Thursday, March 18, 2010

Wahre Schönheit...und Abenteuer III !

Nach Boca Bartol gingen wir zum übernächsten Tauchplatz - Nr. 3 auf Bonaire - Playa Funchi. Jedesmal vor, nach und zwischen den Tauchgängen muss ich ganz entspannt auf Lawrence warten und die Autoscheiben nach oben kurbeln. Die Temperaturen im Wagen steigen derweil auf Backofenhitze an. Hier wäre mir die kräftige Brise von draußen hilfreich zum überleben. Ich könnte ja auch aussteigen, aber dort brennt die Sonne. Also bleib ich geduldig sitzen und warte, bis der kleine Macho aus Belgien - der in der DomRep lebt - sich seinen Joint gebaut und angezündet hat. Dann darf ich die Scheiben wieder herunterkurbeln. Zum Glück - denn ich steht eigentlich nicht auf kiffen. Meine Sinne möchte ich beim Tauchen ebenfalls alle beisammen haben, um Situationen halbwegs realistisch einschätzen zu können. Aber hier teilen sich die Meinungen eben und ich lasse andere gern auf ihre Art gewähren. Eine Hilfe im Notfall wäre Lawrence sowieso nicht wirklich, da er mit defektem Oktopus taucht. Als Tankstelle würde er nur unter Wechselatmung mit seinem Automaten taugen.

5 Joints und 378456 Schlaglöcher später an diesem Tag gehe ich mit meinem Buddy zum Strand hinunter und floate genüsslich im wogenden Türkis! Es ist jedesmal eine Offenbarung, in dieser Schönheit liegen und in ihr hinabtauchen zu dürfen. Am Dropoff gehen wir zuerst ein Stück nach links, um uns eine bestimmte Korallenformation anzusehen. Die Strömung zieht von rechts nach links spürbar vorbei. Nach 2 Minuten drehen wir bei und beginnen unseren Tauchgang gegen die Strömung. Trotzdem gemütlich schaukeln wir an Korrallenblöcken und -höhlen mit ihren Bewohnern vorbei, grüßen höflich und vermeiden ruckartige Bewegungen. Die armen Viecher erleiden oft schon Stressanfälle beim Anblick des riesigen U-Boots Mensch, das dort vorbeischiebt.


Oh, da sehen wir ihn in vollendeter Pracht: Ein wunderschöner Rotfeuerfisch mit seinen imposanten Indianerfedern stillschwebend, geschützt unter dem Dach eines Korrallengebildes. Er bewegt sie kaum. Dreht nur etwas den Kopf nach hinten weg und präsentiert uns seinen Allerwertesten. Dieser ist ebenfalls wunderschön anzusehen - Indianerfedern in schwarzweiß Tönungen. Ich versuche mich im Fotografieren. Irgendwann wird auch das besser werden.
Irgendwie werde ich ständig ans Riff und gegen Lawrence gedrückt. Das war doch eben noch nicht so. Die Strömung! Sie drück mich gegen gen Riffwand. Der Druck nimmt zu, plötzlich wieder ab. Wir schaukeln über einen Riffblock, der einen Rechtsknick macht. Irgendwie drehen wir uns etwas im Schwebezustand und werden jetzt mit guter Kraft in unsere bisher getauchte Richtung gezogen! Die Strömung hat gedreht. Wir werden nach vorn geschoben, als ob wir mit einem Bummelzug fahren und die Landschaft durch die Fenster vorbeiziehen sehen. Der Zug fängt an Gas zu geben! Und wir mittendrin! Die Strömung reißt uns nun schon fast nach Norden und wir entscheiden uns sofort umzukehren. Kurz überlegen wir, weiter nach unten zu gehen, da es dort ruhiger auszusehen scheint. Doch irgendetwas sagt uns dass wir einfach schnurstracks zurückschwimmen sollten. Wer weiß welche Überraschung uns auf 30m erwarten würde.

Wir drehen uns um 180 Grad und treten in die Flosse. Nach ca. 15 Flossenschlägen rast mein Herz. Strömung kann sehr erschöpfend auf den Organismus wirken. Ok! Da gibt es nur eine Lösung für den Moment: Festhalten und eine Pause einlegen. Ich suche mir einen großen Block Hartkoralle ohne weiteren Bewuchs auf der Oberfläche und klammere mich an ihm fest. Dann endlich kann ich beruhigende Atemzüge nehmen. Waagerecht im Wasser an der Koralle hängend und die Füße nach hinten wegziehend verschnaufe ich eine Minute und schaue mich nach Lawrence um. Er kopiert mein Modell und hängt sich vor mich. Kurz erholt geben wir Signal weiterzuschwimmen. Ok! Und los! Wieder in die Flosse getreten - der Herzschlag geht gleichmäßig - erreichen wir nach weiteren 3 Minuten seichteres Wasser. Die Stelle an der sich die Strömung dreht. Hier nehmen wir den Linksknick des Riffs und steigen ein Stück auf.

