Monday, November 23, 2009

IDC Countdown - noch 32 Stunden - 12 tägige Publikationspause

Wenge Stunden vor dem Tauchlehrer-Kurs sortiere ich meine theoretischen Themen, meine 5 Tonnen Unterlagen und Berechnungshilfen von Tauchprofilen sowie Physik als auch meine Tauchausrüstung für die Confined Water Präsentationen.

Aus diesem Grund lege ich hiermit einen Publikationsstop für die nächsten 12 Tage ein und nehme gern viele gedrückte Daumen und positives Karma entgegen, um diese Tage erfolgreich meistern zu können!

Ajo, Tschüss und so weiter......

Sunday, November 22, 2009

2 Monate auf Bonaire - 2 Tage vor dem IDC, eine Riesenschildkröte und eine neue Wohnung

Nach 2 Monaten auf Bonaire habe ich nun plötzlich nur noch 2 volle Tage übrig bis zu meinem IDC Instructor Development Course, der mich zum Open Water Scuba Instructor machen soll und hoffentlich wird! Immerhin lockt die größte und schrägste IE - Party am 6.12., die die Welt je gesehen haben wird und motiviert bestimmt nicht nur mich, sondern auch die anderen 8 Kandidaten! Seit 4 Wochen oder länger habe ich (fast - man soll ja nicht übertreiben und kann ja auch nicht bei diesem Wetter...) täglich gelesen, gerechnet, gelesen, nachgefragt, wieder gelesen, dann nachgelesen, quergelesen, durchgelesen, alte DM-Fragen beantwortet, Kollegen im Shop mit Fragen genervt und wieder weitergelesen. Dabei kann man mir erschwerte Lernbedingungen zugute halten - nicht wegen meiner neu entwickelten Lernschwäche aufgrund von Happy-Hour-Alzheimer oder übermäßigem Pressluftkonsums und brennender Sonne (auch diese Punkte wären dennoch nicht von der Hand zu weisen) - nein vielmehr aufgrund der 85° Celsius heißen Luft in meinem Hinterkneipenwohnloch, die ich durch meinen rasenmäherlauten Standventilator vor dem Stillstand bewahre und so meinen Tod durch Ersticken bisher habe vermeiden können. Aber für 250 Euro im Monat scheint mir mein "Leid" ertragbar.;-). Darin aber konzentriert arbeiten zu können, grenzt fasst ans Unmögliche. Aber andere Orte, andere Bedingungen und andere Anpassungsfähigkeiten. Es ging also irgendwie und ich habe inzwischen das Gefühl, doch einiges an Tauchtheorie verinnerlicht zu haben. Jetzt flehe ich noch meine Kurzzeitgehirnzelle an, neu erfahrenes an die noch schlafende Langzeitgehirnzelle zu schieben, damit die Antworten dann auch die Prüfungsbögen erreichen können.... Wie Tommy schon gesagt hat: die Hoffnung stirbt zuletzt ;-).
Toll, das ist einer seiner üblichen Scherze, um meine Nervosität noch zu erhöhen - kann er gut, aber ich weiß diese zu nehmen und kann immer mitlachen. Aber im Ernst, diese Prüfung ist nicht ohne und ich fühle mich zwischendurch nervöser als im Studium (da war ich auch 10 Jahre jünger und nervlich stabiler ;o)).

Mit diesem Herrn Tommy war ich nun endlich im Wasser, um Skills zu üben. Die Sache hat eine halbe Stunde gedauert, in der er locker flockig und fröhlich wie immer meine Unterwasserpräsentation der wichtigsten Skills beurteilt hat und ich einiges nachjustieren musste/konnte hinsichtlich fehlender PADI-Vorgaben oder Details bzw. hinsichtlich übertriebender Genauigkeit, auf die es gar nicht ankommt. Als Course Director übernimmt er die PADI Standards einfach 1 zu 1 und diskutiert darüber nicht. Andererseits lehrt er auch Freiheiten durch Details, die nicht vorgeschrieben sind und sich jeder Tauchlehrer nach Belieben gestalten kann. Alles klingt für mich gut nachvollziehbar und macht auch Spaß, weil dieses System trotz PADI Rahmen eine gewisse Gestaltungsfreiheit lässt und ich durch Tommy's lockere Art die Skills ebenso entspannt durchführen kann und für Abweichungen keinerlei Kritik erhalte, sondern lediglich total nette aber bestimmte Hinweise, was und warum dies oder jenes so sein soll und nicht so. Super! Was will man mehr? So macht's Spaß! Super gelaunt kam ich mit ihm aus dem Wasser gestiegen in Vorfreude auf das was als nächstes kommen sollte: Happy Hor mit Mehrblick! Zurück im Shop hieß es nur noch umziehen, abschließen und ab ins City Café! Man kann ja auch nicht immer lernen...

