Monday, February 11, 2013

Indien Visum - Antragsprozedere II

Nun hatte ich wirklich alles zusammen für meinen Antrag und stürmte sanft aber entschlossen die Visastelle. Kurz stellte ich Blickkontakt mit meinem wirklich auffällig für hiesige Verhältnisse genährten Sachbearbeiter her, um meine Wartezeit so kurz wie möglich zu halten. Er rief mich direkt zum Tresen und nahm meine Unterlagen in Empfang. Diesmal lies ich ihn meinen Pass selbst aufschlagen - er würde die richtige Seite schon finden - und gab ihm meinen Antrag zum Ableich sowie sämtliche Kopien erneut. Alles fand seinen Platz auf den bereits stapelartig platzierten anderen Anträgen. Gespannt verfolgte ich seine Handbewegungen, die einen Kugelschreiber bewegten und die von mir bereit gestellten Informationen im Antragsformular mit den offiziellen Informationen, die mein Reisepass enthielt, abglichen. Zufrieden machte der Runde ein Häkchen nach dem anderen neben jeder Antragszeile und schloss am Ende tatsächlich meinen Pass, nahm alle Zettel und tackerte sie zusammen! Es war getan! Ich hatte alle Unterlagen korrekt eingereicht. Er blickte zu mir auf und berichtete mir mit unveränderter Miene, dass ich nun eine Summe von 5996 Rupien zu zahlen hätte, um den Antrag abzuschließen. Wieviel???

Die Tausendersummen in Sri Lanka hören sich immer so schockierend an und ich geriet kurz in Panik. Knapp 6000 Rupien sind grad mal 50 US$. Was für mein Budget auch eine stattliche Summe ist. Die Dollars läppern sich schon mit der Zeit. Aber für mein Visum war ich bereit. Ich kramte in meinem Portemonnaie und hielt ihm Dollar hin. Stur schüttelte er den Kopf und meinte, ich müsse in Rupien bezahlen. Arrrghh!! Ich hatte nicht genug in bar! Oh nein! Wieder raus, hieß es, um US$ zu tauschen. Naaa guuuuut - es war nicht zu ändern. Ein gefühltes 120stes Mal lief ich an den mir inzwischen bestens bekannten und immer lächelnden Eingangssicherungsangestellten vorbei, um eine Bank zu finden. Zu Fuß loslaufend fragte ich mich durch. Andere Straßenseite. Beim Versuch eine Bank zu betreten, verstellte mir der dort wachende Securitymensch die Tür. Hey - wie unhöflich! Warum? Er fragte mich doch glatt, was ich in der Bank wollte! Wie bitte? Was wohl! Geld natürlich, dachte ich, und antwortete freundlich, dass ich meine US$ tauschen wollte. Bestimmt verneinte er diese Möglichkeit und informierte mich, dass dies eine Investmentbank sei und kein Geld tauschte. Ok - wie auch immer die Dinge hier laufen und warum. Akzeptieren und weitersuchen heißt das nun folgende Motto. Draußen fragte mich jemand, was nicht in Ordnung war. Das muss man den Locals hier tatsächlich lassen. Sie beobachten, nehmen teil und helfen manchmal unaufgefordert weiter. Ich erklärte mir dieses Verhalten als in dem kollektivistisch veranlagten, das asiatische Kulturen innehaben. Menschen sorgen viel mehr füreinander als in der westlichen Industriegesellschaft. Dies hat, wie alles andere auch, Vor - und Nachteile. Ich antwortete dem Fragenden und ließ mir bereitwillig den Weg zu einer anderen Bank weisen. Wegweisen hierzulande bedeutet lediglich, den Arm in die richtige Richtung zu heben und ein uuuääähhh-Geräusch damit zu machen. Da ich das immer als unzureichend und irgendwie als Witz empfand - und ich war im Moment nicht zum Scherzen aufgelegt - reagierte ich nun doch ganz leicht ungehalten und fragte ihn "Where?". Er wiederholte die gleiche Geste und schaute mich fragend an, als ob er sich fragte, warum ich ihn nicht verstünde. Junge, sei halt etwas konkreter in Deiner Auskunft. Was natürlich etwas schwierig war, wenn man die Tatsache beleuchtete, dass ich nur 3 Worte singhalesisch kannte und er ungefähr 20 Wörter Englisch. Wir wiederholten dieses Frage- und Antwortspiel bestimmt fünf Mal, weil ich keine Lust mehr hatte und konkretere Auskunft wollte. Das muss doch in diese Köpfe hinein zu bekommen sein?!