Das ging nochmal gut. Einen Moment lang dachten wir Probleme zu bekommen. Strömungen können unberechenbar und vor alles unvorhersehbar sein. Änderungen oder Stärken sieht man schwer und bemerkt diese erst in voller Pracht, wenn man sich bereits mitten drin befindet.

Für heute genügt es uns auf diesem Tauchplatz und wir tauchen gemütlich aus. Wir lassen den sandigen Untergrund im Flachwasser und das Riff hinter uns uns steuern auf die Korrallenformationen am Ausstieg zu. Hier über winden wir noch einige Wellen und lassen uns auf Geröll stupsen. Raus - Geschafft!

Monday, March 15, 2010

Wahre Schönheit...und Abenteuer II !


Am ersten Tauchplatz Boca Bartol am nördlichsten Zipfel der Westküste verstecke ich erst einmal die Wertsachen - wie Kamera, Handy, etwas Geld, Ausweis und Marine Park Quittung - Dinge, die zum Teil notwendig im Park sind, aber auf der anderen Seite nicht empfohlen werden mit an Tauchplätze zu nehmen. Die Diebstahlrate ist einfach zu hoch und entsprechend das Risiko alles zu verlieren. Für mich heißt dies heute die Landkamera in eine Felsenhöhle zu legen und den Blick darauf mit unauffällig gestapelten Steinen zu verdecken. Das kleine Säckchen mit Papieren und Geld landet auf der Vorderachse hinter dem Reifen. Hier müsste der Dieb schon lange suchen...

Fertig zusammengebaut, angezogen und alles auf den Rücken geworfen laufen wir über das Korallengeröll ans Wasser hinunter. Wir schwimmen nicht weit hinaus bis wir abtauchen. Glücklicherweise ist die weite Sandfläche vor dem Dropoff bereits voller Korallenbewuchs und lasst viel sehenswertes vermuten. Zwischen bunten Korallenformationen - meist aus Feuer- und vielen anderen Korallen bestehend sowie von zahlreichen Jungfisch- und Papageienfischarten belagert - gleiten wir Spalier auf dieser Straße von schneeweißem Sand links und rechts durch farbenfrohes Rifftreiben umgeben bis hin zur Riffkante, die sich vor uns wie eine Skipiste in den Abgrund eröffnet. Wir entscheiden uns für das südlich gelegene Riffleben und biegen nach links ab. Wenige Minuten Abstieg auf einer ca. Tiefe von 23 Metern sehen wir sie plötzlich! Ein riesige grüne Muräne schlängelt sich vor uns über das Riff und sucht sofort Schutz unter den Korrallengebilden, um sich vor uns in Sicherheit zu bringen. Meine erste Muräne dieser Größe. Stattliche 2,50 in grasgrün mit einem Kopf von ungefähr 25cm im Durchmesser und gleißende blaue Augen schauen mich direkt an, während ich vor diesem Naturereignis in den Wellen schwebe und versuche Fotos zu machen. Mist!!! Meine Kamera produziert nur Lamellenstreifen! Und das in so einem Moment! Verdammt. So nicht! Jetzt zusammenreißen, konzentrieren und versuchen, die richtige Einstellung zu finden. Weitere Versuche scheitern kläglich. Immernoch liegt dieses lange, dicke, grüne Etwas vor mir auf dem Präsentierteller!

