Monday, February 11, 2013

Indien Visum - Antragsprozedere

Endlich saß ich nun in der heiligen Wartehalle der indischen Botschaftsvisastelle in Kandy. Bewusst hatte ich mir Kandy und nicht Colombo ausgesucht. Während der zu erwartenden Wartewoche gab mir diese schöne Bergregion Zeit und Gelegenheit zur Erkundung. Da ich Kandy selbst schon kenne, hatte ich mich entschlossen, die weitere Umgebung: Sigiriya und die Ostküste zu bereisen. Aber nun galt es erstmal abzuwarten, was die Visumssachbearbeiter mir anbieten würden.

An das deutsche Arbeitsamt erinnerte mich die Nummer, die mir die Sicherheitsbeamten in die Hand drückten. Was hingegen gar nicht an unsere Agentur der Arbeitslosenverwaltung erinnerte war die Form der Nummer. Keine schicke elektronisch ausgedruckte, sondern eine mit Kugelschreiber auf ein ca. 2x2cm großes abgerissenes Stück Verpackungskarton geschriebene krakelige 21 hielt ich in meinen verschwitzten Händen. Nicht nur der Hitzeschweiß, sondern auch die 1mm dicke Dreckschicht bedingt aus der von Kandy's Abgas verschmutzen Luft klebten mit sowohl an den Fingern als auch auf den anderen freiluftzugänglichen Bereichen meiner Haut. Und es war erst Morgen....

Auch daran gewöhnt man sich schnell, weil es schlicht nicht zu ändern ist. Brav wartete ich also auf meinem knarzenden in eine feste Sitzreihe eingebauten Körperform angepassten Plastiklehnstuhl, dass mich einer der drei vorn hinter dem Tresen verschanzten Sachbearbeiter zur Vorlage meiner Unterlagen rief. Mit mir wartenden noch ca. 10 weitere Bittsteller aus der Gegend. Auch westliche Touristen traf ich, die das gleiche Anliegen wie ich hatten. Irgendwann hörte ich ein Murmeln und ein wohlgenährter Beamter nickte mir zu. Nur um sicher zu gehen erwiderte ich das Nicken mit einem Lächeln und stand nach erneuter Bestätigung des Mondgesichtigen auf, um meinen Gang offizellen Gang weiterzuführen. Passport! Das war einfach. Sogar mit der richtigen Seite geöffnet überreichte ich dem Herrn mein Reisedokument. Ob ich dieses Formular ausgefüllt hätte, fragte mich der Gute und hielt einen mir unbekannten Zettel hoch. Ich verneinte, bekam meinen Pass zurück, den Zettel in die Hand gedrückt und den Fingerzeig zum Eingang, wo ein Wandtisch mit Kugelschreibern zur Erledigung einluden. Wenn es weiter nichts ist. Nach dem Befolgen seiner Aufforderung trat ich wieder an den Tresen, übergab meinen Zettel, der im übrigen die gleiche Information enthielt, die mein online-Antrag für die indische Botschaft enthielt. Warum auch immer ich diesen Zettel zusätzlich mit den Informationen und ein Passbild versehen musste - ich tat es einfach.

Diesen Zettel, meinen online ausgefüllten und ausgedruckten Antrag sowie Passkopien legte ich dem runden Bearbeiter nun nocheinmal. Doch bevor ich zum Beenden meiner Präsentation gelangte, hörte ich mein Gegenüber fragen, ob ich eine Kopie von der Seite des Passes hätte, auf der der Sri Lanka Visumstempel zu sehen war. Nein! Woher sollte ich wissen, dass ich diese Seite brauche? Dies stand im Internet nirgends zu lesen. Na, die müsste ich aber haben für den Antrag. Wenn es weiter nichts ist, dachte ich leicht angesäuert. Das fing ja gut an. Aber eine Kopie lässt sich wohl irgendwie beschaffen. Der Beamte bestätigte mir meine Gedanken und verwies mich an Copyläden draußen an der Straße. Eine Kopie und die Sache sollte geritzt sein. Also packte ich meine Unterlagen wieder zusammen und stapfte nach draußen. Die Sicherheitsbeamten am Eingang gaben freundlich Auskunft, wo ich eine Kopie machen könnte. Gleich nebenan, hieß es! Das ist ja einfach und schnell gemacht. So war es auch. 10 Rupien - das doppelte von Kopien an der Westküste - bezahlte ich für eine Kopie und kehrte zurück auf meinen Plastiksitz im Visabüro.

