Sunday, March 03, 2013

Bali - gefühlte 83 Stunden später


kaum in Colombo abgehoben und in Male zwischengelandet, hatte ich abends gegen viertel vor 11 meinen Flieger nach Kuala Lumpur bestiegen, um dort am Flughafen 3 Stunden später in die kaum besetzte und sehr komfortable Maschine nach Bali einzusteigen. Tag 2 meiner Weiterreise war angebrochen und ich hatte nur wenig ausruhen aber nicht schlafen können. Im Flugzeug gab es dann kein Halten mehr. Jeder kann in den buchstäblich schrägsten Positionen einschlafen, wenn er nur müde genug ist - behaupte ich einfach mal pauschal :-)!


So flogen wir also über den Äquator in die südliche Hemisphäre unserer Weltkugel und landeten morgens in Denpasar, Bali. Aufstehen, Handgepäck, aussteigen, Einwanderung, Gepäck, rauskommen in die nächste Taxi-Mafia! Und diese schien wesentlich besser organisiert zu sein als die in Sri Lanka. Überhaupt ist Bali weiter entwickelt und bedient sich moderner Transportmittel wie neuer Autos auf der Insel. Dennoch hatte ich von einer Busverbindung nach Amed gehört und wollte diese günstige Möglichkeit auch gleich nutzen. Touristen sind wirklich unendlich blöde. Da ich den Taxifahrern keine 60 USD schenken wollte, entschied ich mich für 12 für die Fahrt zur Bushaltestelle und weiterer 2 für den Bus aus die andere Inselseite. Und hier war er denn auch: der alte ganz im Südostasien-Stil gehaltene kleine Bus für normale arme Inselbürger. Dieser fuhr gemütlich durch die Lande und war nicht bequemer als jeder in Sri Lanka. Eine erneute Tortur für ca. 4 Stunden bis Amlapura. Im Bus selbst fand sich schon mal eine frische Reisernte, an der Straße zu verkaufende frische, selbstgemachte Leckereien oder einfach nette alte Frauen, die schlicht nachhause fuhren. So schaukelte ich wieder durch die Landschaft und hoffte auf baldige Ankunft und ein Umsteigen in den Anschlussbus. 17:30 Amlapura: der Busfahrer warf mich am Straßenrand raus und behauptete, dass ich hier den nächsten Bus nehmen könnte. Jaja, doch erst morgen! Der letzte Bus war durch, wenn nicht sogar der einzige. Super! Danke!

Einige aggressiv wirkende Jungspunte boten mir die 45min Fahrt für knapp 20USD an. Abzocke. Ich versuchte zu verhandeln. Es war noch nicht schlimm genug. Doch die Situation war ausweglos. Die Jungs ließen mich sitzen und warten. Worauf wartete ich eigentlich? Auf ein Wunder wahrscheinlich. Doch es lohnte sich.

Nachdem ich herumgefragt hatte und man mich wieder auf die Typen verwies, hielt jemand auf einem Roller und fragte, was ich suchte. Eine Fahrt nach Ahmed! Er kam mit dem gleichen Preisangebot und ich erwiderte, dass ich das bereits abgelehnt hatte und er ging gleich 50000 Rupien runter. Lächerlich umgerechnet. Aber mir gefiel die Idee, die Typen mit ihrer Störrigkeit sitzen zu lassen, so wie sie es mit mir getan hatten. Sie beschwerten sich auch direkt bei meinem Fahrer für die Einmischung und das Unterbieten. Sollen sie doch! Ich hätte jetzt fast jeden Preis gezahlt, um weiterfahren zu können. Aber nicht mit denen in ihrem schrottreifen Minibus. So bekam ich ein bequemes Auto und einen Direkttransfer zu meinem Cottage, das Julia, die Freediving- Freundin mir vermittelt hatte. 

Hikkaduwa - die letzten Momente in Sri Lanka...

Auf meiner Rundreise durch Sri Lankas Mitte und Nordosten hatte ich das Gefühl gewonnen, Absteigenhopping zu machen. Eine heruntergekommene Absteige nach der nächsten wurde mir zu dafür völlig überhöhten Preisen angeboten. Zu viele anstrengende Preisverhandlungen für schlechte und verdreckte Unterkünfte hatte ich hinter mir. Erschreckend dabei war, dass dieser Zimmerstandard hier normal schien. Nichts gegen einfach mit kalter Dusche und meinetwegen einer 8cm dünnen Schaumstoffmatratze, aber bitte keinen Dreck der letzen 10 Jahre an den Wänden, so dass Du gleich beim Eintreten die Krätze bekommst. Ganz zu schweigen von ungeputzten Bädern mit Wasser und Dreckspuren der letzten Monate. Das ganze am besten noch für 30-40 USD die Nacht in einem Land, in dem der Monatslohn eines Barkeepers bei 150 USD liegt. Leider sind die Menschen in Sri Lanka in den letzten Jahren etwas geldgierig geworden und leisten aber nicht mehr für ihre Preise. Eine wohl überall normale Entwicklung.

Hier in Hikkaduwa habe ich ein sauberes Zimmer am Strand gefunden, in dem ich mich das erste Mal auf wohlfühlen konnte. Vorgenommen hatte ich mir, das Surfen auszuprobieren, wo die Jungs doch täglich direkt vor unserer Nase die Wellen ritten und etwas zu tauchen. Leider wurde mir ein Besuch am Moragalla Beach für einen Nachmittag zum Verhängnis. Sandflöhe attackierten mich derart, dass ich schlimme Entzündungen in den Beinen bekam, die dadurch anschwollen und bei jeder Senkrechtstellung extrem stark schmerzten. Also hieß es liegen, soviel wie möglich. Das konnte ich ja auch am Strand und mir dabei wenigstens das Meer ansehen. Auch das erwies nicht nur als vorteilhaft. Als nächstes zog ich  mir noch einen Sonnenbrand auf dem Mund zu (gibts denn sowas...) und meine Unterlippe wurde zu einer großen Wasserblase. Für die Entzündung war so viel Sonne auch nicht förderlich und mein Zustand verschlechterte sich. Die nächsten 3 Tage sahen die anderen Gästehausbewohner mich so gut wie nicht mehr, da ich im Zimmer blieb und nur aus notwendigen Gründen nach draußen kam.  Der letzte notwendige Grund war meine Abreise und mein Gang zur Apotheke. Minimal besserte sich die Infektion, aber lange nicht schnell genug, als dass ich mich auf eine 2tägige Weiterreise nach Bali ohne Zimmer und ohne Schlaf traute. Am Tag vor meiner Abreise also besorgte ich mir Antibiotika - in Sri Lanka, den Malediven und wer weißt, wo sonst noch überall, natürlich rezeptfrei zu bekommen - um weiteren Komplikationen vorzubeugen.