Nach gefühlten 10min und 3 grauen Haaren später lichte ich sie endlich ab. Geschafft! Nun nichts mehr an der Kamera umstellen. Ich halte drauf und hoffe auf wenigstens ein einziges akzeptables Foto von dieser Begegnung. Lawrence ist schon weiter vorn und bedeutet mir seine nächste Entdeckung! Eine Riesenlanguste unter einem Korallenblock sitzend. Wieder darf ich fotografieren und freue mich über die großartigen Motive. Wir tauchen weiter und weiter, sehen einiges Getier und Treiben, bevor wir umkehren und etwas aufsteigen. Lawrence ist ein Spaßvogel. Er schwimmt vor mit und zeigt mir das Zeichen für Hai an! Hai? Wie, wo? Ach quatsch! Der Typ veralbert mich doch nach Strich und Faden. Doch er achtet nicht weiter auf mich und schwimmt schnurstracks auf einen Korallenblock im oberen Sand gelegen zu. Ich folge ihm und sehe jetzt, was er meint. Unter der Steinformatione ragt eine riesenlange Schwanzflosse heraus. Was vorn ist, kann ich nicht sehen, weil es unter dem Block versteckt ist und mein Buddy genau vor der vorderen Öffnung liegt und hineinschaut - mit Kamera natürlich. Die Farbe des Haut ist unverkennbar. Ammenhai. Kauert sich unter den Block und denkt tatsächlich, er oder sie sei für potenzielle Feinde unsichtbar. Dabei liegt hinten 1,50 Schwanzflosse im weißen Sand. Irgendwie süß. Binnen 2 Minunten haben wir unsere Fotos gemacht. Plötzlich kommt Lawrence ans hintere Ende und nähert seine Hand der Schwanzflosse. Ich ahne was offensichtlich passiert. Er wagt es tatsächlich das Tier zu berühren! Sofort tippe ich ihn an un bedeute ihm heftig, dass er den Hai nicht anfassen darf! Himmel! Lernen diese dummen Taucher denn gar nichts? Und dann - wieviele Möchtegernprofis grabschen reihenweise Lebewesen im Meer an - in dem Glauben als Instructor das Wissen und die Liszenz zum Berühren zu haben? Auch Lawrence lebt in den Glauben, er als Instructor müsste wissen, wie sich einige Tiere anfühlen, um es Gästen beschreiben zu können. Was für ein ausgemachter Blödsinn!!! Geht's noch?? Warum haben solche Menschen immer noch eine Zulassung? Dies ist leider ein endloses Thema.

Wir tauchen weiter und freuen uns dennoch königlich über diesen Anblick und eine weitere wunderschöne Taucherfahrung.

Sunday, March 14, 2010

Wahre Schönheit...und Abenteuer!



Wenn wir etwas als wirklich schön bezeichnen wollen, ist es sicher die Natur. Für uns Taucher und Wasserliebende verdient den Begriff "Wahre Schönheit" ganz sicher aber das Meer. Dieses weite faszinierende Element mit seinen gewaltigen Kräften und seinen einzigartigen Farben, der unglaublichen Macht über alles und seiner gleichzeitig Geborgenheit vermittelnden Ausstrahlung, sobald man in ihm taucht, und seinen einmaligen Kreaturen, die in ihm leben. Kreaturen die außergewöhnliche Schönhheiten sein können und die in einem unbeschreiblich schönen Umfeld leben. Wir, die Besucher unter Wasser, haben das große Glück, diese Kreaturen sehen zu dürfen. Respektieren wir dieses Privileg als Taucher und behandeln diese Lebewesen mit dem größten Respekt! Denn diese Tiere kennen uns nicht und können nicht erahnen, wie wir leben, woher wir kommen und welche Macht der Zerstörung wir ausüben können. Respektieren wir und empfinden wir diese Möglichkeit, Gast in den Ozeanen sein zu können, als großes Glück. Wir dürfen diese Meeresbewohner in ihrem natürlichen Umfeld beobachten und wahrnehmen... Belassen wir es dabei - sehen, lernen, wunderschöne Bilder in Gedanken mitnehmen. Das ist es....

Solch einen unvergesslichen Tauchgang durfte ich heute wie auch gestern erleben. Selten zu beobachtende Tiere begegneten mir in dieses 2 Tagen als ob sie mir sagen wollten, dass es sie immernoch gibt und dass es ihnen gut geht. Im Norden der Insel Bonaire - im hiesigen Nationalpark - gibt es einzelne Tauchplätze, die man nur mit mühsamen Fahren erreichen kann. Fahren, welches früh am Morgen beginnt bzw. beginnen sollte, um genügend Zeit mitzubringen, um diese Plätze innerhalb der Parköffnungszeiten erreichen zu können.

