Friday, July 29, 2011

Berlin ertrinkt - Mexiko lockt mit Sonne

Was könnte Dich noch mehr in Deiner Entscheidung bestätigen, die Region über den Winter zu verlassen, als das derzeitige Wetter in Berlin, Deutschland und großen Teilen Europas? 4 Wochen vergehen jetzt noch bis zu meinem Abflug in ein anderes Leben. Die sind prall gefüllt von Arbeit, Sportbootunterricht, Gepäckplanung, Projektplanung, Recherche und anderen bürokratischen wie organisatorischen Vorbereitungen hier und dort.

Eine Studiowohnung habe ich längst gemietet - selbst mein Transfer zu meinem Apartment per Local-bus und Abholung durch meine Vermieterin ist schon geplant. Nun bleiben noch Kleinigkeiten wie die Information der Krankenversicherung, Hotelzimmer in Brüssel reservieren und wöchentlich die Dinge herauszulegen, die mit auf die Reise gehen werden. Die Wahl fällt schwer, wenn es um die Bücherauswahl geht. Davon könnt ich VIEL mehr einpacken, als ich bisher herausgelegt habe. Doch ich möchte am Checkin der Airlines keine Probleme haben und entscheide die tatsächlich Auswahl eh erst am letzten Packtag.

Playa del Carmen ab dem 26.8.2011 bis irgendwann im April 2012 mit ziemlicher Sicherheit lässt mich in mich hineinhören, ob der Plan weiterhin haltbar ist bzw. sich gut anfühlt. Eigentlich schon. Klar ist es wieder einmal ein komisches Gefühl, ins Unbekannte aufzubrechen. Aber gemütlich zuhause bleiben kann jeder! Das ist für 2 Wochen am Stück ja schon langweilig genug. Außerdem ist das etwas für das Alter. Wer rastet der rostet ist sowas von ein richtiger Spruch! :-)

Saturday, July 23, 2011

Schon wieder nur wenige Wochen ...

Bis zur Abreise nach Mexiko sind es nur noch weniger als 5 Wochen. Alles ist geplant soweit. Ich mache 3 Kreuze, dass ich meine Wohnung in Berlin Moabit untervermieten konnte zum 1.September 2011 und alle damit verbundenen Kosten gedeckt sein werden. Der Vertrag ist beidseitig unterschrieben, die Kaution habe ich erhalten, die Schlüssel sind bereits übergeben. Nun stehe ich noch vor 4,5 Wochen Zeit in Berlin und in Deutschland, die mit viel Arbeit, Packen, Räumen und Freunde wie Famile treffen ausgefüllt sein werden. Meine Familie steht inzwischen ganz oben auf der Liste und ich freue mich auf das Wiedersehen nach kurzer Zeit seit letzem Mai. Unser Verhältnis ist so viel besser geworden und ich fühle nun deutlich die Verbindung zu meinen Wurzeln, meiner Prägung und meines Ichs. Das ist sogar wunderbar! Damit fühle ich mich heute sehr wohl :-)! Umso schwerer fällt mir die bevorstehende Abreise. Emotional habe ich mich bisher nie beeinflussen lassen - nicht von familiären Bindungen. Tja, ich schätze, ich bin mit nun fast 41 Jahren endlich erwachsen geworden. Es ist eine Veranwortung, die man eingeht. Aber es ist schlicht das eigene Leben, das man leben muss. Jeder hat eigene 2 Beine, auf denen er stehen muss. Ein guter Freund von mir sagte einmal: "benutze sie auch...".

Nun steht mein Weg in den Startlöchern! Einige von Euch beginnen sich schon zu verabschieden und kündigen teilweise sogar bereits ihre Besuchsabsichten an! Das freut mich am meisten am Reisen - nicht vergessen zu werden, sondern besucht zu werden! Nichts scheint für immer oder aus der Welt! Kontakte könnnen gehalten werden - ich versuche meine nach Kräften und Wünschen zu pflegen. Freunde unterwegs zu haben, ist das Wichtigste gegen die Einsamkeit und die Zweifel, die zu jeder längeren Reise gehören. Die gleichen Freunde, die schon bei der Planungsphase mit Rat und Tat zuseite gestanden haben und meine Überlegungen auf den Kopf gestellt haben. Das Ergebnis ist, je näher der Abreisetermin rückt, desto leichter fühlen sich die Momente an und desto aufgeregter werde ich. Alles fühlt sich richtig an. Diesmal ist es kein begrenzter Ausbildungsaufenthalt. Diesmal ist es ein Aufenthalt auf eigentlich unbestimmte Zeit. Einen terminlichen Grund für eine endgültige Rückkehr habe ich nicht in 2012. Einige kleinere Zeiträume für sinnvolle Projekte können anstehen. Diese schließen aber keine erneute Abreise danach wieder aus. Naja, nun heißt es ersteinmal, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Wer weiß, was unterweg passiert und welche Möglichkeiten sich entwickeln oder welche Katastrophen aufkommen. Mit dem Reisen entstehen erfahrungsgemäß neue Reisepläne.

Friday, July 01, 2011

Sharm el Sheik to Brussels airport

Diesmal hatte ich natürlich keine Mondfinsternis auf dem Flug zurück nach Brüssel – nicht nur weil ich tagsüber geflogen bin, sondern weil solche Ereignisse nun mal nicht alle Nas lang passieren. Nachdem ich Dahab verlassen hatte, um einen Tag bei Anna in Sharm el Sheik verbringen zu können, bin ich inzwischen seit gut 10,5 h auf dem Flughafen und warte auf das Bording in einer Stunde. Wie ich solche Zeitverschwendungen hasse, kann ich gar nicht sagen. Genutzt habe ich sie dennoch mit etwas Arbeit für heimische Projekte und natürlich skypen und facebooken! Sogar die letzten Urlaubsbilder sind bereits heruntergeladen, verkleinert und bei facebook hochgeladen.

Die letzten Tage in Dahab waren ganz nett. Es ergaben sich noch Gelegenheiten, einmal mit einigen Leuten im Blue Hole abzutauchen und am Eel Garden – meinem Lieblingsrestaurant. Auch das bloße in der Sonne bzw. im Schatten liegen konnte endlich praktiziert werden. Der Wettkampf war vorüber, die Aufregung Vergangenheit. Ich genoß die Ruhe so weit wie möglich, um mich vor dem bevorstehenden Stress zuhause zu stärken. Bei dem Gedanken daran konnte einem ganz anders werden. Immer öfter sehe ich mich in einer Existenz fern ab dieses zuhauses in einem anderen neuen zuhause.