Rasch fand ich mich wieder am Tresen vorn wieder und legte meine Kopien, meinen Reisepass, meinen Antrag vor. Nach 10 Sekunden hielt mir der Dicke meinen Antrag unter die Nase und forderte mich auf, meine dort vermerkte Reisepassnummer zu überprüfen. Was soll denn das jetzt? Er kann doch sicher selbst lesen, wollte ich meinen. Also gut, immer lächeln und brav den Aufforderungen folgen, heißt das Motto bei ausländischen Behörden. Ich prüfte. Und bestätigte die korrekte Nummer. Der lang wie Breite war anderer Meinung. Superschlau wies er mich auf den kleinen Unterschied der letzten beiden Stellen der Nummer hin, die meinen Deutschlandcode zeigten. Diesen hätte ich nicht mit auf den Antrag tippen dürfen. Die absolut korrekte Passnummer findet jeder deutsche Staatsbürger auf der Ausweisseite oben rechts und nicht im Fuß des Passes eingestanzt. Ok! Das muss einem aber auch gesagt werden. Für mich war das jetzt keine große Sache und ich versuchte seinen ernsten Gesichtsausdruck mit einem "lass-Fünfe-Gerade-Sein" Geschwätz zu beschwichtigen. Keine Chance. Für den autoritären Sachbearbeiter war dieser Unterschied entscheidend und er eröffnete mir kurz und knapp die Notwendigkeit, meinen Antrag neu im Internet ausfüllen und ausdrucken zu müssen und dann wiederzukommen! Was??? Unfassbar! Aber aus seiner Sicht nachvollziehbar. Als ob dies nicht genug wäre, wies er mich ebenfalls auf die falsche Größe meiner Passbilder hin und riss gnadenlos mein in Male aufgenommenes Passfoto von meinem Antrag und gab es mir zurück. Das auch noch! Ich durfte nun also in dem Chaos draußen ein Internetcafé finden, meinen Antrag neu ausdrucken, und einen Fotoladen, der mir schnell die richtigen Passfotos beschaffen konnte. Zum Glück hatte ich meinen hilfsbereiten Tuc-Tuc-Fahrer draußen vor der Tür warten. Schnurstracks steuerte ich mit meinen Papieren in der Hand - meine Tasche ließ ich direkt im Visa-Büro - auf ihn zu und berichtete von meinen neuen Herausforderungen.

Fahrer war auch Führer. Mit seiner Hilfe war schnell klar, welcher Laden Internet und die Möglichkeit zum Ausdrucken hatte. Nach etwas Warten saß ich in einem wirklich schmuddeligen Hinterzimmer einen ganz kleinen Kramladens vor einem Computer und tippte brav all meine Informationen in das Onlineformular. Ausdrucken war nicht so einfach möglich. Ein Mitarbeiter musste sich der Möglichkeit bedienen, das pdf-Formular an seine email-Adresse zu senden, um es von dem am Drucker angeschlossenen Rechner aus zu öffnen und zu drucken. Was dieser Mitarbeiter mit meinen Informationen in der Lage war zu tun, wollte ich mir nicht ausmalen. Identitätsdiebstahl war heutzutage ein großen Thema. Ich vertraute einfach auf das Gute in ihm und hoffte, er würde die Informationen einfach löschen. Selbst wenn er es in meinem Beisein getan hätte, wäre er nach meinem Verschwinden in der Lage gewesen, die Daten wieder hervor zu fischen und zu verwenden. Risiko! Mit meinem Ausdruck und allem anderen bestieg ich nach dem Bezahlen das Tuc-Tuc und machte mich auf die Suche nach einem Fotoladen. Im ersten Shop negierte die Frau im Sari, weil sie keine Sofortpassbilder erstellen konnte. Wir fuhren weiter. Während ich woanders fragte, hatte sich mein Fahrer nützlich gemacht und rief mich heran. Er brachte mich zu ein ca. 2m² großes Fotofachgeschäft, welches einer jungen Singhalesin gehörte. Hier fand ich auf kleinstem Raum alles, was ich brauchte. Eine offene moderne Frau mit der richtigen Technik: einen zum Fotografieren hinter ihrem Stuhl durch einen Vorhang verdeckten Raum, eine digitale Spiegelreflexkamera, einen modernen Computerarbeitsplatz sowie eine Bildsofortentwicklungsmaschine von der Größe eines tragbaren Damenschminkköfferchens. 10min später hatte ich meine Fotos und konnte mich zur Visastelle zurückfahren lassen!

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