Eine Riesenschildkröte!

Am Samstag können Dik und ich zum Spaß mit zu einem Bootstauchgang. DJ Shrek (Tauchlehrer nebenbei oder DJ nebenbei) hat 2 Schüler für den AOWD und noch viel Platz auf Edwin's Boot. Tommy hatte uns gefragt, ob wir mitgehen wollen. Was für eine Frage!! JJJAAAA!!! Es ist ein großartiger Tag! Sogar das Boot darf ich fahren - seit 15 Jahren steuere ich endlich wieder ein Motorboot! Als die Wellen wegen erhöhten Windaufkommens zu hoch werden, übernimmt Edwin wieder das Ruder und wir donnern über die karibische See bis nach Klein Bonaire. Auf dessen Nordwestseite ist die See ruhiger und wir machen an der Tauchplatz Boje von Karl's Hill fest. Dik und ich sind unabhängig und machen uns fertig, um vor den anderen so bald wie möglich tauchen gehen zu können. Edwin möchte heute nicht mit runter.
Dik rollt vorwärts ins Wasser und ich rückwärts hinterher. Er muss immer eine kleine Verrücktheit einbauen....Gutgelaunt tauchen wir ab in Richtung angepeilter Steilwand.

Edwin hat uns nicht zuviel versprochen. Aus meiner Sicht ist sie sehr schön und auch etwas anderes als die Tauchplätze, die ich von Bonaire kenne. Spektakuläre Felsformationen stellen sich im durchscheinenden Sonnenlicht für uns auf. Meine Kamera ist mit uns. Bilder stelle ich hier ein sobald ich es schaffe. Nach ca. 35 min schaue ich nach unten auf den Riffabhang und sehe ein recht großes Fischexemplar, welches ich bisher nur in kleiner Ausgabe gesehen habe. Wow! Ich deute Dik die Blickrichtung und er folgt meinem Finger...und kriegt dann riesige Augen! Na so beeindruckend ist der Fischli nun auch nicht, Herzchen. Er macht Zeichen, wir müssen fotografieren. Ja will ich doch und drehe mich in seine Blickrichtung. Dann sehe ich den Grund für seine Begeisterung. Vor dem gemeinten Fisch liegt eine recht große Schildkröte gemütlich am Hang und döst. 1m Länge ist hier gar nichts. Dik will fotografieren und ich reiche ihm direkt meine Kamera auf sein Zeichen. Als Filmer kann er erstens bessere Fotos machen als ich und hat zweitens die Erfahrung unter Wasser, dass die Viecher nicht gleich wegschwimmen, wenn man sich ihnen nähert. Außerdem bin ich schon auf 33 Metern und überlasse ihm das weitere absteigen. Er kennt die 60m und geht jetzt auf Schildkrötentiefe von 37. Ein wunderbares Schauspiel. Dik liegt im 90° Winkel neben der Schildkröte und schaut ihr oder ihm in die Augen - mit der Kamera vor dem Gesicht. Das Kerlchen mit den 4 Schwimmflossen und dem Panzer fängt nach 1-2 Minuten an, nach Kopfbewegungen auch behäbig den Rumpf zu bewegen. Dik hält drauf - aber behutsam - schwebt im Wasser vor diesem Tier und fotografiert. Nach 5min entscheidet unser Highlight des Tages, sich zu verabschieden, hebt sich drehend vom Riffboden, wendet nach links und kehrt uns dann den rücken, während es majestetisch schwimmend im Tiefblau des Meeres verschwindet. Ich stehe über der Szenerie und bin total beeindruckt! Was für ein schöner Anblick das war!