Die Ruhe, die das Meer beim bloßen Anblick ausstrahlt, ist ein Luxusgut, dass ich einfach nicht mehr missen möchte. Hier am roten Meer war ich zwar nicht an meinen imaginären Lieblingsorten. Doch ich befand mich in einem wunderschönen heißen Klima – das Klima kann sehr schön aussehen, sobald die Sonne beginnt unterzugehen und die Luft in einen rosafarbenen Schleier hüllt und das Meer babyblau einfärbt. Dahinter schimmern die rotgrauen Berge von Saudi-Arabien über die spiegelglatte Wasseroberfläche. Vor dieser Kulisse sitzt man am Strand und fröstelt nicht ein einziges Mal, weil die Hitze durchdringt und einem von tief innen heraus ein ausgleichendes Wohlbefinden ermöglicht. Das ist das Gesicht des Klimas in dieser Region und ich bete es an!! ;-)

Nur nachts im Haus ist es ohne Klimaanlage zu stickig zum Schlafen. Aus dem Schwitzen kommt man dann nicht mehr heraus. Zum Glück funktioniert die Anlage. Überraschenderweise hat diesmal alles funktioniert in diesem kleinen Bedouinenhaus. Das Wasser fiel nicht aus, wie das letzte Mal mehrfach innerhalb von 3 Wochen. Naja, anfänglich musste der Strom in einem Zimmer wiederhergestellt werden und die Gasflasche aufgedreht werden, damit es auch mit dem Kochen klappen konnte. Schlimm allerdings war diesmal der Dreck, der sich inzwischen dort angesammelt hatte. Mein Vorgänger hatte offenbar nicht mal mehr Zeit, seine Bratpfanne vor dem Gehen abzuwaschen. Hervorragend! Abstoßend! Und mein zuständiger Nachbar Andi kümmert sich nicht ums Haus seit seinem Auszug. Wahrscheinlich war er mein Vorgänger, da er zeitweise auch das Haus bewohnt hatte. Irgendwie hatte ich es geschafft, mich dennoch dort wieder einzuleben und fühlte mich zum Schluss richtig zuhause. Ich liebte das Geräusch der heranrollenden Wellen morgens, wenn der auflandige Wind in den Sinai drückte. Eine Schritte aufs Dach und man konnte das azurblaue Meer zwischen den Dattelpalmengärten in der prallen Morgensonne aufblitzen sehen und anhand der Schaumkronen schon die Windstärken einschätzen.

Nur wenige Schritte aus dem Haus und die Sandpiste hinunter und ich war am Strand. Von dort lief ich oft bis zum Lighthouse hoch oder nur bis Eel Garden und genoß die Brise, die vom Wasser hereinwehte sowie den so schönen Blick auf die Wellen und den Horizont. Die Zeit nach dem Wettkampf war einfach. Ein Tag lang machte ich gar nichts außer lange zu schlafen und absolut faul zu sein, zu lesen, etwas zu essen, sogar fernzusehen und später wieder zu schlafen. Die Tage zuvor waren sehr anstrengend gewesen. Ich bin es nicht gewohnt, ständig die Luft anzuhalten und in irgendwelche Tiefen – auch wenn sie nur gering sind – abzutauchen. Der abgezogene Sauerstoff in Armen und Beinen verstärkt den Effekt der körperlichen Anstrengung sehr. Kein anderer Sport ist damit zu vergleichen. 3x Tauchen ohne Luft am Tag reichen schon, um abends sehr müde zu sein.

Bei Anna in Sharm

Die restlichen Tage vergingen dann ganz schnell und ich freute mich auf Anna und ihr Umfeld, in dem sie derzeit für den Weltrekord trainierte. Vor 3 Tagen hatte sie bereits den ersten Weltrekord geschafft! No Limits Tandem bis 125m in Sharm el Sheik zusammen mit Andrea Zuccari vom Only One Apnea Center. Das ist der Wahnsinn! Die beiden haben sich nach 4 Wochen Training in die Tiefe ziehen lassen und wieder herauf. Ca. 3 Minuten dauerte dieser Tauchgang immerhin. Ab 60m während des Aufstiegs hatte Anna Kontraktionen. Der Schlitten ist allerdings ein Beruhigungsmittel, weil er kaum körperliche Anstrengung erfordert und man schnell wieder an der Oberfläche ist. Dann lassen sich Kontraktionen schon mal einige Meter aushalten, schätze ich.

Es ist sehr nett in Sharm. Ich wohne bei Anna im Erdgeschossapartment, das sie im Haus von Marco bekommen hatte. Es ist ein schönes modernes Apartment in einem schönen modernen Haus in italienischem Design. Abends verbringen wir einen tollen Abend auf der großzügigen Dachterrasse, die sich über die gesamte Grundfläche des Gebäudes erstreckt. Ein Poolstisch, ein edler Sitzbereich, ein Barbereich und viel Platz für weitere Erlebnisinseln kennzeichnen diese 1000 Sterne Oase. Wir spielen Pool, bestellen uns italienisch zum Abendessen und quatschen bis zur totalen Müdigkeit. Morgen ist mein Abflugtag und ich sollte gegen 7.30 Uhr aufstehen. Dankbar erreichte ich mein Bett und stellte den Wecker. Morgen sollte der gruselige Tag bevorstehen, an dem ich fast 12 Stunden am Flughafen sitzen sollte, bevor ich nach Berlin durfte.

Anna, Marco, Emmanuele, der nette Videographer und Fotograf, bringen mich zum Flughafen. Beinahe hätten sie Anna nicht hereingelassen, weil sie ihren Pass vergessen hatte. Aber Marco überredet die „Grenzer“ und wir dürfen auf der Gelände. Noch schnell gecheckt, welcher Terminal der richtige ist und noch schnell einige Spaßfotos zum Abschied und schon war ich im Prinzip schon weg. Wenig später bestieg ich also mein Flugzeug nach Brüssel....

Monday, June 27, 2011

Triple Depth dritter Tag und aller Stress fällt ab...


Am dritten Wettkampftag ist es wieder fast so einfach wie am ersten. Denn ich trete mit nur 18m Tauchen ohne Flossen an und kann dies einfach schaffen, obwohl ich es noch nicht gemacht habe. Ich bin wieder mal aufgeregt, während ich am Seil in der Pyramide hänge und leiste mir wohl den witzigsten Abstieg von allen :-). Aber ich hole den Tag! So what?! Es war etwas mühsam abzutauchen und nach unten zu kommen, ohne wieder nach oben zu driften - trotz Blei. Aber ich kämpfe mich irgendwie nach unten und schwimme zur Bodenplatte und wieder zurück. Geschafft! Protokoll auch perfekt! Meine 3. weiße Karte und damit bin ich super zufrieden mit meinem ersten Wettkampf in "vertical diving".