Wie sich auch hier herausstellte, konnte ich meine fordernde Art komplett an meinen imaginären Hut stecken. Mehr Auskunft war schlicht nicht nötig und mein Frager hatte einfach recht, wie die meisten anderen Hilfsbereiten eben auch. Nur ich wollte inzwischen einfach eine weiterentwickelte Kommunikationsform erfahren - mit mehr Worten und Höflichkeit. Der Ursprung dieses Bedürfnisses war in meinen nach 6 Monaten Soneva Fushi blankliegenden Nerven zuzuschreiben. Außerdem wusste schlicht nicht, dass nicht mehr Information notwendig war - woher auch - und war zu bockig, mein schon vorhandenes Vertrauen auch anzuwenden und einfach mal loszulaufen. Ich würde diese Bank ganz einfach finden. Ich wollte nur den Helfenden mitteilen, dass seine Art zu informieren mir als unzureichend erschien. Dafür konnte ich mich hinterher schon wieder nicht mehr leiden. Denn, nachdem ich loslief, ihm mir vorauslaufend folgend und nach vorn zeigend, sah ich schon weitere Banklogos an den Gebäuden und ich bedankte mich freundlich für die Hilfe und seine Bemühung überhaupt. Keine 30m weiter fand ich eine Bank, in der ich am Schalter 50US$ eintauschen konnte.

Drinnen ging es fast zu wie in einer deutschen Bank. Kurz an den Schalter treten, Pass vorzeigen, den Geldschein abgeben und warten. Doch ich musste mich hinsetzen und warten. Ok. Auch das konnte ich zuguterletzt noch tun. Erstaunliches war zu beobachten. Der mit einem klassischen Gewehr bewaffnete Sicherheitsbeamte an den Bankschaltern hatte anscheinend den Rundumauftrag für alle Fragen in Sachen Sicherheit. Er war doch tatsächlich derjenige, der die Kopie meines Reisepasses erstellte. Dies lag nicht im Aufgabenbereich der Schalterdame! Interessante Zuständigkeitsbereiche, fand ich und verglich schon wieder mit unserer Welt. Nach ca 5min. rief mich die Dame wieder zum Schalter und händigte mir die Rupien zu einem schlechteren Kurs als überall auf der Straße aus, ließ mich gegenzeichnen und reichte mir meinen Reisepass über den Tresen. Der Kurs wich nur leicht von dem gängigen ab, das machte den "Kohl auch nicht fett". Ich hatte die richtige Währung in den Händen, bedankte mich freundlich bei der Netten Bankangestellten und verließ das Gebäude. Draußen überquerte ich schnurstracks die Straße und lief zielstrebig auf das Visabüro zu, ging schon wie eine alte Bekannte an den Sicherheitsleuten vorbei, die mir schon die Tür von weitem aufhielten, und steuerte meinem wohlstandsbebeutelten Sachbearbeiter in dem Visatresen zu. Der winkte mich auch sofort bestätigend heran und ignorierte die fragenden Blicke der anderen 2 ausländischen Visabeantragenden neben mir. Der Kugelige war sowas von bereit, die knapp 6000 RP in Empfang zu nehmen und ich genauso, sie bei ihm loszuwerden, damit wir dieses leidige Prozedere nun endlich abschließen konnten.

So war es dann auch. Ich erhielt mein Datum zur Empfangnahme: 18.2.2013. Moment mal. Das ist 1,5 Wochen. Weil ein Wochenende dazwischen lag. Ok, es musste schneller gehen. Ich plante meine Rückreise zur Westküste am 16.2. Das trug ich vor und fragte, ob die Bearbeitung auch schneller ging und ich schon am 15. kommen konnte. Kurz mit dem Kollegen abgestimmt und diskutiert bestätigte mir der Weltgeformte meine Bitte und schrieb mir den 15.2. um 9.30 auf meinen Laufzettel! Juhu! Vor der Absprache mit dem Kollegen wies er mich noch darauf hin, dass der 15. nicht garantiert werden könnte. Nun jedoch hörte es sich so an, als ob das in Ordnung ging. Puuuuhh!!! Erledigt! Ich nahm meine Quittung, bedankte mich freudig und verließ das Büro. 2,5 Stunden hatte alles gedauert. Das war sogar erträglich für eine solche Aktion. In Deutschland wäre das sicher nicht so schnell gegangen. Egal, nach dieser Anstrengung ließ ich mich nur noch zurück in mein lärmisoliertes Hotel in den Bergen zurückfahren. Ausspannen und Entspannen standen nun ganz oben auf meiner Liste :-)!

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