Dik kommt zurück - große, freudige Augen kommen mir entgegen - und wir deuten uns das Doppel OK für superirremegaklasseüberfliegermäßigwunderbar und setzen unseren Tauchgang fort. Diese Begegnung soll das Ereignis des Tages sein. Danach sehen wir noch ein beachtliches Morännexemplar und einige schöne Riffformationen. Ich lerne nach anderem weniger offensichtlich sichtbarem Getier zu schauen und lasse meinen Buddy die Fotografiererei. In der Nähe unsere Bootes tauchen wir noch eine Weile auf 10 Metern herum, währenddessen ich plötzlich offensichtlich gut als Fotomotiv diene und mir die Korallenwelt etwas genauer ansehe. Wunderbarerweise haben wir ja einfach nur Zeit und keinen Guiding-Druck. Nach 65 Minuten totaler Unterwasserentspannung und Unterwasserschönheit sowie verbleibenden 80bar deutet Dik mir den Aufstieg und ich folge seufzend zur Oberfläche. Mit einem breiten Lächeln schaukeln wir in den Wellen und klettern völlig und nochmal völlig entspannt zu Edwin ins Boot. Was für ein vollkommenes Taucherlebnis war das?!?!

Eine neue Wohnung

Ja es ist geschafft! Ich habe eine neue und dazu noch schöne Bleibe im Hamlet Oasis - dem IDC Gelände - gefunden. Ein neues Resort-Haus, in dem ich ein Studio von 2 Jungs miete, die in einem Restaurant arbeiten. Die Wohnung hat ein separates Bad, kleine Kochzeile, separate Terrasse und Eingang und bietet draußen Platz für meine Hängematte, die ich noch kaufen werden! Das Haus selbst hat noch ein weiteres Schlafzimmer der Jungs, ein Wohnzimmer für uns alle, eine große Terrasse und Küche ebenfalls für uns alle. On Top kommt der Resort-Pool, den wir selbstverständlich nutzen können plus Internetverbindung for free! Dafür radle ich allerdings 15min länger zu Div'Ocean als bisher. Aber dieses Haus, die Helligkeit und Möglichkeit, die Temperatur herunterzuregeln sind Grund genug, diesen täglichen Weg auf mich zu nehmen :-).

So, und mit dieser Info verabschiede ich mich nun in meinen Countdown zum IDC! Morgen nutze ich noch weitere letzte Vorbereitungsstunden und ziehe am Mittwoch dann ins Schlachtfeld! Oh je......

Sunday, November 15, 2009

Mein guter Job und mein neuer alter Lieblingskollege

Am Samstag nach unserem schönen Tauchgang fahren Dik und ich nachhause und wir nehmen uns vor, nicht mehr auszugehen. Ich mache es mir in meiner bescheidenen Behausung gemütlich und freue mich auf einen nachdenklichen Abend. Plötzlich ertönt mein Handy. Lisette! Ob ich noch wie geplant mit ihr und Tommy im Bambu essengehen will? Na klar, erwidere ich und vergesse den ruhigen Abend. Denn Neuigkeitn aus Florida vom lustigen Tommy sind es immer wert nocheinmal loszugehen. Nach einer kalten Dusche und einer mittelschweren Aufbretzelaktion schaukle ich im Pickup an der Küstenstraße entlang und biege hinter dem Bambu links ein um zu parken. Da sitzensie ja schon! Hallloooo!!! Ich winke Tommy zu, der freudig zurückwinkt.

Am Tisch angekommen erreicht mich jedoch eine etwas gedrückte Stimmung am Tisch durch einen übermüdeten Heimkehrer und seiner bedrückten Freundin. Hmm, das kann ja heiter werden oder auch nicht. Im Verlauf des Abends finde wir aber doch die eine oder andere Auflockerung. Doch Tommy macht einen unzufriedenen Eindruck. Er schwärmt ständig vom schönen Florida, was ich ja nun auch kenne und so gar nicht als toll nachvollziehen kann. Aber nun gut, wir quatschen, planen und essen dabei ein hervorragendes 2 Gänge Diner mit Wein und Bier kombiniert. Am nächsten Tag habe ich nach langer Zeit mal wieder einen freien Tag, den ich auch dringend zum Schlafen benötige nach den fast 2 durchgearbeiteten Wochen, in denen ich täglich um 6.45 Uhr aufstehe. Müde wird man trotz eines schönen Jobs....