Wir - ein ehemaliger IDC Kandidat von Thommy starten um 7:15 - Treffen bei Div'Ocean - Equipment packen, Kameras und Eintritts-ID's im Auto deponieren. Schnell noch einige Snacks aus dem Warehouse geholt und nach Norden gen Rincon gebraust. Lawrence's alter schwarzer Pickup scheint robust genug zu sein, die holprigen, bergigen mit Löchern gepflasterten Parkstrecken bezwingen zu können. Nach unserem Eintritt und wenigen Metern Fahrens während eines kurzen Fotostops passiert es! Der Motor geht einfach aus. Nichts mehr. Tot! Was???? Nicht heute!!! Nicht heute im Park und so früh um 9.15 Uhr! Lawrence will aufgeben. Ich will die Tatsache des toten Autos nicht akzeptieren und frage nach Signalen der Batterie. Nichts. Sie muss leer sein. Denn sie sagt keinen Laut. Seltsam. Dies kann nicht sein so plötzlich. Immerhin hatte sie bis vor 3 Sekunden ausreichend Strom geliefert. Es muss ein anderes Problem sein. Vielleicht ein Kabel. Hier können wir jedenfalls nicht stehenbleiben, weil ander Parkbesucher auf der gleichen Durchfahrtsstraße passieren wollen. Wir schieben den Pickup zum Eingang zurück. Irgendwie lustig muss das Bild sein, das wir hier abgeben. Irgendwie habe ich ein gutes Gefühl und überlege weiter. Wenn kein Batteriesignal, dann ist diese eigentlich leer. Was wiederum nicht sein kann, weil sie bis eben nocht reibungslos lief. Also auf mit der Klappe. So einfach gebe ich mich nicht geschlagen. Lawrence beginnt etwas Vertrauen zu gewinnen und fummelt an den Batteriekabeln herum. Nicht überrascht stoßen wir auf wirklich rotte und rostige Kabel um den Stromspender herum. Sämtliche Plastikummantelungen sind so porös, dass sie sofort brechen. Den Kupferdraht dürfte dies aber nicht stören. Wir wackeln an den Verbindungen und schauen nach Reaktionen. Inzwischen scheint es klar zu sein. Wir haben ein Kontaktproblem zwischen Batterie und Kabel. Etwas wackeln und versuchen den Motor zu starten macht uns hoffnungsfroh. Der Motor springt kurz an und geht wieder aus. Hmmmmm! Ein gutes Zeichen. Die Batterie ist definitiv nicht tot. Nachdem Lawrence die Kabel einige Male gebogen, gedreht und geschoben hat, starte ich den Motor.


BBBBBBBBBrrrrrrrrrruuuuuuuummmmmmmmmmmmm! Geht doch!!!! Fehler gefunden! Wir besorgen uns Klebeband und befestigen alle Verbindungskabel von und zur Batterie, um sie vor bevorstehenden Bewegungen zu bewahren. So können sie den Kontakt aufrecht erhalten. Damit bin ich guter Dinge in den Park zu fahren. Lawrence fragt mich leicht besorgt, ob ich dieses Risiko nehmen will, mit dem Pickup in den Park zu fahren und möglicherweise liegen zu bleiben. Ich rufe "Ja", und bin zuversichtlich - da wir das Problem genau kennen - dass wir im Falle des Falles einen Ausweg finden und reparieren würden können. So fahren wir los.

Etwas verspätet schaukeln wir über die steinigen, roten Sandwege, die links und rechts von Kakteenwäldern gesäumt sind. Auf der Ostküstenseite finden wir den schönsten einzig echten verbliebenden Sandstrand von Bonaire. Gewaltige türkisfarbene Wellen rollen in die ca. 200m breite Bucht, die zwischen 2 hohen Wänden aus uraltem, versteinertem Korallengestein versteckt liegt. Diese Bucht scheint laut hinauszurufen, dass sie sich mit dem einzigen Strand auf der Insel mit geballtem Selbstbewusstsein behaupten kann. Nirgendwo sonst auf Bonaire gibt es diese bloße Naturschönheit karger Felsformationen in Kombination mit weißestem und feinsten Korallensand. Sofort möchte man sich in die 3m hohen Wellen stürzen und diese Kräfte am eigenen Leib spüren. Doch ein solches Unterfangen kann schnell tödlich enden, wenn man die Unterströmung nicht kennt und in den Wirbeln dieser riesigen Wellenbrecher aufs Meer hinausgezogen wird.

Am erstem Tauchplatz Boca Bartol... Fortsetzung folgt...

Thursday, March 11, 2010

Die letzen Wochen...


Es ist die Zeit der Wehmut angebrochen. Nach nun fast 6 Monaten sehe ich besorgt dem Ende dieser einzigartigen Zeit auf Bonaire entgegen. Viele Bekannte fragten mich bereits, warum ich gehen würde. Dies rührt mich. Ich überlege, warum ich eigentlich gehe. Die Antwort ist: Ich fühle, dass es Zeit wird. Ich hatte bisher eine wundervolle Zeit - außerordentlich schön - auf diesem Stück uralter Koralle in der Südkaribik. Ich habe einige neue Freundschaften geschlossen, die ich wie eh hegen und pflegen werde. Ich hatte unglaublich viele schöne Tauchgänge und genieße jetzt jeden einzelnen noch bewusster.

