Wednesday, March 07, 2012

DCS 1

Zum Thema Schwund und Gebrauchsspuren fallen mir ironischerweise weitere Kollegen ein oder sollte ich eher ehemalige Kollegen sagen. Nicht nur, dass Louis - unser junger verrückter Frenchi - sich nun auch in die Langfristabwesenheit mit Reisetätigkeit verabschiedet hat - das war vorher schon einige Male mit anderen wie Vale, Caroline, Jonathan, Jim und weiteren passiert - oder dass unser Nicolas der Welt für immer den Rücken gekehrt hat, sondern dass es nun auch unseren nie zu reden aufhören zu wollenden Wil getroffen hat.

Wil hat sich eine Deco eingefangen - Dekompressionskrankheit der Stufe 1. So etwas holt man sich, wenn man während der superanstrengenden Hauptsaison über einen langen Zeitraum hinweg viele Tauchgänge und Exkursionen durchführt, ohne die notwendigen Ruhepausen an freien Tagen oder an Feierabenden zu erhalten. Diverse Kurse, CESA's, DSD's und andere aufstiegsintensive Anfängertauchgänge hinterlassen bei dem einen oder anderen offensichtlich stärkere Spuren. Prodive lässt das Team dann einfach mal durchklotzen, bis einzelne schon im Gehen einzuschlafen drohen. An Mittagspausen war oft nicht zu denken und wir sind teilweise aus dem Pool direkt aufs Boot gesprintet. Wasser trinken ist für uns lebensnotwendig. Dehydration ist ein guter Grund für eine Deko. Müdigkeit und Überanstrengung sowieso plus der Druck und der Stress, den dieses Unternehmen auf seine hart arbeitenden Tauchlehrer ausübt, leisten ebenfalls ihren Beitrag. Wenn dann noch jemand krank wird, müssen andere für diesen die Tauchgänge mit übernehmen. Es werden aber in solchen Zeiten gern einmal 1, 2, 3 oder auch 4 Personen parallel krank. Denn irgendwann fallen sie alle um wie die Fliegen oder zeigen der Firma den Vogel.

Hier kommt Prodive seiner moralischen Pflicht, für ihre Leute zu sorgen in keinster Weise nach. Auch sonst lässt die soziale Kompetenz der Firma auf allen Ebenen mehr als stark zu wünschen übrig. Wenn wir dies nicht wenigstens untereinander für uns übernehmen und unserem menschlichen Urbedürfnis folgen würden, gäbe es den Laden nicht. Das Team ist auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen und sorgt automatisch dafür. Ohne ein gutes Miteinander brechen die Abläufe zusammen und die Kunden registrieren die Unstimmigkeiten, was Beschwerden nach sich ziehen würde. Ich erinnere mich gut an die Zeit im Dezember und Januar. Die Stimmung lag brach und bei -100m. In diese Tiefe kommen wir nicht, um sie zu heben!

In dieser Zeit hatte Wil - wie wir alle - viele Einsätze im Pool und im Meer und wenig Schlaf. Vor einigen Tagen klagte er über andauernden Schwindel und starke Kopfschmerzen sowie über eine eingeschränkte Wahrnehmung - und das seit Tagen. Seit Tagen!! Ich bot Wil an, ihn gleich nach Feierabend in die Klinik mit der Druckkammer zum Check zu fahren. Doch später war er schon nicht mehr da. Er hatte sich zu dem Zeitpunkt schon in die Kammer begeben und erhält nun mehrere Tage Behandlungen von 5-8h! Eine Langzeitdeko ist wohl eine komplizierte Angelegenheit, da sie nicht durch einen einzigen Tauchgang hervorgerufen wird, der eher eine schlimme DCS2 zur Folge haben kann. In Wils Fall waren erste Symptome bereits vor ca. 2 Monaten aufgetreten, die er nicht als solche identifiziert und somit ignoriert hat, bis sie abgeklungen waren. Leider haben sie sich aber dann potenziert und er bekam DCS 1.

Die Behandlung schlägt jedoch glücklicherweise gut an und ihm geht es wieder besser. Dennoch war seine Angst, gekündigt zu werden nicht ganz unbegründet. 2 Monate ohne Tauchgänge machen zu können, lässt einen Fulltime-Instructor quasi wertlos werden. Dass Prodive eine verkaufsorientierte Tauchsportorganisation ist, rettete Wil jedoch die Haut. Er wird sich in nächster Zeit am Counter auf den Verkauf von Tauchgängen, Kursen, Ausflügen etc. konzentrieren und auf das Gehalt eines PRs heruntergestuft. Ich frage mich da nur: Warum gehst Du nicht woanders arbeiten, wo Du in dem Job mehr verdienst und besser anerkannt wirst? Anscheinend hängt der Gute an seinem gewohnten Umfeld. Die Hauptsache ist, dass es ihm wieder besser geht und er in Zukunft wieder tauchen wird dürfen - zwar eingeschränkt - aber wenigstens weiterhin. Somit erfüllt er nur ein 50% Schwundkriterium und bleibt uns bzw. der Firma erhalten.

No comments:

Post a Comment