Es ist die Woche in der mir Tommy sagen wird, was er über meine verbleibende Zeit auf Bonaire so denkt. Heute Abend geschieht noch nichts. Am Sonntag sehen wir uns nicht und ich warte gespannt den Montag ab. Der Tag an dem Dik bei Div'Ocean erscheint, um mit Tommy Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu besprechen. Ich schicke die beiden auf die Terrasse, damit sie sich allein austauschen können und nicht vom Shopgeschehen unterbrochen werden. Riesig würde ich mich freuen, wenn es tatsächlich zu einer Einigung kommt und ich Dik wieder als Kollegen zurückgewinne - den einzigen, den ich nach meinem Weggang bei den Tropikanern richtig vermisst habe.

Und es klappt! Strahlend und scherzend kommen die beiden nach einer geschlagenen Stunde zurück nach drinnen und Tommy eröffnet mir grinsend die Nachricht, dass wir jetzt 3 sind. Ja! Super!!! Dik soll nach etwas Erholung erst Mittwoch kommen, um Donnerstag den Kurs für 2 holländische OWDler beginnen zu können. Er will aber schon Dienstag kommen, um sich schon einmal alles zeigen zu lassen und zu schauen, wie die Dinge bei uns laufen. Zum Glück ist das bei uns total unkompliziert :-)! Am Dienstag hat Tommy frei und ich bin morgens allein. Gegen 9.00 kommt mein neuer alter Kollege zur Tür herein geschlurft und es ist einfach schön.

Mittwoch lädt Tomy uns zur Happy Hour ins City Café ein, wo wir schon oft saßen und das eine oder andere Bier vor, während und nach dem Sonnenuntergang auf dem Meer vernichtet haben. Heute soll wieder ein besonderer Abend werden. Im City Café steppt der Bär und wir tauschen lustige Geschichten aus. Eine lebhafte Runde löst die nächste ab. Inzwischen ist Dik gegangen, Martin und Tommy und ich sitzen fast allein um den hohen Holztisch auf gegenüberliegenden Barhockern. Dann kommt's! Was denn jetzt so meine Planungen sind, will er wissen. Ich fange beim IDC an, gehe über die BOOT im Januar und höre mit einem Fragezeichen für die Zeit danach auf. Ja also, meint Tommy, ich wisse ja, dass sein nächster Kandidat ja erst im April kommt und ich, wenn ich denn nun wolle, gern die Zeit bis dahin weiter für ihn arbeiten kann! WAAASSS??? Höre ich richtig? Mein Wunsch hatte sich erfüllt?? Ich strahle und bekunde mein JAAAA supergern! Denn wer gibt schon eine so gute Zeit freiwillig vor dem notwendigen Ende auf? Und 3 Monate oder 4 sind ja wirklich nicht lang. Außerdem kann ich so dem heimischen Winter entfliehen und erst im Frühling zurückgehen. Das ist immernoch früh genug! Ich kann es noch nicht fassen. Das ist ein Erfolg! Die Dinge fürgen sich eines nach dem anderen zum guten und werden immer besser!

Mit Dik bei Red Slave… dem letzten Tauchspot an der Südwestküste

Freitag vereinbaren Dik und ich, dass er nach der Arbeit sein Equipment zu mir in den Shop hängen kann, um dies nicht nachhause tragen zu müssen. Immerhin gehen wir Samstag sowieso tauchen. Dafür würde ich den Shop einfach länger offen halten und warten. Aber später simst er mir, dass ich nicht zu warten brauche und er vorerst alles in sein Apartment bringt und wir uns abends im City Café treffen. Natürlich muss man es feiern, den letzten Arbeitstag endlich überstanden zu haben!



Am nächsten Tag schließe ich den Shop gegen 15.00 Uhr, lade mein zusammenbebautes Equipment auf den Pickup, schlupfe in meinen Waterproof-Anzug und fahre in die Kaya Ingleterra. Kaum in der Wohnung ein freudiges Hallo - eröffnet mir Dik, er habe versucht mich anzurufen, damit ich noch Blei mit Gurt mitbringe - beides hatte er vergessen. Mein Guter - das habe ich mir schon gedacht und ich entsprechend einfach je 2 2-, 3- und 4 Pfund–Stücke aufgeladen, damit Du Dir Deine passenden Gewichte aussuchen kannst! Hättste nicht gedacht, gell?!