In weniger als 3,5 Wochen werde ich das Flugzeug nach NY und dann nach Berlin besteigen. Das macht mir Angst. Ich liebe die friedliche Atmosphäre im sonnigen Bonaire. Auch die Nähe zu mittel- und südamerikanischen Ländern überzeugen eindeutig. Ich werde zurückkommen, um diese Länder zu entdecken. Bis dahin freue ich mich wie eine Königin über zahlreiche neue freundschaftliche Kontakte hier, die ich nie vergessen werde.

Jetzt bricht meine letzte Zeit auf Bonaire an. Ich werde mir bewusst, welch einzigartige Zeit und Gelegenheit ich erleben und ergreifen durfte. Bis zum 4. April beginne ich jeden Augenblick langsam zu verplanen und meine Tauchgänge darin Platz finden zu lassen. Ich möchte noch viel unternehmen und besichtigen, habe dennoch nur noch 3 volle Wochenenden, bevor ich mit allen mir lieb gewordenen Menschen am Strand mein Abschiedsbarbeque geben werde. Hier stehen noch einige Tauchgänge auf dem Plan!

Inzwischen bewege ich mich so sicher im Meer bis auf 40 Meter, dass ich keinerlei Unsicherheit mehr verspüre und selbst Unsicherheiten von Kunden negieren kann. Dies ist ein großartiger Fortschritt und eine wunderbare Erfahrung, die ich dank dieses Auslandsaufenthaltes machen durfte! Aber das Abenteuer hat noch kein Ende... ich sehe noch weiteren 3 Tauchwochen entgegen und werde diese nutzen :-)!

Monday, March 08, 2010

Umzug in mein Haus näher zum Strand








Es ist mein 4. Umzug auf Bonaire zu meiner 5. Adresse innerhalb von fast 7 Monaten! Meine höchstwahrscheinlich letzte Residenz auf der Insel ist ein Haus. Ein Haus in Belnem, das fußläufig von den Stränden Bachelors Beach, Corporal Mais und Windsock entfernt liegt. Ich habe den Auftrag des Housekeepings angenommen und sorge für 3 Hunde. 4 Wochen ist der Bewohner des Hauses nicht auf der Insel. Pepe, der venezuelanische PADI Master Instructor fliegt heute nach Malaysia, um PADI Course Director zu werden. Weil das Haus tiptop in Ordnung für die Besichtigung der neuen Besitzer sein muss, hat es Pepe sehr gefreut, dass ich sein Angebot angenommen habe. Ein Haus mit Garten für meine letzten Wochen in Bonaire verlocken mich doch sehr. Nach den letzten Wochen des Wohnungsteilens ist mir die Ruhe des Alleinseins willkommen. Es ist schon anders, als abends mit der Mitbewohnerin und mehreren bedeutend - gelinde gesagt -jüngeren Nachbarn des Apartmentkomplexes mindestens 3x die Woche Neuigkeiten austauschen zu müssen. Stattdessen würde ich mich viel lieber mit eigenen Themen befassen. Doch höflich, nett und gastgefällig erfülle ich die Erwartungen der lokalen Sozialisierung, die mir oft das Gefühl vermitteln, auf Klassenfahrt zu sein....

Ja, der Spaß hat jetzt ein Ende und Ernst klopft an meine Tür: 1 x täglich Hunde füttern nach der Arbeit, Blumen innen und außen gießen (die Regenzeit blieb komplett aus) und Haus sauber halten. Im Gegenzug komme ich in den Genuss einer Waschmaschine und langen Wäscheleinen im Garten, einer spirituell betörenden Ruhe auf 2 Terrassen mit Klangspieluntermalung, 3 schwarzen bellenden Wächtern für all meine Besitztümer, keiner Mitbewohnerin im Haus und dem einmalig schönen Blick auf das Meer jeden Morgen und Nachmittag im Vorbeifahren auf dem Weg zum Shop und zurück. Einem spontanen Sprung ins laue Nass steht nun nichts mehr im Wege. Mit dem reparierten Mofa überbrücke ich die Entfernung zwischen Haus und Basis bequem. Wollen wir hoffen, das das Ding auch durchhält... Die Steigerung der Wohnqualität innerhalb dieses kurzen Zeitraums ist beträchtlich und ich freue mich auf meine erste echte Zeit als Lokal!

Tuesday, March 02, 2010

Die skurilsten Geschichten aus Bonaire!!!

Bombenalarm auf dem Flamingo Airport!!!