Der Rest des Tages ist Entspannung pur. Alle Comp-Anspannung fällt auf einmal von mir ab! Ich bin erlöst! Nun habe ich Zeit, mir die anderen anzusehen oder nur faul im Restaurant zu liegen. Am nettesten anzusehen sind doch im Tauchbusiness die Freediver. Als Scuba Instructor kann ich das nur immer wieder feststellen und wiederholen. Athleten sind eben keine Gerätebauchvorwegschieber und im Vergleich eben sportlich und weit von den sonst häufig unter Tauchern anzutreffenden Kettenrauchern und bierbäuchigen Sprücheklopfern :-) - davon gibt es immer einige unter den internationalen Tauchergruppen. Von den Kissen auf dem treppenartig gebauten Restaurant im Aqua Marina Blue Hole Restaurant habe ich besten Ausblick und Überblick über das Geschehen. Nacheinander gehen bereiten sich die Athleten mit Atemübungen und Beruhigungstechniken vor, um sich für ihren Tauchgang in die richtige mentale Verfassung zu bringen. Immer wieder sieht man einen nach dem anderen sich den Anzug überziehen, den Bleigurt anlegen, die Maske und den Schnorchel nehmen oder die Schwimmbrille und Nasenklammer umlegen, den Lanyard anlegen und die Flossen oder die Monoflosse unter den Arm klemmen und Richtung Wasser über die heißen Steine laufen.

Triple Depth Tag 2 - schöne Wende :-)


Tja, nach 30m CTW war ich natürlich geschafft, weil ich die Technik bei dem Wettstreit-Chaos vergessen haben... Lotta hatte mir noch leise zugeflüstert, dass 30m einfach sind, besonders wenn man den freien Fall praktiziert!! Hehe, natürlich hat sie mein Chaos komplett verfolgt und will mir noch einige Tipps geben. Die Luft in der Maske einatmen, damit keine Blasen aufsteigen, gehörte ebenfalls dazu. Tja, ich bin eben Anfängerin und brauche einfach viel Gelegenheit zum Trainieren. Eine Gelegenheit, die mir Deutschland bzw. sogar europäische Gewässer nicht bieten können. Es gibt bisher wenige etablierte Freittauchplätze in der Welt. Die nächsten liegen in Griechenland oder Kroatien. Die Tiefe muss Stimmen, die Strömung sollte gegen 0 tendieren und die Temperatur sollte ab 24°C aufwärts sein. Dann sind es optimale Trainingsbedingungen für Vertival Diving. Wie auch immer. Der Tauchgang verlief zumindest erfolgreich und ich kann zufrieden sein – bin aber enttäuscht über meine schlechte Technik. Langsam paddle ich von der Pyramide weg, um das Wasser zu verlassen. Ich würde später nocheinmal zurückkommen, um mir die tiefsten Taucher in CTW anzusehen.

Am Rand des Blue Holes angekommen klettere ich wieder über diese Massen von unbequemen Steinen am Grund und am Ausstieg. Es ist wirklich keine Freude hier ins Wasser zu gehen oder wieder heraus, weil man sich barfuß schnell Wunden in die Fußsohlen reißt. Woran man sich bloß gewöhnen kann und oft muss.... Peter – Lottas Mann, der beim der Wettkampforganisation hilft – erwartet mich schon, um mein Ergebnis in seine Teilnehmerliste einzutragen. Für heute kann ich mich entspannen und beschließe seinen Vorschlag, mir ein schönes Frühstück zu gönnen, gleich in die Tat umzusetzen!

Später ist es so heiß, dass ich beschließe schwimmen zu gehen. Nichts geht mehr. Gefühlte 40°C im Schatten und tatsächliche 35° lassen mich glühen. Ab ins Wasser! Mit der Apnoemaske klettere ich wieder über spitze und kochendheiße Steine, um mich in 24 flüssigen Graden zu erfrischen. Außerdem eine perfekte Gelegenheit, die CNF (Constant Weight with no fins) zu üben. Am korallenbewachsenen Rand des Hole-Riffs lässt es sich ganz bequem heruntertauchen, weil man den Rand als Referenz nutzen kann. Ich komme mir wie ein Pflummi vor beim Versuch, die Wasseroberfläche abwärts hinter mich zu lassen. Mit etwas unbeholfenen Armbewegungen und gleichzeitigen Druckausgleichen der Ohren erreiche ich einige Meter. Na, das kann ja heiter werden! Wie soll ich mit dieser Nichtahnun morgen eine erträgliche und nicht nur peinliche Tiefe erreichen? Nach einigen weiteres Versuchen erkläre ich mein Unterfangen als ausreichend und entscheide mich für das nun folgende Faulenzprogramm. Wie wollen die Anstrengungen ja nicht übertreiben, gell?! J Irgendwie wird der Tauchgang schon klappen morgen.



Rekorde, Rekordbrecher und kleine Fehler

Gegen 13.00 Uhr bin ich wieder im Wasser. Diesmal in voller Montur. Ich möchte mir die tiefen Tauchgänge natürlich der Spanier ansehen, sowie einiger anderer Teilnehmer aus UK, Schweiz, Slovenien etc. Tolle Techniken kann man hier beobachten. Leider gibt es die eine oder andere gelbe Karte für minikleinste Verstöße gegen die internationalen AIDA Wettkampfregeln. Manche Regeln erscheinen mir so sinnvoll, wie diverse Paragrafen des deutschen Steuergesetzes, und sind meiner Ansicht nach mehr als flüssig! Dennoch existieren sie und werden durch die Judges strikt befolgt. Was tun?! Die Teilnehmer legen zahlreich super Tauchgänge hin und patzen mit einer Kleinigkeit an der Oberfläche und müssen dann Punktabzug hinnehmen. Im schlimmsten Fall – eines Blackouts z.B. – wird ihnen eine rote Karte gezeigt. Dies ist nachvollziehbar, da in solchen Fällen oft Fähigkeiten überschätzt wurden oder der Wettkampfstress unterschätzt. Sicherheit ist eben oberstes Gebot. Doch Regeln wie erst das Seil loszulassen und dann de Atemwege ins Wasser einzutauchen und seinen Tauchgang zu beginnen, erscheinen mir mehr als flüssig. Das Gleiche zählt beim Auftauchen: Die Atemwege müssen zuerst aus dem Wasser sein und bleiben und dann darf der Taucher das Seil greifen, um sich daran festzuhalten und sein Protokoll durchführen zu können. Dieses sieht vor innerhalb von 15 Sekunden in der korrekten Reihenfolge die Maske auf die Stirn zusetzen bzw. ggf. die Schwimmbrille und die Nasenklammer abzunehmen, dem Judge ein OK-Zeichen zu signalisieren und dies auch zu verbalisieren. Dabei muss er den Judge ansehen. Danach zeigt er entweder unaufgefordert oder aufgefordert seinen Tag. Damit beginnt das Warten auf das Ergebnis und darf nicht durch Eintauchen des Gesichts oder nur der Lippen ins Wasser unterbrochen werden. Wenn alles glattgeht, zeigen Linda oder Lotta die Weiße Karte – das grüne Licht im Apnoetauchen für einen gelungenen Tauchgang! Mysteriös wurd es an diesem 2. Wettkampftag im Tauchgang des spanischen Rekordhalters Miguel. Er kam mit herabhängendem Lanyard an die Oberfläche. Dieser schien sich unterwegs geöffnet und so vom Seil gelöst zu haben. Unerklärlich aber wahr! Niemand hatte eine Idee, da der Karabiner von guter Qualität zu sein schien und sich nicht öffnen konnte. Selbst öffnen fällt aber auch vollkommen aus. Seltsam! Miguel erhält also die gelbe Karte und ist zurecht perplex. Aber so sind die Regeln. Die Jury hofft auf spätere Erkenntnisse durch die Videoaufnahmen von Jaques beim Auftauchen sowie durch die Bodenplattenkamera. Vielleicht ist irgendwo dieser Moment aufgezeichnet worden, in dem sicher Lanyard geöffnet hat. Schade um diesen schönen Tauchgang! Solche und andere Kleinigkeiten haben mehrere Taucher und Taucherinnen zu enttäuschten Reaktionen geführt, aber niemandem das Herz gebrochen. Diese Dinge werden unter Erfahrung verbucht und beim nächsten Mal verbessert J!