Fröhlich laden wir den Rest auf den Pickup und fahren der Südspitze dieser Baum verlassenen Insel entgegen. Es ist ein besonderer Tag und wird ein besonderer Tauchgang werden, weil die Atmosphäre zwischen uns einfach ganz besonders ist. Nach ca. 15min erreichen wir die ersten ehemaligen Sklavenhütten an der Küste, die ganz weiß getüncht sind. Das ist erst White Slave, auf einer vorgelagerten Inselspitze für der Südspitze gelegen. Die Straße ist nur noch einspurig und verläuft zwischen Mangrovenhainen in Süßwasserseen, die links und rechts die Straße säumen und auf der Strandseite nur durch das Korallengeröll vom Meer getrennt werden. Im Prinzip fahren wir auf direkter Meereshöhe. Nach starken Regenschauern sind diese Gebiete immer größtenteils geflutet, obwohl die Straße immernoch befahrbar bleibt. Vorbei an der Meerwasserentsalzungsanlage durch die Wasserbedeckten Salz- und Mangrovenfeldern mit herabsinkender Sonne zu unserer rechten bringt uns der abgewetzte grüne Div'Ocean Pickup mit schnurrendem Motor sicher an unseren angepeilten Tauchspot.

Schon von weitem erblicken wir die rotbraunen 1 Zimmer Steinhütten, die eher an vergrößerte Hundehütten von ungefähr 2,5m² Grundfläche erinnern als an eine ehemals bewohnbare Behausung. Doch seit wann durften Sklaven wohnen? Sie wurden einst in die Steinhütten gepfercht und auf dem davorliegenden Platz weiterverkauft. Ich parke den Pickup und wir inspizieren den Blick auf das Meer! Die Wellen sind an diesem Inselende schon etwas bewegter als weiter nördlich gelegen, weil die rauhere Ostküstenbrandung nur noch 2 Minuten von uns entfernt liegt. Dann lass uns mal ins Wasser springen oder? :-)
Aufgerödelt - wie man bei uns in Berlin sagt - laufen wir den Abhang hinunter in die heranrollenden Wellen hinein bis das Wasser uns an die Oberschenkel schlägt. Dies ist die richtige Tiefe, in der wir uns auf den Rücken in die Wogen legen, um uns bequem die Flossen anziehen und die Maske vor das Gesicht setzen können. Der Weg zur Boje ist gute 150m weit, was auf Bonaire oft üblich ist, wenn die Riffkante erst dann beginnt. Auf dem Weg zur Markierungsboje drück uns der Südostwind immer nach links, so dass wir fast doppelt so lang in einem Bogen zur Boje schwimmen. Doch hier angekommen freuen wir uns auf unseren gemeinsamen Tauchgang und signalisieren den Abstieg. Diesmal geht Dik langsam mit mir zusammen runter und wir tauchen gemeinsam ab und am Riff hinunter. Das erste Mal habe ich heute für diesen privaten Tauchgang meine neue Kamera dabei, um weitere Erfahrungen mit ihren Einstellungen, Lichtempfindlichkeit und Handhabung zu sammeln. An gute Bildkompostionen ist noch gar nicht zu denken...

Vorerst gehe ich jedoch ganz gemütlich mit meinem Buddy tiefer, um ersteinmal "meine harmonische Mitte " im Wasser zu finden - eine Grundvoraussetzung auch für das Fotografieren. Bewusst denke ich auch an die letzten Erlebnisse mit dem manchmal noch aufkommenden Engegefühl und den kleinen Paniken. Kurze Äußerungen dieses Gefühls kommen auch diesmal wieder auf, aber ich habe es inzwischen geschafft, diese wegzudenken und ruhig zu atmen. Ich habe die Situation nun im Griff und kann im Falle des Falles rational reagieren. Die Gespräche mit meinen lieben Freunden über solche Vorkommnisse und ihre eigenen ähnlichen oder sogar brenzeligen Erfahrungen haben mir sehr geholfen. Kleinigkeit, die in den Griff zu bekommen ist :-)!