Um nochmal auf gescheiterte oder vielmehr plusternde Existenzen in Bonaire zurückzukommen... Zu Beginn meines Aufenthalts war ich dem stets auf coolem Gehabe bedachten mit blonde Mähne im Wind wehenden Gerrie begegnet. Er sollte mein Ansprechpartner für ein evtl. IDC-Praktikum im Winter sein. Zu einem Arrangement kam es jedoch nie....

Warum. Heute würde ich diese Frage mit meiner Inkompatibilität in sein Angestelltenschema (höchstens 20 Jahre jung, Mädchen mit langer Mähne und zu frisch, um die kindliche Schüchternheit abgelegt haben zu können) beantworten. Herr Manager äußerte sich dementsprechend einmal in angetrunkenem Zustand mit den Worten: Er würde mit mir ungern so umspringen, wie er es mit seinen Angestellten pflegt zu tun... Nun ja! Die Gerüchteküche brodelte schon seit langem bei den Dive Friends rund um die Insel Bonaire und zurück. Es ging um einen eindeutig verbal agierenden General Manager, der gern junge Mädels unter Druck setzte, herumkommandierte und dazu sexistische Ausdrucksformen - von denen ich nicht sicher bin, wie weit sie gingen - benutzte. "Einschüchterungstaktik gepaart mit stets im Hinterkopf geöffnetem Hosenschlitz" könnte man die Strategie von Blondie nennen, die in eine durch Angst geprägte Arbeitsatmosphäre mit nachhaltiger Demotivation beim Staff resultierte.

Dass die grünen Mädels ihrem "Gönner" auf lange Zeit nicht zu widersprechen wagten, bot unserem Harleybruder stetig Nährboden für sein anhaltend aufgehendes Konzept. Natürlich umgab er sich deshalb immer wieder aufs neue mit Divemaster Trainees im Alter bis 20. Ich hatte dieses Bild immer mit einem Schmunzeln betrachtet und mit seinem nie enden wollenden Jugendwahn und einem immerwährenden Bad in seiner Eitelkeit begründet. Mit Ernst konnte ich ihm nie begegnen. Er bot mir immer eine unterhaltsame Balzshow, die meinen Tag eigentlich nur netter werden ließ. Doch bei den Tauchfreunden vollzog sich offensichtlich ernst zunehmendes hinter den Kulissen. Wenn man den Beteiligten Glauben schenken darf...

Es gab und gibt eben nicht nur Spätteenager auf dieser Basis, sondern sogar erwachsene Menschen. Erwachsene weibliche Menschen. Derartige Spezies entschied sich tatsächlich, nach einigen verbalen Entgleisungen ihres Managers, ihre Beschwerde bei den Aktionären und Mitmanagern in Holland kund zu tun. Und nun ging alles ganz schnell. Binnen 1 Woche fanden Telefonate zwischen gepeinigten Angestelltinnen und den Managern in Holland statt, die wiederum rückführende Gespräche mit ihrem angegriffenen Kollegen führten, welche wiederum in trauter Einigkeit zwischen beiden Seiten und Besserungsbeschwörungen desselbigen seiner Anstragsteller gegenüber mündeten, was wiederum dazu führte, dass eine Vertrauensperson für sexistische Anzüglichkeiten benannt wurde, die allerdings die Pflicht hatte, ihre Beschwerden zuerst dem lokalen General Manager - eben Gerrie, dem Urheber dieser Äußerungen - vorzutragen, damit dieser entscheiden konnte, welche dieser Informationen er nach Holland zu seinen Partnern weitergeben wollte!!! Was für eine glänzende Ironie und Einzigartigkeit einer Unternehmensorganisation!!! Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen. Diese Geschichte erzeugte Resignation bei den Betroffenen und ich fragte mich schmunzelt, wer sich so etwas gefallen lassen würde...

Weniger als ich erwartet hatte. Es knallte! Einer der Partner reiste aus Holland ein, mehrere Angestellte trafen sich mit ihm, um zu berichten. Gerrie bekam einen Haufen Ärger, hieß es. 3 Tage später war er seines Amtes enthoben. Wow! Wer hätte das gedacht? Darauf organisierten sich die Dive Friends in Windeseile neu und setzten einen neuen General Manager ein, hatten noch schnell ein paar Divemasterkandiaten entlassen und besetzten andere Posten neu, sodass sich die alte Clique neu zu formieren schien. Einen Sündenbock hatte sie gefunden und öffentlich geköpft. Andere weniger offensichtlich Handelnde scheinen sich nun einen noch festeren Stand zu schaffen... Die Fluktuationsrate im Unternehmen steigt weiter an...