Die Ergebnisse sind an diesem Tag trotzdem beachtlich: CTW 90m aber gelb bei den Männern, bei den Frauen 80m, die flacher werdenden Meter schließen sich direkt an: 80er, 70er, 60er usw. Mit meinen 30m bin ich die flachste Teilnehmerin und fühle mich fehl am Platze. Doch wo ich schon mal hier bin, zieh ich den Wettkampf auch durch. Alles andere wäre schlicht blöd, weil es hier vieles zu lernen gibt und jede Wettkampferfahrung wertvoll ist. Trotzdem ist es schwierig für jemanden, der so neu ist und niemanden außer das Freedive Dahab Team kennt. Es reisen einige Teams und Trainingspartner an, so dass sich viele eingeschworene Gruppen ergeben. Meine Wenigkeit läuft irgendwie nur mittendrin umher und versucht sich zu integrieren. Seufz... ;-)... Heute ist der Tag schon entspannter, weil nur noch ein weiterer Wettkampftag bevorsteht: CNF – Constant Weight with no fins. Nach meinen heutigen Abtauchübungen im Blue Hole fällt mir meine Ansage für morgen nicht einfach. Ich werde keinesfalls über 20m gehen, weil ich im Training nur bis 16 gekommen bin. Schon aus zeitlichen Gründen ist es nicht mehr geworden. Aber unter 15m anzugeben wäre mir zu peinlich! Irgendwas dazwischen wird es also werden. Mein Bauchgefühl lässt mich mehrmals an die Zahl 18 denken. Doch entscheiden möchte ich mich erst später. Die gesamte Autorückfahrt vom Blue Hole, die knapp eine halbe Stunde dauert, diskutiere ich in Gedanken über meine Meteransage für morgen. Ich überlege, wie ich mich auf welchen Metern gefühlt habe und was ist, wenn ich beim Versuch abzutauchen, zuviel Energie verschwende und nicht rechtzeitig nach unten komme? Rational erscheinen mir 18m wirklich als lächerlich! Aber was tun? Erfahrungswerte habe ich nicht. Also belasse ich meine Entscheidung bei 18m.  

Friday, June 24, 2011

Triple Depth Comp Tag 2


Heute ist Constant Weight mit Flossen drann. Ich habe 30m angesagt, was ich normalerweise locker schaffen sollte. Dennoch bin ich nervöser als gestern und versuche es zu verdrängen. Obwohl ich genügend geschlafen habe, abends Pasta gegessen und morgens leicht gefrühstückt, fühle ich, heute ist meine Form nicht dieselbe ausgeglichene wie gestern. Natürlich nicht, weil ich mir 10m mehr vorgenommen habe als gestern. Aber nur, weil ich das schon mehrfach gemacht habe.

Nun denn, heute morgen startet der Tag schon wieder vor dem Weckerklingeln mit Katzenkämpfen vor dem Haus. Ständig streunen die Viecher um die Häuser, auf den Dächern herum und verkriechen sich in den Nischen zwischen den kleinen Beduinenbauten in Assala. Dahab ist voll von Katzen. Niemand kümmert sich offensichtlich um die Vermehrung. Also hört man überall das Kreischen, Fauchen, Rennen, Jagen und gegenseitige Warnen vor Betreten der vermeintlichen Reviere. So auch heute morgen ab gefühlten 4:30 Uhr. Mir macht es nicht soviel aus, da meine Ohrsöpsel eine Menge Krach abfangen und jedes Geräusch zu einem dumpfen, weniger prägnanten und lauten Geräusch abfiltern. Doch es nervt schon etwas, zumal der Lärmpegel seit meinem letzten Besuch nicht geringer geworden ist.

Egal. Um 6:00 hüpfe ich entspannt von der Matratz und gehe ins Bad. Bis auf etwas Ärger mit meinem Computer heute morgen verläuft alles normal und entspannt. Ich löffele meinen Haferflockenjoghurt mit Mangostückchen vor dem Haus in der Sonne und bin voll im Zeitplan. Dann öffnet sich die Tür des Nachbarhauses. Andy steht schlaftrunken inmitten der Kieselsteinfläche zwischen unseren Eingängen und reibt sich die Augen. „öööhh, die schaaaiieeessssviechääää!“ stößt er entnervt, aber irgendwie witzig anzusehen aus. Klar haben ihn die Katzenkämpfe auch gestört. Er sucht sich einen Besenstil und wirft ihn in Richtung heranschleichender Katzen. Ob das hilft? ;-) Aber es ist schon richtig. Die Viecher nehmen langsam überhand. Der Muggele, unser fetter schwarzer Hauskater mit Stummelschwanz (70% dieses Körperteils war laut Tina und Daniel, die eigentlichen Mieter meines Hauses, einmal in einem Zaun hängengeblieben.Seitdem rennt der Dicke wie ein Möchtegernboxer mit absichtlich verstümmelten Schwanz) hatte noch 4 Katzenviecher „vom Hof gejagt!“ Klar er ist der Boss hier! Aber Andi auch, meinte Andi. Na meinetwegen. Ich schmunzele und räume meinen Kram zurecht, weil ich in 4 Minuten loslaufen muss.
Ant wartet schon an unserer üblichen Ecke und berichtet mir von stetiger Müdigkeit und zuwenig Essen. Außerdem trinkt ertäglich Kaffee. Offensichtlich stört ihn die Koffeinzuführ nicht bei seinen Tauchgängen. Gut so. Der Glückliche. Wir bekommen gleich 2 Wagen und klettern in den ersten. 5 Minuten später gebe ich dem Fahrer 10 Pfund. Ich habe keine Lust zu diskutieren. Normalerweise gibt es 5 Rembelbembel. Aber die Jungs versuchen es immer wieder. Jeder Bürger von Dahab scheint seine Fahrdienste anzubieten. Und so hat man immer mit anderen zu tun, wovon einige natürlich geldgieriger sind als andere. Und wieder egal – eigentlich nicht, aber ich will mich in meiner Vortauchgangsentspannungsphase nicht wegen 40 Cent aufregen und verspannen.