Ich lasse mich neben Dik von den Unterwasserwogen langsam über die Rifflandschaft wiegen und genieße die Anblicke von kleinen bunten Fischen und Korallengärten. Leider begegnet uns kein Rochen, keine Schildkröte oder anderes seltenes, was jeden Tauchgang zur Krönung des Moments werden lässt. Doch einige Fischschwärme und eine uns noch unbekannte Topografie erfüllt diese Stunde im Meer mit Freude. Mit meiner Kamera werde ich noch viele Testbilder machen müssen, um ihre Funktionen vollständig erfasst zu haben. Auch die Blitzlichthelligkeiten agieren derzeit noch suboptimal und ich versuche verschiedene Reglervarianten, die das Licht weniger gleißend erscheinen lassen. Ich möchte nicht für die Erblindung ganzer Riffschwärme verantwortlich sein...





Irgendwann - für meinen Luftvorrat etwas zu früh, denk ich - gibt Dik das Signal zur Umkehr. Na gut.... Im Flachwasser angekommen sehe ich jedoch, dass ich schon bei fast 50bar angekommen bin und ich somit keine Luft verschwende, wenn wir nun nach 60min gemütlich austauchen. An der Wasseroberfläche empfängt uns ein beginnender Sonnenuntergang
und ich fühle mich unendlich entspannt. Welch schönes Licht! Kein Wort wäre jetzt das richtige und wir lassen uns genüsslich zum Strand tragen. Oben schauen wir noch einige Zeit nach auf das golden schillernde Meer und ich wünsche mir, solche Momente jeden Tag haben zu können. Es ist eine ganz besondere Stimmung. Zurück im Pickup steuere ich das Auto halb so schnell wie auf der Hinfahrt. Ein Blick in den Sonnenuntergang - ein Blick auf die Straße - dabei eine Getränkedose von meinem Sitznachbarn bekommend und herüberreichend. Wir sind ganz ruhig an dieses frühen Abend und ich fühle noch lange nach. So wünsche ich mir meine Tauchgänge immer...

Organisieren und freudige Überraschung!

Meine Exklusivtauchgänge für einen KLM-Ehemann inkl. eines Scuba Reviews sind gut verlaufen und ich widme mich wieder meiner Shopgestaltung und erledige soviel wie es geht, weil ich Tommy mit einem fertigen Shop überraschen will, wenn er aus Florida wiederkommt. Somit verwandelt sich die letzte freie Wand in ein sattes, gewischtes DAN und PADI Rot und vervollkommne die bunte Farbkombination von Wisch-Orange an der gegenüberliegenden Seite, das durch ein kühles Wisch-Meertürkis gebrochen wird und im an die Wasserterrasse angeschlossenen in Wischhellblau gehaltenen Schulungsraum beruhigend aufgelöst wird. Ein fröhlicher Tauchshop erfährt stetig positive Resonanz und zieht mehr Betrachter an! Ein gelungenes Projekt! Und wodurch? Freiheit – Freiheit im Tun. Kein Konzept, keine anstrengenden Besprechungen, keine Hierarchien, keine Verzögerungen oder andere nervige Barrieren. Motto: Gefühl – Wunsch – Idee – Umsetzen – Freude. Und wieder muss ich sagen: Das Leben könnte so einfach sein! Danke Tommy für Deine lockere Art und Dein Vertrauen und dafür, dass Du über Deine Herkunft hinweggekommen bist und von allen hier als Holländer angesehen wirst ;-). Was ein Qualitätssiegel von Bewunderung und Dankbarkeit dafür ist, keinerlei diktatorische, besserwisserische und unsichere Anflüge im Blut zu haben und ausleben zu müssen, die den Bewohnern aus dem Land der besten Autos und größten Bierbäuchen meistens sehr stark zueigen ist. Und das obwohl Du aus Bayern-Schwaben stammst ;o)!