Das Ende vom Lied für unseren ehemaligen GM wurde wie folgt von den Dächern gepfiffen. Sein Versuch nach dieser Pleite nach Holland zu fliegen, wurde von den bonaireanischen Behörden gestoppt. Man erzählt sich über einen sturz sturz sturz Betrunkenen im Flugzeug sitzend und laut grölend, der vom Flugpersonal aus dem Flieger zu entfernen versucht wurde, weil er eine Gefahr für den gesamten Flug hätte bedeuten können. Anscheinend von der Situation vollkommen überfordert - laut hiesiger Buschtrommeln - konterte der blonde Harley mit den Ruf, er hätte eine Bombe in seinem Handgepäck und würde das Flugzeug nicht verlassen! Oh je.... Damit sollte man nie scherzen. KLM Flugbegleiter riefen sofort die Polizei und ließen den Panikmacher abführen. Eine Woche Gefängnis und der Eintrag seines Namens auf den schwarzen Listen sämtlicher großer Airlines waren die Konsequenz dieser Dummheit. Es schien, als ob er nie wieder von dieser Insel geflogen werden und hier auf ewig verdorren sollte.

Doch wo ein Gerrie da ein Weg! Über Curacao, Caracas und Madrid fand er den Weg mit Iberia nach Holland und scheint inzwischen seine Reputation erfolgreich bereinigen zu können. Sogar zurück nach Bonaire zu seinen Besitztümern und Haustieren soll er gekehrt sein, um hier wieder Fuß zu fassen. Hut ab! Das nenne ich mal geringe Selbstreflektiertheit oder Mut? Vielleicht truf sich ja aber alles auch ganz anders zu und er pocht zurecht auf seine Inselexistenz. Wer weiß das schon...

Sunday, February 28, 2010

Der Countdown läuft oder ich habe ihn eingeschaltet...

Ist es nicht ein wenig schade, jetzt schon fast täglich an die verbleibende Zeit in Bonaire zu denken? In immerhin 4 Wochen und 6 Tagen besteige ich die Maschine nach New York morgens gegen 5:40 Uhr, um irgendwann gegen 6:00 Uhr in meine Lieblingsstadt geflogen zu werden. Ich kann es kaum erwarten dorthin zu kommen. Weniger als 5 Wochen auf Bonaire ist für andere Menschen nicht einmal ihre verfügbare Jahresurlaubszeit! Doch wie alles andere im Leben, relativiert sich auch das Zeitgefühl mit dem Anlass und der persönlichen Situation. Bei knapp 7 Monaten auf diesem Stein 80km vor Caracas sind 4 Wochen schon ein Zeitraum, in dem man langsam die verbleibenden Tage mit gezielten Erlebnissen verplant und sich in Gedanken beginnt zu verabschieden.

Verabschieden ist ein gutes Stichwort. Von wem oder was verabschiedet man sich in wirklich? Oder wem oder was kehrt man nur den Rücken auf Zeit? Und von wem oder was verabschiedet man sich gern? Und das für wie lange?

Manchmal ertappe ich mich beim Grübeln über meine mich hier umgebenden Mitmenschen und ihre Geschichten. Welche Sorte Menschen trifft man in diesem Umfeld? Der Begriff Sorte klingt ein wenig herabwürdigend, soll er eigentlich nicht. Gemeinsamkeit wäre der bessere. Welche Gemeinsamkeiten haben Menschen in einer Existenz fern der Heimat in ewiger Sonne? Und welche lassen mich mit ihnen in dieses Szenario passen? Unwillkürlich versetze ich mich in so manch westlich orientierte Ansicht und sehe einige Menschen hier als Flüchtlinge aus einem "zu harten Leben" zuhause. Flüchtlingsdasein vor dem europäischen Wetter trifft auf viele sicher auch zu. Doch mehrfach erlebe ich Menschen - besonders männliche Leidgenossen - mit persönlichen Problemen, die ihnen den Zugang zu erwachsenen Beziehungen zu verwehren scheinen. Männer mit ausgeprägtem Drang, sich lautstark in ihrem Umfeld, durch ihre ganz eigenen Kommunikationsformen und teilweise stark betontem Ichbewusstsein behaupten zu müssen. Auf diese Weise können sie sich wohl erst wirklich wahrnehmen. Einige Hintergrundgeschichten bestätigen meinen Verdacht von einem vermeintlich nicht verarbeiteten Eindruck des Gescheitertseins. Dieses muss es noch nicht einmal sein. Doch anscheinend nehmen diese Zeitgenossen ihre Vergangenheit unbewusst so wahr. Oder weshalb sonst erleben sie hier aktiv ein solch Testosteron gesteuertes Auftrumpfen in der Öffenlichkeit?