Am Morgen des Tages meiner Abreise ging es mir viel besser. Die Schmerzen ließen nach und ich durfte heute endlich dieses Land verlassen, das ich vor über 5 Jahren so sehr ins Herz geschlossen hatte. Nichts davon war übrig geblieben. Sri Lanka macht heute einen ganz anderen Eindruck auf mich. Ich sehe die Dinge heutzutage einfach ganz anders als damals in meinem 3wöchigen Urlaub aus Deutschland. Das schönste dieses Mal waren die Blauwale! Ohne dieses Erlebnis hätte ich den Besuch bereut. Die Wale sind ein guter Grund, nach Sri Lanka zu kommen. Dazu sollte man wissen, zu welcher Jahreszeit sie wo anzutreffen sind, damit man sich am richtigen Platz einquartiert. Im Sommer ist das die Ostküste, im Winter die Südküste. Die Strände und Wellen in Hikkaduwa und Umgebung sind auch ein guter Grund hierherzukommen. Surfen, schwimmen, nichts tun - ist hier ebenfalls entspannt möglich.

Trotzdem, ich war froh, abreisen zu können und begab mich auf den nächsten Trip...! Eine Zugfahrt von Hikkaduwa nach Colombo dauert so 3 Stunden. Wir reden so von 100km vielleicht... Zum Flughafen reicht der Zug selbstverständlich nicht. Stattdessen müssen sich Individualreisende vor dem Bahnhof auf die Suche nach dem richtigen Bus machen, was auch gut funktioniert, da die Singhalesen hilfsbereit Auskunft geben und Fremden den richtigen Bus zeigen. Dies wiederum ist sehr angenehm im Land. Mein Gepäck und ich verbrachten also weitere 2 Stunden in einem Höllenbus, der gnadenlos durch die Stadt und die Ortschaften raste, bis es irgendwann hieß, hier ist der Flughafen. Wo? Ich musste aussteigen, sah vor mir 5 Tuc-Tucs und Grün. Kein Flughafen, nichts. Nein, für den Rest der Strecke musste ich mir ein Tuc-Tuc nehmen. Den letzten Kilometer fuhr der Bus nicht heran. Hätte ich keine entzündeten Beine mit einem jeweiligen Umfang von ca. 2,50m gehabt - ein Elefant dagegen wäre als Twiggy durchgegangen - wäre ich das Stück gelaufen. Doch als temporär Gehbehinderte musste ich in den sauren Apfel beißen und der Dreiradmafia noch einige Rupien in den immer offenen Schlund werfen. Zum Glück hatte ich noch welche übrig...

Im Flughafen durfte ich mich nun auf eine Wartezeit von ca. 7h bis zum Check-in einstellen. Sowas schreckt mich heute gar nicht mehr, da ich schon so manche Nächte auf Pampaflughäfen oder Zentralflughäfen zugebracht hatte. Doch die Bequemlichkeit des welchen in Colombo ließ zu wünschen übrig. Immerhin ergatterte ich eine 2er Stuhlreihe mit angesetztem Tisch und konnte mich einige Stunden hinlegen. Wichtigste Gegenstände dabei waren: dicke Wollsocken, Sweatshirtkapuzenjacke, Sarong zum Zudecken, mehrere T-shirts und Ohrstöpsel! Die Halle war hemmungslos unterkühlt - Aircondition ist auch hier sooo in - und der Lärmpegel, verursacht durch die Einheimischen nur gedämpft erträglich. Singhalesen unterhalten sich nicht dezent - sie brüllen ins Telefon, über die Stuhlreihen hinweg und vor allem ungeniert zu Zeiten, zu denen andere versuchen etwas Schlaf zu bekommen. Das beste Erlebnis ging so: 1 einheimischer Mann war am Flughafen mit 2 Frauen im Sari, die auf den Stuhlreihen schliefen. Irgendwann schlurfte dieser Koloss zu seinen Grazien, klopfte und schüttelte sie barsch, um sie aufzuwecken. Die Beiden schauten ihn eingeschüchtert an. Er sagte nichts, sondern zeigte rüde mit ausgestrecktem Arm in Richtung Damentoilette. Mir verschlug es fast die Sprache. Das hier war kein Araber, von denen ich eher so etwas erwartet und ähnliches schon gesehen hatte. Hier wies ein Kerl seinen Frauen den Weg ins Bad, was so viel hieß wie "wascht Euch gefälligst jetzt!". Noch erschreckender anzusehen war, wie die Damen ihre Zahnbürsten und die Zahnpasta aus den Taschen kramten und mit ablehnender Gestik ihres Gebieters gegenüber aber gehorsam ins Bad gingen. Ich hatte genug gesehen. In was für einer Welt leben wir eigentlich, um es hinzunehmen, dass Männer Frauen kontrollieren? Wann hört das endlich auf? Wann hören die Frauen endlich auf, sich wie Dreck behandeln zu lassen?

Bloß weg nach Bali!

Irgendwie waren so die Stunden weniger zäh vergangen als ich erwartet hatte und es war Zeit. Gegen 4 Uhr irgendwas ging ich langsam in die Damentoilette, putzte die Zähne, machte mich frisch so gut wie es ging und schob meinen Gepäckwagen zum Check-in. Alles klappte gut und ich fand mich wenig später in der Zivilisation wieder: einem Coffeeshop bei Caramel Latte, Muffins und WIFI. Nur noch weitere 3h bis zum Abflug nach Male.

In Male ging es weiter. Der Versuch Bargeld am einzigen Geldautomaten des kleinen Flughafens abzuheben, um die einzige regelmäßige aber unzuverlässige Transportmöglichkeit nach Hulhumale zu nutzen - den lokalen Bus - verlief nicht ohne Mühe. In Male sind Alltagsdinge immer kompliziert und die Menschen das Gegenteil von hilfsbereit - ignorant und arrogant. Diesen Ruf haben die Malediven mittlerweile, weil ihre Bewohner sich einbilden, das Zentrum der Welt zu sein. Als Außenstehende fragt man sich stets, ob die Menschen hier in der Schule Erdkunde haben und schon einmal die Weltkarte gesehen haben. Doch lange Rede - kurzer Sinn - beim Versuch am Informationsschalter eine Lösung für den nicht korrekt arbeitenden Geldautomaten zu finden, verwies mich die verschleierte Dame unwirsch an die Arbeiter, die gerade den Eingangsbereich der Bank neu bauten. Super Frau! Als ob Bauarbeiter bei Geldautomatenfragen weiterhelfen können. Sie war erstens völlig gleichgültig und zweitens hörte sie nicht einmal zu, um welches Problem es sich handelt und gab eine entsprechend dumme Antwort. Das ist typisch für die Malediver: Dumm und arrogant gehen hier exemplarisch zusammen. Ich gab auf und versuchte es erneut. Vor mir waren gerade 4 Schweden mit der gleichen Problematik beschäftigt. Zu Viert füllten sie das Kartenhäuschen aus und waren kurz davor, den Automaten zu operieren. Ich sah schon die Skalpelle... Doch dann klappte es irgendwie. Ich beschloss, alle Karten zu versuchen, die ich hatte. An denen lag es nicht. Also wieder zurück zur ersten Karte. 150 Rupien wollte er nicht geben. 50 Rupien auch nicht. Bei keiner Karte! Eine ganz blöde Eingebung lies mich 100 Rupien tippen und siehe da, das Geld ratterte zum Ausgabefach!! Hatten wohl keine 50er mehr die Schlaumeier... Solche Probleme hatte ich schon auf den karibischen Inseln erlebt. Wenn dort kein Geld aus dem Automaten kam, waren sie schlicht leer und wir mussten es auf der nächsten Insel probieren. Oft waren die Vorräte an Wochenende verbraucht und die Banken füllten erst in der Woche wieder auf. Hier waren es anscheinend nur die 50er oder ein anderes Problem. So gab auch ich meine Erfahrung an die hinter mir wartende Person weiter, so wie die vor mir operierenden Schweden mich informiert hatten, um ihr Leid zu minimieren.