Kaum 10 Minuten vergehen und wir sollen schon wieder ins Taxi zum Blue Hole steigen. Heute morgen fehlt ein Wagen und das Chaos beginnt. 15 Leute sollen mit der ersten Fuhre zum Loch gekarrt werden. Wieso haben diese Nasen von Dahabfahrern nur 2 geschickt? Lotta entscheidet kurzerhand, dass die ersten Taucher ins erste Taxi steigen und sich auf den Weg machen sollen. Ok. Schnell greife ich meine Flossen und den Rucksack, um diese auf den ersten Wagen zu laden. Wer weiß, wann der zweite kommt. Im Wagen fällt mir dann ein, dass ich meinen Bleigurt auf dem anderen Wagen gelassen habe. Ach, das ist nicht schlimm. Der andere Wagen kommt eh bald hinterher und zur Not könnte ich mir einen von den anderen Tauchern leihen. Meinen Tag habe ich und den Anzug. Das ist wichtig. Auf dem Weg denke ich wie immer an einen schönen Platz zum Leben und hoffe, in Mexico einen Schritt weiter zu kommen. Hier in Dahab ist es ok, aber es ist nicht meine Welt. Die Wüste, der Sand, der Dreck auf der Straße, der Geruch, keine Strände in der Form, wie ich sie mir vorstelle. Kaum Grün, abgesehen von einigen angepflanzten Dattelpalmen, die den Beduinen gehören. Kein Witz! Jede Palme hat einen regulären Besitzer unter den Beduinen. Das ist eine gute Regelung für ein Begrünungssystem. Die übrigen wenigen Oleanderbüsche sind meist von den Restauranbetreibern angepflanzt, die eingewandert sind und sich nach Blüten sehnen. Ich würde es genauso machen. Mein anderer Nachbar gegenüber hat sein gesamtes Grundstück mit riesigen Bougainvillienbüschen und Palmen überwuchern lassern, das den Garten eine mystische Gartenatmosphäre verleiht. Sehr schön ist es darunter. Beduinen selbst bepflanzen ihre Gärten nicht, weil sie das nicht kennen. In ihrer Geschichte haben sie ja immer nur Zelte auf und wieder abgebaut.

Gärten braucht man als Nomadenvolk natürlich weniger. Das macht Dahab natürlich etwas karg und trist. Das wenige Leben spielt sich ausschließlich an der Promenade ab. Dort wo die paar Touristen flanieren und willkommene Opfer für ägyptische Wuchergeschäfte sind. Manchmal ist dieses Belagern der Geschäftemacher höchst agressionsfördernd, wenn sie nicht verstehen, dass man nur schauen möchte und nichts weiter. Einzelne Shopbetreiber haben es begriffen, andere nicht.

Am Blue Hole angekommen geht es weiter. Das durch uns täglich frequentierte Restaurant „Aqua Marina Restaurant“ dingsbums putzt noch den Boden. Die Wasserfluten rinnen die Treppen herunter auf den sandigen Boden davor. Einen Moment gewartet und wir können eintreten. Schnurstracks steuere ich „meine“ Ecke an und werfe meinen Rucksack dorthin. Die Flossen etc. habe ich gleich unten gelassen, weil ich sie eh erst im Wasser anziehe. Den Anzug und den wiedergefundenen Bleigurt – inzwischen ist das letzte Auto der ersten Fuhre eingetroffen – lege bei meinen Flossen bereit. Die restliche Zeit verbringe ich damit, mich zu wundern. Meine Warmupzeit rückt näher und die meines Vorgängers sogar noch näher. Und die Truppe von Freedive Dahab sitzt in der Lümmelecke und quatscht und quatscht und entspannt sich. Keiner macht Anstalten, die Aufwärmbojen zu platzieren. Na toll! Super Organisation. Im Dive Center wäre schon ein riesiger Terz wegen dieser unproffessionellen Organisation. Sie wissen noch nicht einmal, wer die Bojen setzen wird. Ich beschließe, dies nicht mein Problem werden zu lassen. Irgendwann müssen sie raus. Und wenn sie mich rausgehen sehen, wird es ihnen schon auffallen, dass sie sich endlich zu sputen haben.

Letztendlich schwamm Lotta direkt vor mir raus und platzierte die Boje blitzschnell, so dass ich direkt beginnen konnte mich aufzuwärmen. Diesmal benötigte ich 5 Warmups und fühlte dann plötzlich meine Beine etwas schwach werden. Erklären konnte ich mir das nicht, weil ich ja ausreichend geschlafen und gegessen hatte. Schwäche konnte es noch nicht sein, weil ich die Beine beim Aufwärmen nicht benutzte. Seltsam. Aber leider nicht zu ändern. Auch meine Kontraktionen begannen bereits beim Abtauchen, was für mich absolut ungewöhnlich war. Ich erklärte mir das ausschließlich mit Stress. Ich musste unterschwellig aufgeregt sein oder sonst irgendwas. Obwohl ich mich sonst entspannt fühlte. Aber das mein Tauchreflex so gar nicht sofort einsetzte, war nur damit zu erklären. Nach dem 5. Warmup entschloss ich, ein 6. Mal hinunterzugehen, um mich ganz entspannt auf wenige Meter einfach ans Seil zu hängen. Dieses Hängen fühlte sich eigentlich recht gut an, so dass ich zuversichtlicher war, was meinen geplanten 30m Tauchgang im Wettkampf anging. Wieder oben angelangt, schwamm ich nach 1 Minute rüber zur Pyramide. Ich wollte meine Voratmung dort durchführen. Noch 5 Min. An der Pyramide angekommen ist es 9:06. Ich werde reingebeten. Fast 4 Minuten Zeit. Ich hänge mich ans Seil und schließe die Augen.