Donnerstag – 3 Tage vor Tommys Rückkehr – erklingt plötzlich wieder einmal der SMS-Ton meines Handy’s. Ich vermute von gegenüber. Richtig: Dik. „Ich habe gekündigt“ muss ich lesen und setze mich ersteinmal total überrascht auf den wackligen Stuhl hinter den Tresen, wo ich mein Notbook aufgebaut habe und in erreichbarem Radius Zugang zu allen wichtigen Unterlagen und anderem Material der Tauchschule habe – die Schaltzentrale von Div’Ocean sozusagen. Dik hat bei den Tropical Divioten gekündigt! Hätte ich nicht gedacht. Er muss wirklich die Nase so voll gehabt haben, dass es nicht mehr ging. Ok, ich überlege. Er will bestimmt quatschen. Außerdem platze ich vor Neugier! Da ich ihn noch drüben vermute, rufe ich nicht an, sondern simse zurück, ob er zum Kaffee und zum Plauschen über die Straße zu mir kommen möchte. Doch er arbeitet noch den Donnerstag und den Freitag und ist danach erst frei. Hut ab, Dik! Ich wäre wohl gleich gegangen. Er beendet noch seinen Job ordnungsgemäß, so dass es für beide Seiten fair abläuft. Also verabreden wir uns für abends nach seiner Arbeit in seiner Wohnung, um dann zu reden.

Nach Feierabend fahre ich direkt ins „Warehouse“ und kaufe eine Flasche Prosecco, die erstmal 2h in mein Eisfach wandert, bis es Zeit ist aufzubrechen. Als Dik Feierabend hat, bin ich soweit, habe noch eine Verabredung bei Lee wegen des Shop-PC’s (mit Martin, den ich dank seiner kleinen Schwärmerei für mich schnell überzeugen konnte, den PC mit nachhause zu nehmen und dort durchzuchecken) und fahre dann mit meiner Proseccoflasche rüber zu Dik. Er wirkt noch gar nicht so glücklich wie ich erwartet hatte, denn erleichtert ist er erst, wenn er den morgigen Tag hinter sich gebracht hat. Also zücke ich das Fläschchen und wir trinken auf seine gute und richtige Entscheidung für ein besseres Tauchlehrerleben. Die Freude über diese Geste ist ihm anzusehen und er wird lockerer und fröhlich. Es scheint, dass er erstmal eine Weile braucht, um wieder das wahre Licht der Welt erblicken zu können. Na, da kann ihm doch geholfen werden :-). An diesem Abend vertiefen wir Ideen, was er jetzt machen kann und Möglichkeiten, irgendwie auch erstmal für Tommy zu arbeiten. Angedacht hatten wir das ja schon und Tommy hat auch schon positive Signale gegeben. Ich denke, das könnte klappen!!

8 Tage ohne Tommy und ich guide, richte den Shop her und besorge einen PC-Menschen

8 Tage ohne Tommy im Shop heißt für mich, Tauchgäste einzubuchen und Tauchgänge zu planen – sofern Leute in die versteckte Ecke seiner neu übernommenen Tauchschule finden. Die Anzahl steigt stetig an, da einige seine Werbung auf der KLM Website lesen und sich den Firmenrabatt von Flugbegleitern und Piloten bei uns zunutze machen möchten. Umso praktischer, dass sie direkt nebenan im Plaza Resort untergebracht sind und somit zu Fuß den Weg zu uns finden.

Neben möglichen Tauchgängen bin ich immer noch dabei, den Shop weiter auszugestalten mit den Farben meiner Wahl und den Ideen, die wir entweder schon besprochen haben oder die ich einfach witzig finde. In dieser Umgebung in dieser schönen Alltagsatmosphäre genießen diese freien Lauf und dürfen auch vollends ausgelebt werden :-). Eine ganz neue Erfahrung, die ich im strikten Heimatländle noch nie wirklich machen durfte. Die Freiheit bei Tommy und Div’Ocean erscheint mir fast grenzenlos und ich fühle mich pudelwohl! So einfach kann es im Job laufen – liebes knauseriges und verkrampftes Deutschland! Ist ganz einfach – lass die Menschen los und sie tragen Dich zu neuen Horizonten!

Auch anderes organisatorisches steht für mich auf dem Plan: den Shop – PC zum Leben zu erwecken, der mir am 2. Alleintag direkt endgültig den Geist aufgegeben hat, sowie Getränke für uns und die Gäste zu besorgen – im Gegensatz zu Tropical Diver müssen unsere Tauchgäste nicht verdursten oder werden ins Freigelände zum Genießen von lebensnotwendiger Flüssigkeitszufuhr verbannt – nein sie dürfen auf unseren bequemen Sesseln, Stühlen oder Bänken Platz nehmen und bekommen ihren Kaffee nach Wahl, Wasser oder andere Softgetränke am Tisch von uns serviert.