Larissa kam inzwischen auch schon zum Flughafen und brachte mir bares, weil ich sie informiert hatte. Leider darf man in Male nicht über die Insel nach Hulhumale laufen, sonst hätte ich mich den Bus gespart. Doch durch den Flugverkehr ist alles genau geregelt. Ihre Wohnung war mein Ziel, denn hier wollte ich umpacken, Gepäck reduzieren und meine Tauchausrüstung abholen, die ich während meiner Sri Lanka Reise bei ihr untergestellt hatte. Außerdem hoffte ich auf einige Stunden Schlaf oder ähnliches, bevor ich abends wieder zum Flughafen zurück musste, um nach Bali weiterzufliegen. Ich hatte jetzt gute 12 Stunden Aufenthalt, bevor ich zum Check-in musste. Hieß: Duschen, Ausruhen, Umpacken, Taxi anrufen. Letzteres klingt am mühelosesten, war aber das anstrengendste. Hulhumale besitzt ein Airport-Taxi-Unternehmen. Heißt auf maledivisch: ich mach, was ich will und wann ich will. 1,5 Stunden musste ich warten, bis zuletzt das Bed- und Breakfast-Hotel nebenan die Firma überzeugte, dass sie mich endlich abholten und zum Flughafen fuhren. Als Entschuldigung führten sie fadenscheinige Gründe an und scheuten auch keine Lügen. Im Hotel bestätigten sie mir diese Probleme mit dieser Firma und erzählten, dass bald ein zweites Taxiunternehmen eröffnet, um diesem Konkurrenz zu machen. Wenn ich nicht so viel Zeit gehabt hätte, wäre ich wohl explodiert. So steckte ich dem Fahrer meine Unzufriedenheit auf unterschwellige Art und lobte lediglich die bald startende Konkurrenz. Er schnaubte angespannt und setzte mich brav am Flughafen ab.

Auch dieses Land verließ ich diesmal gern. Denn außerhalb der Resorts hat es nichts positives zu bieten - was traurig aber wahr ist. Durch die Abgeschiedenheit und ein eingeschränktes Bildungssystem ist es von Rückständigkeit, Unbildung und mangelndem Benehmen geprägt. Die Malediven sind einfach kleine Sandhaufen im indischen Ozean und er arabischen See, auf denen Fischer leben. Die Einheimischeninseln sind verdreckt und vermüllt, die Menschen arbeiten kaum. Auch auf den Resorts fällt auf, dass die arbeitenden Kollegen aus dem Ausland kommen: nicht nur aus Europa, auch aus Sri Lanka, Bangladesh, Indien, den Philippinen, Thailand, etc. doch sicher nicht aus dem eigenen Land. Malediver setzen dagegen ihre Priorität auf ein gut gestyltes Aussehen nach der neuesten Mode! Irgendwann hatte ich die Wartezeit hinter mich gebracht und checkte ein. Nur 5kg zu viel. Das war für Malaysian Airlines in Male kein Grund, mir zusätzliche Gebühren abzuziehen. Ja! Geschafft! Ich war sauber im Duty Free Bereich angekommen und bereit für Bali!!! Nur noch zwei Flugzeuge via Kuala Lumpur trennten mich von meinem neuesten und ersten Urlaubsziel auf der südlichen Erdhalbkugel.

Tuesday, February 26, 2013

BLAUWALE!!

Das größte Erlebnis und ein zutiefst überwältigendes dazu hatte ich mit meiner ersten Blauwal-Begegnung! Irgendwan einmal fasste ich den Gedanken, diese größten Meeressäuger der Erde einmal sehen zu können, hatte aber nie Erwartungen oder mir dies als Ziel gesetzt. Nach vielen vielen Jahren des Wünschens, einmal Delfine unter Wasser zu sehen, durfte ich dies auf den Malediven beim Freitauchen. Eine ganze Gruppe Delfine mit mehreren Babies tanzten an der Oberfläche, tauchten dann ab und zogen im Bogen um uns herum, so dass sie alle deutlich im Blau zu erkennen waren. Gestern nun hatte ich einer fast spontanen Whalewatchingtour teilgenommen, um mir Gelegenheit zu geben, möglicherweise einen sichten zu können. Was für eine gute Entscheidung!!

Um 5.00 stand ich auf, wurde um 5:30 Uhr von einem Van mit 2 anderen Gästen abgeholt und erreichte gegen 6:30 Uhr Mirissa, der in Weligama Bay liegende Ort an der südlichsten Spitze der Insel. Einige Bootstourguides hatten im Hafen ihre Ticketstände aufgebaut, wo wir einfach unsere Quittung vorzeigten und dafür unsere Karte und die Bootsnummer erhielten. Natürlich gab es nicht nur ein einziges Whalewatchingboot, sondern eine ganze Batterie. Doch die Boote waren klein, offenbar umgebaute Fischerboote, und umfassten ca. 20 Gäste. Ich fand eine Ecke auf dem Oberdeck und war bereit. Nachdem alle an Bord waren, ging es kurz nach 7 auch schon los. Ungefähr 15 Boote fuhren insgesamt raus und verteilten sich in vernünftigem Abstand zueinander auf dem Weg zu dem Gebiet, in dem Wale gesichtet werden. Das maximale Tempo betrug ungefähr 12 Knoten, was für die Walbeobachtung akzeptabel ist, da die Boot so nicht zu schnell an die Tiere heranfahren können. Überraschenderweise waren die Leute hier sehr rücksichtsvoll im Umgang mit den Walen. Blauwale gelten als besonders scheu und tauchen schnell ab, wenn sie sich belästigt fühlen.