Auf der anderen Seite sehe ich ein Leben fernab der heimischen Sicherheit als mutig an. Immerhin liegen sie nicht ein Leben lang in festen Jobhängematten mit Rentenversicherungen, diversen Boni und Firmenvergünstigungen, die ihnen auch noch die Selbstwahrnehmung bestätigen, ein großartiger Mitarbeiter in einer kaum schaffbaren Position eines mittelprächtigen Unternehmens zu sein. Hier wäre es mutig, auszusteigen und auf dem freien Markt sein Wissen zu verkaufen oder auf andere Weise seine Hängematte - seinen schützenden Kokon - gegen echte Aktivität einzutauschen.

Doch zurück nach Bonaire. Oft frage ich mich, welche Existenz die "wahre" ist, die für ein soziales Dasein in der Welt die richtige Lebensweise wäre. Ist es der ziellos umher wandernd scheinende Tauchlehrer, der jedem Schüler ganze Vorträge über den Schutz der Meere erzählt und selbst größtenteils die Finger von den Ressourcen lässt und sich von jeglichem sozialen Leben zurückgezogen hat? Der nie in einen Shoppingrausch und Besitztumsrausch verfällt, sondern nur sein Ding machen will - an paradiesischen Stränden dieser Erde - und seine Abende nie ohne mindestens 3 Joints vergehen lässt? Ist es der Tauchbaseninhaber, der mit Kursen und Touren für Touristen seine Existenz in der Fremde absichert und kaum andere Interessen zu haben scheint als Happy Hours, Sport auf lokalen TV-Kanälen, seine Haustiere und einen ruhigen Tag haben zu wollen? Oder ist es der Jobhopper, der von Ort zu Ort von Job zu Job - egal welche Branche - zieht und einfach nur leben und die Welt erleben will?

Eigentlich geht es nicht um DEN wahren Weg, sondern um den Weg für einen selbst. Leben und leben lassen sollte eines unserer Leitsätze sein, um uns von allein zu sozial denkenden und handelnden sowie zu urteilsfreien Menschen werden lässt. Warum nicht einfach seinen Weg gehen und dabei gute Kontakte für das Leben knüpfen? Der Weg ist das Ziel, denke ich....

Jedenfalls neigt sich mein Weg nach Bonaire dem Ende zu und das ist buchstäblich gut so. Den Countdown habe ich selbst eingeläutet zu genau dem Zeitpunkt meiner Ankunft nach meiner Reise nach Europa im Januar. Inzwischen langweilen mich allein der Gedanke an vermeintliche Happy Hour Treffen, die jeder Teilnehmer als Grund zum Speedbetrinken benutzt. Auch die Partynächte im Havanna in tropischer Atmosphäre mit Blick aufs mehr bieten nichts neues. Anton spielt seit Jahren schon die gleiche Songabfolge und bleibt damit erfolgreich. Er ist konkurrenzlos. HALT! Letzen Freitag war er waghalsig! Er hatte mindestens 5 andere Songs in seine DJ-Audioperformance eingeschleust und testete vorsichtig die allgemeine Resonanz. Kein Problem oder vielmehr kein Unterschied. Genauso hätte der die alte Leier abnudeln können :-)! Tja, in Bonaire gibt man sich schnell feierlustig und sieht die Musikauswahl nicht so eng. Nein, die Wahrheit ist, dass das Publikum durch wöchentlich wechselndem Touristenansturm gekennzeichnet ist. Antons gleichbleibende Musikauswahl fällt nur den Dauerinsulanern auf. Diese bleiben auch mal weg. Macht nichts. Die harte Währung kommt aus dem Touristenportemonnaie.

Alles in allem ist Bonaire ein nettes Island mit einer Erlebnispalette, die einen Zeitraum von 3 Monaten sehr gut füllen kann. Doch für mich mit nunmehr 5 Monaten und geplanten 6,5 Monaten auf dem Island wird es Zeit weiterzuziehen. Damit kann ich meinen New York Aufenthalt kaum abwarten und versuche nun, die verbleibenden Wochen mit übrig gebliebenden Dingen nachhaltig positiv wirkend auszufüllen. Das Tauchen gehört natürlich nicht zu diesen Dingen. Tauchen ist eine Leidenschaft, die ich sowieso bis zum Ende hier auskosten möchte. Doch der Countdown läuft: 4 Wochen und 6 Tage noch....