Ausgestattet mit Tauchschul-Pickup, Schlüsseln und Alarmaanlange sowie Zugängen zu Finanzen und Safe übernehme ich den Laden und walte meines Amtes. An ein solches Leben kann ich mich wirklich gewöhnen. Sowohl mit Tommy als auch selbstständig im Shop macht es Spaß und ich lebe eine Freiheit in der Karibik, die ich mir in Berlin noch nicht vorstellen konnte und auf die ich nicht zu hoffen gewagt hätte. Mittlerweile erscheint mir der Verlauf der Dinge die Antwort auf mein heimisches Unwohlsein in der tägliches Enge von Schwerfälligkeit, Kompliziertheit, Geldmangel, noch trägeren Auftragsmöglichkeiten und Schwätzern, die einen mit Versprechungen zutexten, auf die nie etwas folgt. So gesehen und in vielerlei Hinsicht erhole ich mich bestens von all diesem – trotz eines oft langen Tages im Shop. Das Geheimnis ist: ich merke noch nicht einmal, dass ich arbeite. Mir fällt es daher auch nicht leicht, dieses Begriff hier überhaupt zu verwenden, weil ich Arbeit immer mit leiden müssen verbunden habe. Dieser Kausalzusammenhang erfährt auf meinem neuen Bonaire seine Auflösung.

Zwischen meinen nun also harten täglichen Arbeitsstunden bin ich mit Dik in Kontakt, der gegenüber bei den Tropical Divers leidet und ziemlich abgefüttert von denen ist. Diese Basis hatte mich schon nach 1,5 Wochen abgeschreckt, weil sie unter die Führungskategorie "Deutschland vor 70" Jahren fällt und atmosphärisch so vergiftet ist, dass es dort nur Menschen aushalten, die ähnlich grässlich gestrickt sind. Nach mir also geht es Dik inzwischen auch schlecht dort, nachdem er schon 3 Monate aushält, und freut sich über jede positive Abwechselung oder entspannende Tauchgänge. Also planen wir nach unserem letzten Wochenendtauchgang auch für das kommende wieder eine Entdeckungstour ein. Darauf freue ich mich schon sehr, weil ich unter anderem seine beruhigende Art und Erfahrung unter Wasser sowie von seinen Weltreisen sehr schätze und außerordentlich interessant finde. Daneben komme ich mir manchmal etwas klein vor und bin immer ganz überrascht, wie offen und aufmerksam er meinen Reiseerlebnissen und Erzählungen über besuchte Orte, Freunde und Ansichten zuhört. Keinerlei Allwissenheitssyndrom oder Machogehabe durch sein Globetrotterdasein stören unsere Konversationen wie ich es mit vielen anderen männlichen Gesprächspartnern erlebe. Eher sind unsere Momente durch Offenheit, Entspanntheit, Witz und Interesse gekennzeichnet, so dass ich mich in diesen Gesprächen sehr wohl fühle. Eine gute Voraussetzung, um zusammen tauchen zu gehen. :-)

Mit kleinen Schritten aber brennender Sohle dem IDC entgegen

Eigentlich ist es für mich derzeit noch ein Stolpern über ein heilloses Durcheinander an Informationen, das ich versuche noch bis zum 25.11. - dem Starttermin des PADI November IDC 2009 - in meinen Kopf zu lesen und möglichst so zu platzieren, dass ich die Inhalte nicht gleich wieder vergesse. Inseltemperaturen, Ablenkungen, alltägliche Barrieren und Unsicherheiten bezüglich meiner Prüfungsbereitschaft begünstigen meinen über Stock-und-Stein-Lauf zusätzlich. Mittlerweile gelingt es mir jedoch abzuschalten, mich vor die Unterlagen zu setzen und in ganzen Zeitabschnitten zu lernen. Obwohl ich nicht das Gefühl habe, dass mein Überblick wächst und sich meine gefühlte Unwissenheit von -80 irgendwie verringert. Täglich fällt mir ein, in welchen Bereichen ich mich noch vorzubereiten habe und realisiere nur partiell das heutige Datum vom mittlerweile 8.11.09. Anfangs kam es mir nicht so vor, aber die Zeit ist bisher nur so verflogen, so dass ich ganz überrascht bin, so kurz vor dem IDC zu stehen. Ist wie Weihnachten, das auch jedes Jahr immer ganz plötzlich vor der Tür steht…