Irgendwann sahen wir von weiten die Fontäne! Ein Wal - offenbar ein blauer hieß es - direkt vor uns. Wir steuerten auf ihn zu, er blies weiter. Er lies uns herankommen. Nicht näher als 25 Meter positionierte der Kapitän das Boot seitlich von dem Tier und wir glitten mit ihm zusammen langsam vorwärts durch das Wasser. Die ganze Pracht des Riesen bekamen wir nicht zu Gesicht, da nur ein Teil des Rückens aus dem Wasser wiegte und wieder hinab glitt. Und wieder aus dem Wasser kam und zurück glitt. Und wir daneben in ausreichender Weite für Fotos und Filme. Ich entschied mich für das Filmen und hoffe, dass eines der Videos hier auf der Seite hochzuladen funktioniert!

Irgendwann war es soweit, der Wal hatte genug geatmet und würde wieder abtauchen, und der Blaue veränderte seine Position. Als sich der vordere Teil seines massiven und langen Körpers um einige Grad nach unten bewegt, zeigt er uns den hinteren Teil, der mit einem Bogen am Rücken sowie mit der eleganten Schwanzflosse abschließt. Diese zeigt er uns als krönenden Abschluss beim senkrechten Abtauchen ins Blau bis auch diese in den Wellen versinkt.

Im ersten Moment, als ich den Blauen vor mir sah, war ich absolut überwältigt. Du kannst weinen vor Glück. Glück, dass Du so ein Tier im Meer sehen darfst und dass diese sich immer noch auf der Erde bewegen. Es ist ein tiefgehendes Glückserlebnis, die größten Wale zu sehen, das ich mit keinem anderen bisher vergleichen konnte. Alle Begegnungen waren schön: Grauwale, Delfine, Mantarochen, Adlerrochen etc. Doch dieses war so besonders, weil es immer heißt, dass es sehr schwer sein soll für Menschen, diese Tiere tatsächlich einmal zu Gesicht zu bekommen. Doch hier in Sri Lanka ziehen die Säuger offenbar immer ihre Bahnen - im Winter im Süden, im Sommer im Osten. Man muss es nur wissen :-).

Doch bei dieser Begegnung sollte es nicht bleiben. Wir waren gerade erst 1 Stunde unterwegs und schon in der richtigen Gegend angekommen. Denn nun ging alles Schlag auf Schlag. In weiteren 2 Stunden sahen wir riesige Exemplare weiterer Blauwale und ein Baby. Einmal schwammen zwei direkt nebeneinander, einmal fuhren hinter einem Wal, während sich einige 20m entfernt ein weiterer zeigte und wieder ein anderer seine Fontänen blies. Das Wasser war voll von Blauwalen! Ich konnte nicht wirklich mitzählen und nur schätzen, dass es mindestens 12 waren, die ich direkt gesehen habe. Wie viele im ganzen Umkreis wirklich im Wasser waren, bleibt unbekannt. Ein wunderbarer Tag mit dem schönsten Erlebnis, seitdem ich im Land bin, bildete so meinen Abschluss meiner Sri Lanka - Reise. Am nächsten Tag würde ich packen.

Hikkaduwa und Nachwehen Beruwala

Nach meinem Besuch in Beruwala und einem Strandtag dort - an dem ich mich wieder habe von den dort heimischen Strandflöhen attaktieren lassen - pflege ich mittlerweile täglich die Wunden dieser Bisse. Und die sind kein Witz! Mosquitos sind dagegen ein Witz. Strandflöhe oder Strandfliegen am Moragalla Beach sind eine verdammte Plage und gefährlich oben drein, weil sie nicht nur Baktierien injizieren, sondern auch gefährliche Krankheiten übertragen. Gehirnhautentzündung ist eine davon. Standflohbisse jucken fürchterlich über mehrere Tage, weil das Tier seinen Speichel mit sämtlichen Keimen unter die Haut seines Opfers bringt. Dort greifen diese das Gewebe an lassen Entzündungen entstehen. Wer kratzt, hab dazu noch verloren. Dadurch gelangen weitere Bakterien über die Haut ins Gewebe drumherum und eine Art Flächenbrand entsteht. Eine Mischung aus allem hat bewirkt, dass ich eine Woche lang mit diesen Bissen beschäftigt bin und noch einige Zeit sein werde. Nachdem die Wunden größer wurden und ganze Beinbereiche anschwellen ließen, was zu starken Schmerzen führt, entschied ich mich für schnelle Hilfe. Ich Sachen bakterielle Infektionen in Sri Lanka kenne ich mich schon aus. Vor 5,5 Jahren bereits hatte ich mir hier eine sehr starke bakterielle Infektion durch eine sehr kleine Wunde eingefangen und ging zum Arzt. Dies war die einzig richtige Entscheidung, da es mir damals stündlich schlechter ging und die Ausmaße einer Blutvergiftung ja bekannt sind. Damals hatte ich einen Antibiotikacocktail für 3-4 Tage erhalten und alles war wieder vorbei.

Diese Erfahrung lässt mich hier locker bleiben und ich ging direkt zur Apotheke. Diesmal ist es nicht so schlimm, sieht nur 10x schlimmer aus. Ich fragte nach Mitteln gegen Sandflohbissen. Die Dame überreicht mir ein Mittel zum Reinigen. Ok. Ein Anfang. Und was gehen die Infektion? Ich zeigte ihr den "Schaden" und fragte, ob hier nicht sowas wie Antibiotika gut wäre? In Sri Lanka und anderen tropischen Ländern holt man sich schnell den Tod über Wunden, weil es überall dreckig ist. Und entzündet war das untere Bein bereits. Ah, sagt sie: Sie wollen Antibiotika? Ich sagte, nun ja, ich glaube schon. Sie gibt mir Tabletten und Salbe. Ich fragte sie ungläublig, ob ich das rezeptfrei erhalte. Sie lachte. Eine typische Reaktion der Menschen hier, wenn sie nicht wissen, was sie auf blöde Fragen antworten sollen. Alles klar. Wir einigen uns irgendwie auf Mengen und Anzahl pro Tag und ich kaufe das Drogenpaket. Denn etwas gekränkelt habe ich ja doch die letzten Tage wegen dieser Bisse. Es wurde schon langsam besser, aber die Schmerzen und die bevorstehende Weiterreise nach Bali ließen mich für Radikalmethode plädieren. Auch hatte mich das Ganze die Tage in Hikkaduwa nur faulenzen und nichts tun lassen, da ich mich von Liege zum Bett und zurück bewegt hatte - unterbrochen von kurzen Futterzufuhrbesuchen und umliegenden Restaurants. Eigentlich wollte ich noch ein Surfbrett bestiegen haben und wäre gern mit den anderen noch hier und da mehr weggegangen abends zu einigen Strandparties. Das meiste fiel aus und ich zog mir bei der Faulenzerei auf der Strandliege einen dicken Sonnenbrand auf der Lippe zu. Aber soweit ist noch alles dran und ich lebe noch :-).

Hikkaduwa habe ich also dieses Mal eher eingeschränkt gelebt, weil ich auch einfach mal nichts tun wollte. Etwas Spazierengehen, den Surfern zusehen, einmal Tauchen gewesen - spannend ist anders - mit dem Guide Chamara, den ich schon 2007 hatte, und das absolute Highlight des Jahrhunderts: WHALEWATCHING!!! Ich durfte die größten Meeressäuger und Tiere der Erde - soweit bekannt - hier im südlichen Meer von Sri Lanka sehen!!! 