Während ich mich in Gedanken davonbeamte und mich in eine wohlige Ruhe schaukeln ließ, verget die Zeit. Zu schnell. „2 minutes to official top“ höre ich Lindas Stimme. Ok, jetzt ist es halt so. Ich versuche gleichmäßig zu atmen und mir schnell die Tauchgang vorzustellen. Außerdem versuche ich mich damit zu motivieren, dass ich eigentlich bis 35m gehen muss, um mir einen längeren Weg vorstellen zu müssen. Ich revidiere dies, dass mir außerdem sagen, dass es nur 30 sind. Irgendwie komme ich nicht in meine Mitte und tue mein irgendwie bestes, ruhig zu bleiben. Dann geht mein Countdown runter. Auf 0. Ich hänge am Seil, hatte grad ausgeatmet und will nocheinmal tief einatmen. Alle Luft, die reingeht, sauge ich jetzt in meine Lungen, lasse das Seil los und tauche dann ab. Zum Glück, ich glaube, es war die richtige Reihenfolge. Ich höre nichts gegenteiliges und gebe Stoff in die Flossen – zuviel! Und zulange! Ich vergesse sogar den freien Fall, während ich mit teils geschlossenen Augen sinke. Ich konzentriere mich auf den Druckausgleich und verdränge die Gedanken an die größer werdende Tiefe. Dann kommst „uaarrgh, ich will hoch, lass mich mal gucken, ob ich die Platte sehe!“ Ich öffne die Augen und sehe sie ca. 4m vor mir! Ohh super und weiter runter. Das schaffe ich! Ich merke, dass ich mit dem Druckausgleich nicht hinterher komme und sich meine Maske ans Gesicht saugt! Solche dämlichen Fehler dürfen nicht passieren. Ich war viel zu schnell und habe meine Technik vergessen. Schlimmer ich habe den freien Fall vergessen! Wie peinlich J. Aber ich wollte eben schnell nach unten, weil ich wusste, dass meine Kontraktionen schnell kommen heute. Trotzdem klappt alles! Ich komme zu Platte und reiße meinen Tag ab. Und schwimme nach oben, merke, das ich viel zu viel zu kämpfen habe. Ich erinnere mich, mich zu entspannen und langsam zu tauchen. Es geht etwas besser. Erst sehe ich Jaques mit der Kamera vor mir und dann Lotta, die mich sichert. Die beiden müssen sehen, dass ich schwer am Kämpfen bin. Überflüssig, denn mein Stress war die Grenze im Kopf! Ich kann locker 30 und mehr tauchen. Ich muss nur loslassen können und es zulassen wollen.

Oben angekommen tauche ich erst auf, greife dann das Seil und drehe mich Linde zu. Ich schaue sie an, während ich meine Maske auf die Stirn schiebe und atme und dann mein Ok-Zeichen gebe sowie zu ihr sage „I’m ok!“ Jetzt heißt es nur noch warten. Ha! Mein Tag. Ich greife nach meinem Tag und halte es hoch, so dass es jeder sehen kann. Alles scheint gut und ich schaue kurz zu Lotta und Costa, während ich warte. Jetzt kommt sie! Meine weiße Karte und das breite Lächeln von Linda! J Geschafft! Und müde... Wovon bin ich bloß so geschafft...   

Thursday, June 23, 2011

Triple Depth day one


Es war früh heute morgen, aber ich bin schon um 5:50 Uhr halbwegs ausgeschlafen erwacht und fühlte mich gut erholt. Ein guter Morgen für den heutigen ersten Triple Depth Tag am Blue Hole. Ich konnte auch gut entspannt sein, weil ich meine geplante Tiefe in Free Immersion nur auf -20m begrenzt hatt. Eine Tiefe, von der ich sicher wusste, dass ich sie leicht erreichen konnte. Und die Disziplin Free Immersion ist eine recht ruhige und für mich sehr angenehme, weil ich mich gemütlich am Seil hinab ziehen kann und wieder hinauf. Freier Abstieg ohne Flossen oder Beinarbeit. Das schöne daran ist, dass man sich ganz entspannen, in sich zurückziehen und die Augen geschlossen nach unten ziehen kann. Ich war zuversichtlich, weil mich der Gedanke daran nicht stresste. Ich fand meine Entscheidung richtig, die Dinge ruhig und gelassen anzugehen. Hätte ich eine größere Tiefe angekündigt, hätte ich mir Sorgen machen müssen, weil ich darin noch keine Erfahrung habe mit dieser Disziplin. Und mit 1 Vormittag Training in Free Immersion solten 20m genug sein.


So nutze ich den frühen Morgen noch für etwas Hausarbeit und sammelte den Hausmüll zusammen, den ich beim Rausgehen mitnehmen wollte. Ich verließ das kleine Haus in Assala schon um 6:40, brachte die erste Ladung Müll zur Tonne an der Straße und entschied dann noch spontan, Wasser und Joghurt für’s Frühstück nächsten Morgen zu kaufen. Die Zeit blieb mir noch locker bis um 5 Minuten vor 7, die Zeit, zu der ich Ant treffen sollte, um mir mit ihm ein Taxi zu Freedive Dahab zu teilen. Aso – gesagt getan. Der sonst eher unhöfliche Verkäufer rang sich ein Lächeln zur Begrüßung ab und knöpfte mir glatte ungefähre 2,50€ für 6 Flaschen Wasser und 1kg Joghurt ab. Wucher für Dahab, wie ich finde. Aber egal. Mehr brauchte ich im Moment nicht und brachte alles noch rasch zurück ins Haus. Als ich mit der zweiten Ladung Müll zurück zur Straße gelaufen kam – langsam geschlurft wäre der korrekte Ausduck für diese Fortbewegungsform, zu der man bei den Temperaturen von 35° und brennender Sonne in der Lage ist – stant Ant schon da und hielt just im Augenblick unseres Blickkontakts einen Wagen an. Schnell noch den 50l Müllsack – wohlgemerkt zu 95% der Müll meines Vormieters im Haus (warum sollte dieser auch seinen Müll selbst entsorgt haben??) – in den Container geworfen und ich begrüßte Ant und bestieg den Pickup vorn neben dem Fahrer. Ant machte es sich freiwillig auf der Ladefläche gemütlich und wir holperten durch das verdreckte Dahab über die löchrige Piste über Asphaltbremserhebungen all 20-100m. Ständig halten die Autos, um diese Straßenerhebungen ohne größere Schäden überfahren zu können. Das bemerkenswerte ist manchmal, dass andere Fahre dann die Gelegenheit nutzen, den langsamsten Fahrer zu überholen. So kommt es, dass manchmal 4 Autos nebeneinander in einer Richtung über die holprigen Hügel scheppern und man sich als Fußgänger eine Lücke zum Ausweichen suchen möchte. Zugute halten kann man den Dahaber Fahrern, dass sie rücksichtsvoll mit Mann und Tier umgehen und nichts und niemanden ernsthaft zu überfahren drohen, wie es in Südostasien oft Spezialität ist. Hier kann man eigentlich bequem weiterlaufen und muss sich nicht um den Verlust seines Lebens fürchten.

