesen konnte ich noch nicht einmal sehen und ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich damit einließ. So entfloh ich der Dreiradmeute und erstapfte mir ein wenig Ruhe und freien Blick auf den Felsen.

Doch es sollte keine 2min dauern - ich hatte grad mein Gepäck abgestellt, um ein Foto von dem Naturmonument zu machen - hielt direkt neben mir ein Tuc-Tuc und sah mir seelenruhig dabei zu, wie ich versuchte, ein Bild zu machen. Erst recht verneinte ich eine Absicht gefahren werden zu wollen, weil mir dieser Fahrer so nah auf die Pelle rückte. Die Krönung: er blieb dort stehen, stieg aus und sah mir beim Handtieren mit der Kamera zu. Mich irritierte das völlig und ich empfand das als extrem unsensibel. Ich sah ihn an und er lächelte und meinte, ich könnte jetzt ruhig mein Foto machen. Bitte??? Vielen Dank auch! Ich versuchte ihm klarzumachen, dass ich das so eben nicht könnte, weil er mich so dreist dabei beobachten würde. Dann ließ ich mich gehen und forderte ihn unmissverständlich auf, mich endlich in Ruhe zu lassen und abzuhauen. Ich wollte sein Tuc-Tuc nicht! Er blieb. Ich drehte mich weg. Dann antwortete er ebenfalls ungehalten, dass er ja nur helfen wollte und eben jetzt wegfahren würde. Na endlich. Nun war ich erst recht motiviert, den gesamten Weg zum Eingang zu Fuß zurückzulegen. Wer mit Rücksäcken reist, sollte auch bereit sein, sie zu tragen. Jedoch nicht unbedingt auf den Löwenfelsen! :-)

Nach gefühlten 10km - es waren vielleicht 1,7 - 2km bis zum Eingang - griff mich wieder einer der Fahrergarde auf und erklärte mir, dass ich mein Gepäck im Tickethäuschen abstellen konnte und wo ich meine Eintrittskarte herbekam. Beim Kauf stockte mir der Atem. 30US$ wollten sie für das Erklimmen des Berges von mir haben! Das grenzt an Ausbeutung kulturinteressierter Touris. Mein erster Gedanke war auf dem Absatz meiner lokalen Ledersandalen kehrt zu machen und zur Straße zurückzulaufen. Mein zweiter Gedanke galt der Würdigung meiner Busfahrt im Morgengrauen, meiner Zielsetzung und auch meines Fußmarsches hierher. Ich würde jetzt diesen verdammten Felsen erklimmen, wo ich schon mal da war! Und dann ging es weiter. Ungefähr 20 wie Prostituierte boten ihre Dienste als Sigiryia-Guide an. Doch ich machte denen klar, dass ich mir einen solchen jetzt nicht mehr leisten könnte, weil der Eintritt bereits so teuer war. Außerdem wollte ich meine Ruhe haben - ein Grund, weshalb ich allein bis zur obersten Terrasse klettern wollte. Das Ganze war einfacher als ich gedacht hatte. Etwas über 2000 Treppenstufen ermöglichten einen gesitteten Aufstieg ohne Absturzwahrscheinlichkeiten. Anders wäre dies bei dieser Felsenform auch gar nicht gegangen. Ich musste an Mexico denken - die Mexis hätten hier garantiert einen superteuren Hubschrauberservice installiert, um Beinschwere kostspielig nach oben zu befördern. In den USA wäre es wohl erst recht so gegangen - oder mit einer Rolltreppe.
Nach der energieraubenden Busfahrt, der Flucht vor der Taximafia und dem Fußmarsch zum Eingang verlief der Aufstieg erwartungsgemäß schweißtreibend - trotz der frühen Morgenstunde, die noch weit vom höchsten Sonnenstand entfernt lag. Außerdem war ich nicht gerade trainiert nach meinem 6monatigen Aufenthalt auf der 1,5 x 0,6m² großen Malediveninsel, auf der wir uns hauptsächlich mit dem Fahrrad fortbewegt haben. Dennoch schlug ich mich tapfer und erreichte nach ca. 45min die höchste Ebene des Felsens! Vorbei an japanischen und europäischen Touristen wie singhalesischen Tourguides schlängelte ich mich über Steintreppen, Holzstiegen, Wendeltreppen, Laufgitter, Podesten und über Zwischenebenen bis hinauf zur höchsten und ältesten Gartenanlage der Geschichte Asiens! Sogar einen Pool gab es mit bestem Ausblick auf die am Fuße des weit und breit einzigen Berges gelegene Ebene mit Reisterrassen und Buschflächen. Der Ausblick war atemberaubend, die antike Ruinenanlage beeindruckend. Entdeckerisch schritt ich alles ab und suchte mir eine ruhige Ecke für mein Mittagshäppchen, das ich mir mit einem gierigen Affen teilte. Naja, nicht ganz. Ich überließ ihm die Bananenschalen und Apfelreste. Seine Portionen bezog er sonst aus einem der hierzulande selten anzufindenden Mülltonnen.

Der Abstieg ging erwartungsgemäß zügig und ich erreichte das Tal in weniger als 25min. Unten allerdings erwartete mich noch eine weitere Anlage, eine alte Höhle, eine Meditationsfläche, eine Versammlungshalle und anderes aus antiker Zeit. Alle Eindrücke wollte ich mitnehmen, denn eine Wiederkehr hierher plante ich nun definitiv nicht mehr. An einem anderem Ausgang als ich hereingekommen war nahm ich mir dann einen netten Tuc-Tuc-Fahrer, der mich zurück zum Eingang fuhr, damit ich meinen Trekkingrucksack holen konnte - meinen kleinen mit dem Notebook und anderen Wertgegenständen hatte ich mit auf den Gipfel genommen. Nach kurzem Beratschlagen wie ich weiter verfahren wollte - Übernachten kam nicht in Frage, weil es noch früh war und ich nichts anderes reizvolles in der Gegend ausmachte - ließ ich mich in einen zentralen Ort fahren und an einer Bushaltestelle absetzen. Dort bestieg ich den Bus nach Trinconmalee an die Ostküste und wünschte mir nur noch Meer und Strand. Ich war durch mit dieser Gegend und froh darüber.

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