Rundreise - Ende in Sicht

In Kandy erreichte ich lange vor 9:30 bereits das Visabüro und nahm nach der gleichen Sicherheitscheckprozedur am Eingang Platz in den Sitzreihen. Die übliche Show zeigte sich: Ausländer warten brav bis sie dran kommen bzw. gerufen werden, Einheimische treten direkt zum Tresen vor und bringen Ihr Anliegen vor. Doch dort werden sie auch mal zum Warten und Hinsetzen aufgefordert. Ich frage mich dann immer, was lernen diese Leute in Ihrer Kindheit? Aber das Drängeln ist hierzulande und auf den Malediven fester Bestandteil des Alltags. Wer nicht drängelt, verliert. Mir war es fast egal, weil ich ja Zeit hatte. Doch wundern durfte ich schon...?! Irgendwann wurde ich gerufen und hielt dem Dicken erneut meinen Pass unter die Nase mit der Bitte um Ausstellung meines Visas. Ob ich meine Bezahlquittung hätte? Was? Ich will keine Schuhe umtauschen, sondern mein Visum in meinen Pass! Ich sagte draußen in meiner Tasche und durfte sie auf Aufforderung holen.

Ok, zum Glück hatte ich den Wisch noch, denn dort war meine Antragsnummer vermerkt - meine Aktennummer. So etwas wichtiges drucken sie auf eine Art Kassenbon und sagen Dir nicht mal, dass Du den Zettel aufheben musst! Idioten! Aber ich hatte ihn noch, da ich die auf der Rückseite handschriftlich vermerkten Uhrzeiten des heutigen Amtstages nicht verlieren wollte und mir dachte, wer weiß, wofür es noch gut ist... Ich zog also den Zettel aus dem Portemonnaie und ging wieder zurück zu dem Sachbearbeiter. Alles klar, Nummer eingesehen, Pass entgegengenommen: Ich könne meinen Pass heute Nachmittag um 4:30pm abholen. Ok! Geht doch! Ich hatte nun ca. 6h Zeit, um diese sinnvoll in Kandy zu verbringen. Wegen der Rumreiserei hatte ich keine großen Ambitionen, wollte bald noch etwas ausruhen und erledigte noch alltägliches. Von meinem Fahrer ließ ich mich im Zentrum absetzen bummelte etwas, besorgte Duschgel, erkundigte mich nach der Abfahrtszeit des Zuges nach Ella, tat andere Kleinigkeiten und ließ mich später am Hotel absetzen. 6h Innenstand von Kandy war nicht auszuhalten. Der Lärmpegel übersteigt den von 10 deutschen Großstädten zusammen. Von der Luftverschmutzung durch Abgase einmal ganz abgesehen. Ich hatte den Fahrer um 4:00 bestellt - irgendwie war er ganz ok und kannte meine Adressen schon. Da war es praktisch ihn immer wieder zu rufen. Einmal hatte er mich sogar umsonst zum Hotel gefahren, weil er mich nach Abholung seines Sohnes auf der Straße gesehen hat. Wahrscheinlich hat er sich die Fahr später mitbezahlen lassen. Ein anderer Fahrer nahm nämlich weniger vom Hotel in die Innenstadt. Da es sich nur um Centbeträge handelte, war es mich nicht so wichtig. Dafür durfte ich erfahren, dass er aus dem Oman kam und seit 7 Jahren in Kandy lebt und sein Tuc-Tuc ohne Führerschein fährt. Nur seine Taxilizenz wird vom Staat überprüft aber nicht sein Führerschein...hahaha! Unglaublich aber wahr!

4:15 Visabüro in den Wartereihen: Einer der 3 Grazien vorn ist lediglich anwesend und einige Ausländer. ich war früh dran und drin tat sich nichts. Es ging nicht voran. Niemand wurde nach vorn gerufen. 20min später reichte mir das und ich ging nach vorn und trug mein Anliegen vor. Die Pässe seien noch nicht hier, sondern aufgrund einer Verzögerung noch in der indischen Botschaft. Ich müsse warten, bis sie kommen. Ok, das hätte der Gute den Wartenden schon einmal kundtun könnnen. Auf meiner Frage nach der Wartezeit kam ein Achselzucken und ein Schätzen von einer halben Stunde. Na schön, dann würde es 5:15 sein und das Büro schließt um 5:30. Morgen ist es nicht geöffnet. Na die werden doch nicht??? Ich wollte nicht das Wochenende in Kandy verbringen! Alles gut, hinsetzen, warten, schauen. Irgendwann um kurz nach 5 wurden die Türen aufgestoßen und ich sah meinen dicken Sachbearbeiter hineinstürmen mit einer Tasche in der Hand und gefolgt von dem dritten Kollegen. Schnurstracks marschierten alle in den hintern Teil des Büros. Es dauerte keine 5 Minuten und er erschien mit einem Stapel von ca. 10 Pässen an den Tresen und rief die Europäer durch zunicken nach vorn. Ich ging einfach sofort nach vorn, obwohl er mich nicht angesehen hatte. Nachdem er erste mit seinem Pass verschwand, hielt ich ihm erneut meine Bezahlquittung unter die Nase und erhielt prompt meinen Pass. Und das Visum war auch drin! Erledigt!! Ich hatte das Visum und konnte jetzt gehen und morgen weiterreisen!!

10 Minuten später war ich im Hotel, ließ den Abend ruhig ausklingen, packte, stand früh auf und war um viertel vor Acht am Bahnhof. Was danach geschah, habe ich vor einigen Blogs ja schon beschrieben! Inzwischen sitze ich in Hikkaduwa, wo ich eine Woche und 2 Tage verbracht und einen eintägigen Besuch bei Kalhara und seiner Familie - er war jetzt aus Soneva Alcatraz zurückgekehrt - eingeschoben hatte. Der Tag am Strand am Moragalla Strand sollte mir noch zum Verhängnis werden...