So schaukelten Ant (Kurzform von Antony – jedenfalls in Kapstadt) und ich nun gemütlich zu Freedive Dahab und bereiteten uns innerlich sicher beide – er mehr als ich – auf unseren Tauchgang vor. Meine Gedanken schweifen allerding mehr ab, als dass ich mich zuviel mit dem Wettkampf beschäftige. Ein Thema, das mich unnötig in Unruhe versetzen würde. Ich freue mich, dass ich früh dran bin. So entgehe ich den Massen am Blue Hole, den vielen Zuschauern und dem Vorbereitungsstress im Restaurant sowie an der Äufwärmboje.
Alles geht erstmal gut. Ich mache mich in aller Ruhe fertig, habe noch einigen Spaß mit dem spanischen Team – lustige lockere Truppe die – und signalisiere meiner Safety Diverin, dass ich mich langsam – Betonung liegt auf langsam – fertigmache. Bereitgelegt hatte ich mir schon alles. Ich brauchte nur noch den den Open Cell Elios einseifen – erst die Hose und dann das Oberteil – und beides überstreifen. Nur mir Seifenwasser bzw. Schampoowasser lässt sich dieses sehr wärmende und bequeme Material anlegen ohne es zu beschädigen. So sitzt die Hose schon mal perfekt, die trockenen Klamotten bringe ich schnell zurück in unsere Sitzecke, und ziehe mir das Top über Kopf. Cm für cm schlüpfe ich die Neopren-Haut von 5mm, lege den Bleigurt mit meinen 6kg an, streife mir die Apnoemaske über den Hals, stecke den Schnorchel in den Bleigurt und befestige die Klett-Tagschlaufe am Bleigurt. Diese Schlaufe dient als Landeplatz für ihr Gegenstück – den schwarzen Tag (Engl. Tag nicht Tag wie Morgen und Abend – Tag wie Marke) – den ich an der Metallplatte meiner –Metermarke abreißen und mit an die Oberfläche bringen muss. So fertig. Gelassen aber durchaus schon konzentriert laufe ich zum Einstieg und klettere die Steine hinunter bis ans Wasser. Meine Safety-Diverin Andrea habe ich ihm Auge. Sie kommt demnächst hinterher. Erstmal heißt es, die langen Bifins anzuziehen – und das so früh wie möglich, weil ich es hasse, barfuß über diese ekig spitzen und kantigen Steine des Hole zu stolpern. Schließlich bin ich kein Hufläufer! Also krabble ich auf allen Vieren mit dem allerwertesten nach unten über die Steine und robbe mich so ins tiefere Wasser, in dem ich mich umdrehen und losschnorcheln kann. Den Schnorchel noch schnell in die Maskenschlaufe gesteckt und los gehts: Auf zur Aufwärmboje!!

Die Aufwärmphase verläuft irgendwie schwierig. Ich weiß schon vorher, dass ich mindestens 4 Aufwärmtauchgänge machen möchte, um entspannter zu sein. Je nachdem würde ich einen weiteren machen, wenn noch Zeit bleiben würde. Mein Ziel ist schon beim aufwärmen 20m zu erreichen, damit ich weiß, was auf mich zukommt. Immerhin befinde ich mich in meinem ersten Tiefenwettkampf. Irgendwie fühlt sich alles mühselig an. Ich hänge auf 10m und will eigentlich nur wieder hoch und tue dies auch. Ok. Das kann noch nicht alles sein. Weiter gehts. Ich gehe wieder runter und krabbele am Seil bis 14m. Ok nicht schlecht. Aber ich fühle mich noch nicht wohl. Egal. Ich atme oben weiter ab und starte einen erneuten Versuch. Gehe wieder nur auf 14 knapp 15m. Es fühl sich immer noch nicht besser an da unten und ich stoppe den Aufstieg. Will den meinen Unterwasseraufenthalt hinauszögern, um meinen Tauchreflex aufzuwecken. Wach auf die Schlafmütze!!! Dur wirst jetzt gebraucht!! Langsam lasse ich mich wieder nach oben gleiten. Mmh. Ich teile meiner Safety Diverin mit, dass es wohl nicht mein Tag ist und bereite mich auf einen neues Versuch vor. Mein vierter Tauchgang zu Vorbereitung. Mehr Zeit habe ich auch nicht bis zum Official Top. Immerhin will ich vorher noch atmen! Also atmen und runter. Ich krabbele die Leine runter, schließe die Augen und entspanne jeden Muskel bewust. Krabble weiter. Irgendwie fühle ich mich wohl. Ich stelle fest: Jaaaaaaaa!! Das ist es. Jetzt bin ich warm! Tauchreflex ist da! Endlich – danke. Ich krabbele mich weiter nach unten und denke. Hmmm, wohin will ich denn? Guck ich mal wo ich bin. Mein Computer sagt 20,4m. Upps. Reicht schon. Ok und umdrehen und zurück. Oben angekommen. Protokoll und fertig. Ich bin soweit!! J

2min später soll ich auch schon in die Official Zone kommen und mich dort weiter vorbereiten. Super! Ich fühle mich bestens! Hänge mich dort ans Seil und schließe die Augen. Langsam schaukeln mich die Wellen in einen leichten Oberflächen-Trance. Die Sonne scheint. Es ist nicht zu heiß, nicht kalt. Die Pyramide, an dem mein Abstiegsseil hängt und die Schwimmplattformen befestigt sind, strahlt eine angenehme Ruhe und positive Stimmung auf. Ich wiege in der Sonne und genieße die Ruhe. „Two minutes to official top“ durchdringt Lindas leicht schrille Stimme diese entspannte Atmosphäre. Ok 2 Minuten noch. Das kann ich handeln. Ich hatte schon mal runtergeschaut und gesehen, dass die Platte zum Greifen nah erscheint. Das mache ich bestimmt locker...
Ab jetzt sind meine Sinne auf die Restzeit gerichtet und meinen Tauchgang. Ich stelle mir diesen einmal in Gedanken vor und gehe die Schritte alle durch. „1 minute 30“! Das bei 20m ist schon fast lustig. Aber nun denn. Ich will ihn ja genießen und alles richtig machen. Nur dann würde ich mit einer positiven Erfahrung rausgehen. „1 minute“!. Ich atme langsam und gleichmäßig, halte die Augen geschlossen. Schön ist das. Ich bin kaum aufgeregt. „30 seconds“. Ich atme tiefer und achte auf einen guten Rhytmhus. „20 seconds“ noch eimmal tiefer atmen und wieder aus und langsam auf die „0“ konzentrieren. „10 seconds“. Jetzt achte ich nur noch auf den Atemrhythmus ...“5 seconds, 4, 3, 2, 1 – OFFICIAL TOP!“ höre ich Linda und atme auf 1 letzmalig aus. Einmal tief einatmen und los! Ich krabble am Seil nach unten, schließe meine Augen und enspanne den Nacken. Ich lege Tempo vor, wie ich es geübt hatte. Bei dieser kurzen Distanz machte das nichts aus. Kurz öffne ich die Augen – nach einer gefühlten Minute, was höchsten 40sec gewesen sein müssten oder sogar noch weniger – um zu schauen, ob ich die Platte schon sehe. Nein. Ich bin entspannt. Habe keine Kontraktionen. Wie auch nach einer so kurzen Zeit. Aber man weiß ja nie.
Ich krabble weiter. Wieder öffne ich die Augen und sehe schon die Platte! Oh! Jetzt schon! Spontan denke ich „ich hätte ja noch weiter gekonnt!!! Verdammt...! J“ Aber egal. Mir geht es super gut damit und ich reiße meinen Tag ab. Beim Hochkrabben am Seil klette ich ihn an mein am Gürtel befestigten Gegenstück. So erledigt. Nun langsam und gemütlich nach oben gleiten. Ich habe ja gleich schon Auftrieb und muss das Seil nur in den Händen halten. Nach wenigen weiteren Sekunden tauche ich auf – mit dem Gesicht – und halte mich dann am Seil fest. Atme 3 x, remove the mask und mach Dein Protokoll, denke ich. Während ich 3x atme, schiebe ich schon mal die Maske hoch, behalte Linde strikt im Auge – denn sie ist der Judge, den in ansehen muss – und gebe nach meinem dritten Mal atmen das Ok-Zeichen und rufe „I am ok!“. Ich muss schon wieder lachen. Weil alle sich freuen und ich noch eine Weile dort hängen muss. 30 Sekunden aus dem Wasser bleiben heißt es jetzt – jedenfalls mit den Atemwegen. Während der ersten Sekunden erinnere ich mich an meinen Tag. Sehr gut. Ich greife mit der rechten Hand danach und löse ihn von seinem Klettgegenstück. Dabei darf ich den Kopf nicht ins Wasser senken. Sonst wäre ich disqualifiziert. Aber alles läuft glatt. Ich halte ihn in die Luft und zeige ihn Linda. Alles ok. Sie nimmt ihre Kartenkette und sucht eine für mich heraus. Ja! Sie greift die Weiße und zeigt sie mir: „White Card“! Super! Das hat geklappt. Mein ersten Tiefenwettkampf überhaupt und er war easy und korrekt. Das ist ein guter Start in die 3 Triple Depth Tage J. Entspannt verlasse ich die Pyramide und schwimme zu Siri, die ich nun coachen werde bei Ihrem Tauchgang.