Saturday, February 23, 2013

Sri Lanka - Rundreise zur Ostküste


Bevor ich das zweite Mal nach Kandy zurückfuhr, folgte ich meinem Plan, nach Sigiryia weiter nach Tricomalee zur Ostküste zu fahren, um mir dort ein ruhiges Plätzchen am Strand zu suchen. Nach dem ganzen Trubel erschien mir das als einzig akzeptable Lösung für die nächsten Tage. Im Bus warf ich ich mich wie gewöhnlich mit dem Fahrstil des Höllenreiters mit in die Kurven und machte mir inzwischen nur geringe Gedanken über tödlich ausgehende Verkehrsunfälle. Diese Fahrer haben soviel Erfahrung und schafften es immer hervorragend, keine Fußgänger und Tuc-Tuc-Fahrer überzufahren. Gelegentliche Vollbremsungen fingen wir Insassen geübt mit Festhaltereflexen ab bzw. durch Anlehnen an den nächsten Fahrgast. Denn Platz zwischen den Gästen im Bus gibt es nicht. Sogesehen fällt umfallen schwer. Ein großer Vorteil in bepackten Bussen besteht in der verstellen Sicht durch die Frontscheibe. Ich wollte irgendwann nicht mehr sehen, wie lebensbedrohlich die Busse durch das Land brausten. Mein Gehirn konnte diesen Stil nie nachvollziehen und so war es mir nach einer Weile egal, wie schnell und halsbrecherisch der Bus fuhr. In nur ca. 3 Stunden erreichten wir Tricomalee. Ein recht netter Tuc-Tuc Fahrer sprach mich an - natürlich - und ich - müde von dem Tag - gab nach und beauftragte ihn, ein Zimmer am Strand für mich zu finden.

Schnell raus aus diesem dreckigen Ort und über die schöne Landschaft fuhren wir gen Norden. Hier ist ganz offensichtlich Tamilenland. Polizei- und Armeesperren auf den Straßen in regelmäßigen Abständen verheißen immer noch Kontrollnotwendigkeit, den neuen Frieden aufrecht zu erhalten. Lustigerweise verkauften die Soldaten auch Lottoscheine an passierende Fahrzeuge. Aufgrund mangelnden Englischs meines Fahrers konnte ich die Erklärung nicht verstehen. Irgendwann fuhren wir in Richtung Strand zu einem Hotelkomplex, wo er mich nicht absetzte. Stattdessen landete ich auf einem kleinen zurückliegenden Gueshouse, die günstige Zimmer hatten und auch eines frei. Sehr gut, ich beschloss, hier 2-3 Tage zu verbringen. Zum Strand waren es vielleicht 200m. Dafür konnte ich nachts totale Ruhe genießen und wurde weder von Straßenlärm, Musik oder Meeresrauschen wachgehalten. Wobei letzteres ja zu den schönen Geräuschen gehört.

Was geschah hier die Tage? Nichts. Außer schlafen, essen, schwimmen, sonnen und Internet recherchieren gab ich mir nichts zu tun. Die Küche hatte abends immer nur ein Gericht - Reis und Curry oder Fried Rice. Das Frühstück war ausreichend und Englisch. Dazwischen gabs nichts. Es war ein ruhiges Plätzchen, das einem Deutschen gehörte und von einer einheimischen geleitet wurde. Seltsames Volk gab es auch in diesem Gästehaus. Sri Lanka im Februar ist voll von Deutschen - 2 alleinreisende Männer, die sich beide an Verbiesterung hätten nicht übertreffen können und 2 zusammenreisende Mädchen, die sich über andauernde Reiseaktivität ohne Pause anödeten und sichtlich von dem Trip genervt waren - sowie ein schwedisches Paar der Sorte rund, Glatze, Glimmstengel zu jeder Gelegenheit - ungeachtet möglicher Nichtraucher in nächster Nähe, die grade eine Rundreise planten. Spannend war es hier in Nilaveli überhaupt nicht. Am Strnd ausharren konnte man gut, ohne alle fünf Minuten von Verkäufern belästigt zu werden, wie es hier in Hikkaduwa der Fall ist. Nur ein Fischer kam vorbei, der Muscheln verkaufte und 2 Joints fielen neben meinem Handtuch vom Himmel. Ansonsten schloss ich nach 3 Tagen jenes Kapitel und brach nach Kalkudah auf.

Kalkudah - wo sich Seevögel und Raben gute Nacht sagen

Pasikudah und Kalkudah wurden mir von einem Freund, der kitesurft, empfohlen. Ich hatte beschlossen, diese Station ausfindig zu machen und mein Glück unterm Schirm zu versuchen. Doch toter als dieser Küstenstreifen konnte es nun bald nicht mehr werden. Nicht nur, dass ich am Morgen mit dem gleichen Verbiesterten Deutschen im selben Bus landete, der auch an mein Zielort wollte und beim Ausstieg fragte, ob ich den Weg wüsste, was ich verneinte, woraufhin er sich wortlos umdrehte und zu Fuß loslief (wir hätten uns ja ein Tuc-Tuc teilen können...), nein auch ein nicht englischsprechender Fahrer, der keinen Plan hatte, was ich wollte und mich wahllos an den 2 einzigen existierenden überteuerten Hotels in der Gegend abzusetzen versuchte - ich nötigte ihn zur Weiterfahrt, bis wir das weit und breit einzige Strandresort fanden, dass erst halb fertig war und in dem ich einen akzeptablen Preis aushandeln konnte - nervte mich bis zum Letzten. Und dann saß ich nun in meinem ca. 5m² kleinen Zimmer mit Betonboden und Holzwänden, was dem ganzen ein wenig Strandbungalowatmophäre verlieh, und schaute in regnerische Grau gen Meer. Hier gab es nichts. Einen Zaun um das Gelände, einen Pförtner und einen schleimigen Hotelmanager, der ganz stolz betonte, dass er Essen aus Sri Lanka servieren würde. Ja was denn sonst? Holländischen Gauda hätte ich nicht erwartet. Vom Kochen verstanden sie ansonsten nicht allzuviel. Ein Phänomen, dass ich hierzulande fast nur erlebt habe: jeder ist der Meinung, Gäste beherbergen zu können und Restaurant spielen zu können. Doch sie verstehen gar nichts davon und man darf nicht überrascht sein, fast rohe Eier lieblos auf den Tisch gestellt zu bekommen. Logischerweise wissen sie auch nicht, wie ein Tisch zu decken ist, denn hierzulande essen die Einheimischen wo auch immer, wann auch immer mit einem Teller in der Hand und mit den Fingern. Es gibt nicht die Kultur, dass eine Familie zusammen eine Mahlzeit einnimmt und dabei zusammensitzt. Jeder hockt irgendwann irgendwo. Mich hat das im Haus von Kalhara irritiert und ich fragte mich immer, warum niemand mit mir essen würde. Aber später sah ich es: morgens schon ging der Fernseher und die Familie verfolgte die neueste Soapfolge, während ich frühstückte. Jeder aß dann, wann er Hunger hatte - dafür stand den ganzen Tag Curry und Reis und anderes auf dem Tisch, immer bereit für denjenigen, der etwas davon haben wollte.

Auch in Hotels war diese Kultur festzustellen. Die Tasse und die Teekanne landeten irgendwo auf dem Tisch, diverse Teller reihten sich vor dem Gast und das Besteck war mal ein Löffel und eine Gabel oder ab und zu auch mal ein Messer. Wohing diese Werkzeuge gehörten, war dem Personal natürlich unbekannt. Eine lustige Tatsache ist es eigentlich. Wenn die Leute hier nicht so vehement der Meinung wären, dass sie einen hervorragenden Service lieferten, für den sie auch hohe Preise abfragen dürften. Dem ist nicht so - liebe Singhalesen. Wartezeiten, zero Aufmerksamkeit, Ton manchmal, seltsame Portionen passen nicht zu seltsamen Preisen und zahlreiches mehr sind markante Hinweise dafür, dass die Preise bald die Leistung weit übersteigen werden. Noch ist alles recht günstig - meistens. Andererorts - z.B. hier in Hikkaduwa - darf man schon mal das Doppelte bezahlen und dafür ebenfalls nichts erwarten. Das Wachstum ist ungesund und der Service bleibt unprofessionell. Für die low-Budget-Szene gern genommen und akzeptiert - gern lokal und sympathisch privat mit Fingern gegessen. Aber nicht in als Restaurant angesehen wollende Orte. Hier sollten die Leute in Sri Lanka die Kirche im Dorf lassen oder sich im Tourismus weiterbilden. Ich nehme es weiterhin gelassen und schaue immer nach den besten Deals, wenn möglich. Reisen ist hierzulande auf jeden Fall die Erfahrung wert! Denn Sri Lanka ist trotzallem ein sehr schönes Land, was die Landschaft, das Meer, die Berge und das Klima angeht. So genieße ich ruhige Tage bei Regen und etwas Sonne am gegenüberliegenden Strand, der nur durch Sumpfe und einige Fischerhütten von der Anlage entfernt liegt. Unangenehm auch hier: der eine oder andere hemmungslos gaffende Mann, versuchend sich aus der Ferne zu nähern, während ich vollständig bekleidet wohlgemerkt über den Strand laufe. Himmel, darf man hier nicht als Frau allein herumlaufen?

Dennoch, nach 2 Tagen hält mich nichts mehr und ich reise weiter nach Kandy, um am Tag darauf mein Indien Visum in Empfang nehmen zu können. Wieder mit dem Bus weiter nach Batticaloa vorbei an dem Ort, in dem ich einen weiteren Bus Richtung Kandy hätte nehmen sollen. Dorthin fuhr ich auch prompt zurück, weil mir wieder Fehlinformationen zugetragen worden waren. Also wieder zurück und an der Straße nach dem richtigen Bus gewartet. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich den Bus an dem Tag gewechselt habe, aber mein Reisetag dauerte von 6 Uhr morgens bis ca. 18 Uhr, als ich in Kandy ankam - für ca. 200km. Dafür durfte ich atemberaubend schöne Landschaft mit Wasserbüffelherden, Ziegen, sattem Grün, Bergen und Hügeln sehen sowie eine Abruchpiste, die sie Landstraße nennen. Alles gut, ich landete wieder in meinem günstigen Hotel außerhalb der Stadt und man quartierte mich wieder in mein altes Zimmer ein. Somit war ich bereit für den morgigen Amtsgang beim Visabüroo um 9.30 Uhr.

Friday, February 22, 2013

Sri Lanka - wie die Rundreise weiterging

Nachdem ich in Kandy nun endlich mein Visum in Empfang nehmen durfte und daraufhin den letzten Abend in der Gebirgsstadt verbrachte, trat ich am Morgen um 8:20 die Weiterreise im Zug nach Ella an. Eine Route, die mich weiter hinauf in die Berge führen sollte - vorbei und durch Teeplantagen, Wälder, Gärten, Abgründe, Schluchten, Dschungel, über Brücken und durch Tunnel. In ungefähr 2500 Metern Höhe war die Luft frisch. Als wir den Pass überquert hatten, schlug das Wetter um. Auf der Ostküstenseite ist derzeit noch Nebensaison, weil es täglich regnet. Diese Wettergrenze durchfuhren wir in Höhen um die 2000m. Es regnete und wir hatten dicken Nebel. Ein erstaunliches Bild gab dies ab, etwas unerwartet in Sri Lanka. Doch wie ich später erfuhr, herrschten in den Bergen auch mal Temperaturen um die Null Grad. Im Zug bot sich das typische Bild. Hoffnungslos überfüllte Abteile, ein stiller Kampf um jeden freiwerdenden Platz - Singhalesen drängeln sich einfach an den Platz heran und verharren dort, bis der Sitzende aufsteht, um sich dann währenddessen hinter ihn zu drängen und während der Sitzende noch nicht den Gang erreicht hat, bereits den Platz für sich einzunehmen. Das höfliche Abwarten, bis jemand seinen Platz endgültig verlassen hat, um dann Platz zu nehmen, existiert schlichtweg nicht. Ein Zustand, der auf den Umstand schlechter Reisebedingungen zurückzuführen ist.
Meine Zugfahrt sollte bis Ella führen, von wo aus ich gut in Richtung Südküste weiterfahren konnte. Nach Sigiryia verspürte ich wenig Lust, noch länger in den Dörfern zu verbringen und ohne richtige Schuhe in den Bergen wandern zu gehen. Das hatte ich ja schon vor 5,5 Jahren getan. Also begnügte ich mich mit Zugaussichten durch spektakuläre Landschaft, während ich 4h im Gang sitzend auf meinem Rucksack zubrachte. Der Plan war, dass die Zugfahrt 5h bis Ella dauerte. Doch wer hierzulande reist, sollte auf solche Auskünfte nicht viel geben. Auch Abfahrtszeiten weiß offenbar niemand wirklich. Stets erhält man unterschiedliche Auskünfte, weil offenbar jeder eine Meinung zum Transport hat, aber die Realität nicht kennt. Jedoch hat es bisher immer irgendwie funktioniert. Der Trick ist, sei einfach sehr früh am Bahnsteig, an der Bushaltestelle oder an Kreuzungen in die richtige Richtung. Plane stets ein bis zwei Stunden mehr an Wartezeit ein. Auch nach hinten heraus plane nicht, sonder achte auf das Fahrttempo und die Bedingungen und akzeptiere einfach die Situation. So harrte auch ich unbequem, aber zumindest sitzend auf meinem Viertelquadrat-meter und meinem Rucksack aus und beobachtete, dass der Zug im Schneckentempo von Ort zu Ort schlich und sich die Fahrt ins endlose hinzog. 5h bis Ella? Niemals! Im Zug, bei mir in der 2ten Klasse, befanden sich eine Truppe recht penetranter Österreicher, einige Deutsche, Russen oder Reisende aus angrenzenden Region. Die Mutter der Österreicher übernahm die "Blockwartrolle" und spielte sich peinlichst als Herrscherin der Zugordnung auf und biederte sich lautstark lokalen Familien an und übernahm damit die Folgeplatzverteilung im Wagen, nicht reflektierend, dass einige Deutschsprachige bereits die Augen verdrehten, weil die Dame nicht auszuhalten war. Zum Glück sollte diese Gruppe auf halber Strecke aussteigen, was ca. nach 2 bis 2,5 Stunden hätte passieren müssen. Da die Fahrt nun aber im Bummelzugverfahren verlief - was mir in Ruhe die Möglichkeit einräumte, die Landschaft zu betrachten - mussten wir es so gute 4 Stunden aushalten.