Der Tag verläuft durchwachsen. Die meisten Teilnehmer haben gute Erlebnisse und geplante Tauchgänge. Ab und zu wird ein Mouthfill vergessen, so dass der Druckausgleich nicht mehr funktioniert nach 45m und die Taucherin zum Umkehren zwingt. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Oder eine andere jüngere Teilnehmerin hat einen Blackout an der Oberfläche und bekommt die rote Karte. Für sie – mit ihren 17 Jahren bricht eine Welt zusammen und sie in Tränen aus. Ja, das ist schlimm, aber kein Weltuntergang. Ihr geht es körperlich gut. Nichts ist passiert. Sie ist nur schwer enttäuscht. So ist das in dem Alter. Es braucht eine Stunde, bis keine Tränen mehr fließen. Inzwischen ist auch das Dritte Auto gekommen – das Auto mit den tiefsten Tauchern. Diese tauchen zuletzt in einem Wettkampf. Die tiefste Ansage liegt bei 90m. Miguel der spanische Meister will diese Marke heute erreichen. Alle sind gespannt. Aber auch die Tiefenmarken davor – auch aus dem spanischen Team sind nicht zu verachten. Alles zwischen 70 und 80 Meter. Momentan ist Mittagspause in der Jury und es wird gegessen – auf der Plattform, außerhalb der Plattform und überall um uns herum.

Und dann wird es nochmal richtig spannend. Denn nun bereiten sich die tiefsten Taucher zum Aufwärmen vor. Meinen Favoriten habe ich längst gefunden! Das spanische Team ist das netteste, lustigste, lebhafteste und hübscheste! Erst vorgestern hatte Miguel aus Teneriffa den spanischen Constant Weight Rekord gebrochen. Heute hat er 90m Free Immersion angekündigt. Auch Santiago und die anderen haben beachtliche Tiefen angekündigt. Die ägyptischen Kinder rennen schon aufgeregt herum und rufen Miguels namen! Sie hatten das Spektakel mit Freude verfolgt und ihm sogar einige selbstgeknüpfte Armbänder als Anerkennung geschenkt. Auch zum Gruppenfoto mit ihnen stand er gern zur Verfügung. Jetzt machten sich die letzten Athleten fertig und gingen nacheinander ins Wasser. Die Free Immersion Session heute sollte in einer Stunde vorbei sein.

Ich entscheide mich spontan, etwas schwimmen zu gehen und überlege, ob ich zum Zuschauen rübergehe. Aber ohne Anzug wird es mir für die Warterei zu kalt und ich beobachte das Geschehen von Land aus. Der Jubel ist ja laut vernehmlich. Als Miguel im Wasser ist – Santiago ist schon durch, Mike auch und Stefan aus der Schweiz ebenfalls – sieht man die arabischen Kinder ins Wasser laufen und sich irgendwie über Wasser haltend zur Judge-Pyramide fortzubewegen. Sie wollen die Tauchgänge auch sehen, haben aber meist keine Masken. Na immerhin reicht es für Stimmung geladene Oberflächenerlebnisse!

Ich sehe von weitem, das Miguel an den Start geht. Er hängt am Seil und empfängt seinen Countdown. Es geht recht schnell und ich sehe ihn abtauchen. Von seinem Rekord gestern weiß ich, dass dieser Tauchgang geplant sicher nicht unter 3,30 min dauern wird. Auf der Pyramide, den Podesten und hängend drumherum sowie neben mir an Land warten alle Freitaucher auf seine Rückkehr vom Grund des Blue Holes. Es ist ruhig. Die Sonne brennt. Mir ist das jetzt egal. Ich halte meinen Blick auf das Abstiegsseil. Irgendwann sehe ich den ersten Sicherheitstaucher abtauchen. Ah! Miguell kommt zurück. Ein weiterer Moment vergeht und ein zweiter Sicherungstaucher geht runter. Im nächsten Augenblick hängt sich Miguel wieder ans Seil und führt einwandfrei sein Protokoll durch. So sieht es jedenfall für mich aus dieser Entfernung von bestimmt 200m aus. Doch dann höre ich es! Von der Pyramide drönt ein gellender Jubel herüber! Er hat es geschafft!! Mit Faszination bemerke ich, dass er ohne Maske taucht, sondern lediglich mit Nasenklammer! Ich frage meine spanische Sitznachbarin, ob ich richtig gesehen habe. Sie bestätigt lächelnd und ergänzt, dass Miguel mit diesem Tauchgang erneut einen spanischen Rekord erzielt hat. Nein!! Wieder ein nationaler Rekord! Fantastisch! Unglaublich! Die Freude ist groß bei allen. An Land gratulieren alle die herumlaufen und die Traube löst sich gleichzeitig zum langsamen Aufbruch. Einige packen, einige essen noch, die anderen gehen zurück ins Wasser. Mein Focus liegt nun auf meiner Constant Weight Fins Performance morgen, die ich mit 30m ankündigen werde. Einige Maale überlege ich, ob ich dieses Ziel auch trotz Wettkampfaufregung schaffen kann. Doch ich sage mir, dass ich es schaffen will und vor mir selbst muss. Immerhin hatte ich diese Tiefe schon mehrmals erreicht. Ein weiteres Argument ist, dass ich festgestellt habe, dass ich mich besser aufwärmen muss und länger, um entspannter tauchen zu können und somit größere Tiefen zu erreichen. Meine Entscheidung steht somit.