Um der ganzen Unbequemlichkeit noch eins draufzusetzen, drängelte sich regelmäßig ein bullig aussehender Uniformierter der "Railway Protection Force" durch die Gänge - und ich musste ständig meine Sitzposition verlassen, was meinem Rücken nicht wirklich guttat - und gaffte uns Touristen an. Auch sprach er solche ständig an, was seltsam wirkte. Es ging mal um Taschen oder Themen, die ich nicht richtig mitbekam. Da nie Taten folgten, nahm ich an, dass er nur wichtig wirken wollte und sich so gehör verschaffte. Bei mir tat er dieses auf die hierzulande leider ebenso gängige Methode und fragte mich direkt, ob ich Sex mit ihm haben wollte. Singhalesische Männer können sehr respektlos sein, weil die Frau hierzulande ebenso wenig wert ist, wie in angrenzenden Ländern. Dieses Angebot war eine erniedrigende Unverschämtheit und ich hätte ihm am liebsten Bescheid gegeben. Doch besser, man verhält sich ruhig und antwortet korrekt. Als Reisende ohne wirkliche Rechte, die sich vielleicht im Ton vergreifen, kann der Aufenthalt sonst schon mal bei den Behörden enden. Ich verneinte also einfach bestimmt und hoffte auf ein baldiges Ende dieser Höllenfahrt. Wie können die Menschen hier Vertrauen in das System haben, wenn sich Staatsbeamte derart verhalten? Meine Stimmung verdunkelte sich weiter. Es reicht schon, dass Männer hier unaufhörlich starren oder Sprüche ablassen. Aber das jetzt ging zu weit. Im Nachhinein erfuhr ich, dass ich mir hätte seinen Namen, Dienstnummer und bestenfalls ein Foto besorgen können und ihn der Polizei oder dem Bahnhofsvorsteher anzeigen können. Das nächste Mal würde ich das tun.

So schaukelten wir also weiter durch die steilen Berge und irgendwann ergatterte auch ich einen Fensterplatz und zückte meine Kamera. Neben mir saß ein Chinese mit Benehmen und ich fühlte mich sicher abgeschirmt von Unannehmlichkeiten lokaler Männer. Für den Rest der Fahrt schoss ich Fotos, leerte meine Snackbestände und stellte fest, dass eine Weiterfahrt zur Küste heute nicht mehr möglich war. Wir waren spät dran. Nicht die angekündigten 5 Stunden, sondern ganze 7,5 Stunden - sprich den ganzen Tag brauchte dieser Zug für eine Distanz von vielleicht 90-100km. Eine ganz normale Zugfahrt in Sri Lanka, wo der Stand der öffentlichen Technologie im Jahr 1914 stehengeblieben war. Ist ja auch ein Erlebnis. Aber angenehm und bequem ist das Reisen nicht, sondern nur beschwerlich und sehr anstrengend. So mussten sich unsere Ahnen gefühlt haben, wenn sie zwangsläufig einmal von A nach B mussten.


Irgendwann gegen 5 Uhr erreichten wir also Ella, wo alle Backpacker ausstiegen und schnurstracks richtig Ortskern ausschwärmten. Ich begriff, was nun folgte. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit hatte jeder nur eines im Sinn, ein bezahlbares Zimmer zum Übernachten zu finden. Ich versuchte einige Angebote, lehnte eines wegen des Preises ab und landete dann in einem günstigeren - jedoch dem bisher ungepflegtestem Loch, dass ich hier bezogen hatte - und ärgerte mich ein wenig. Doch für eine Nacht sollte es gehen. Duschen, umziehen, Essen und schnell noch online gehen - free WIFI gibt es mittlerweile an Touristenorten fast überall. Und Ella war ein Touridorf, wie es im Buche stand. Gewusst habe ich davon nicht. Es sah dort aus, wie in einem Bergdorf in den Alpen mit kleinen Läden, Restaurants und Zimmerfreischildern. Nur das die hiesige Ausgabe um ein vielfaches schäbiger und verdreckter ausfiel. Nach dem Abendessen draußen mit Bier und Internet freute ich mich auf die Nachtruhe. Mein Morgenbus sollte um 6.30 abfahren, was mir gelegen kam. Ich wollte hier schnell weg Richtung Meer.


Morgens um 6 in Ella an der Kreuzung - es war noch dunkel - fragte mich ein Ladenbesitzer, wohin ich wollte. Ich war die Erste auf der Straße, die meisten Geschäfte waren noch geschlossen. Ein wenig später kamen 2 Wanderer vorbei. Nachdem ich ihm mein Ziel "irgendwohin Richtung Süden zur Küste", nannte einige Beispielorte, eine größere Stadt an der Küste, und erklärte mir, der Bus würde um 7.15 Uhr abfahren. No way! Ich war locker eine Stunde zu früh dran?! Schon wieder eine Fehlinformation. Egal. Hier saß ich nun und ließ mir eine Kokosnuss zum Frühstück geben, kaufte mein Wasser für die Reise und einige Bananen. Das sollte reichen. Der Ladenbesitzer fragte mich nach einem Euro, seine Tochter würde Geldnoten sammeln. Ok, ich bezahl ihn also mit einem Euro. Kein Problem. 

Später kam er zu mir und fragte mich nach der Bezahlung der Artikel. Klasse! Grad hatte ich ihm mehr Geld gegeben, als die Dinge kosteten und er wollte nun auch noch Rupien. Ich sagte ihm, dass ich ihm bereits einen Euro gegeben hatte und jetzt nicht nach noch mehr Geld fragen könne. Doch aus seiner Sicht war der Euro ein Geschenk. An diese Einstellung hierzulande gewöhnt gab ich ihm noch etwas in der Landeswährung, aber nicht die volle Summe. Wir Touristen sind schließlich keine fetten Gänse, die man hemmungslos ausnehmen kann. Die Bettelei und das Aufdrängen der Händler und Tuc Tuc Fahrer ist eine wirklich unangenehme Seite der Menschen hier. Doch daran gewöhnt man sich auch irgendwie. Reisende hier sollten immer wachsam verhandeln und Preise nie einfach akzeptieren. Während ich so meine Kokosnuss leerte und mir Gedanken machte, wann ich wohl hier wegkommen würde, hielt um 6.30 Uhr ein Bus gegenüber. Kurz überlegt ging ich zum Fahrer und fragte ihm nach dem nächstgelegenen größeren Ort Richtung Süden. Bingo! Genau dort fuhr er hin. Während ich mit meinen Taschen den Bus stürmte rief der Verkäufer hinter mir her, das sei der falsche Bus. Wie auch immer. Mir war klar, dass ich den "langsamen Bus" und nicht den Long-Distance-Höllenbus nahm. Mir war das recht, weil die nächste halbe Stunde nur bergab ging - über Straßen ohne Randsicherungen....