Sunday, December 27, 2009

An der Ostküste - mein erster Hai

Den vergangenen Freitag habe ich gegen meinen freien Samstag getauscht, um mit Nils und Willem endlich an der legendären Ostküste tauchen zu können. So oft hatte ich bereits von dem ebenso legendären "white hole" gehört, das nur mit einem erfahrenen guide zu betauchen wäre. Gegen 10.00 bin ich im Shop und bereite mein Equipment vor. Irgendwann kommt Nils mit Tommy's privatem Landüberschaukelgeländegefährtauf vier Rädern und Willem auf dem Beifahrersitz gefahren. Die Beiden haben Ihr "Zeug" hinten im Wagen gestapelt - sieht etwas chaotisch aus, aber nun denn...

Ich verstaue meine bereits zusammengebaute Ausrüstung ebenfalls im hinteren Teil des Wagens und bin in entspannter Erwartung , was der Tauchgang bringen wird. Duuuusssshhiiieeee!!! Ruft Willem und wir fallen uns begrüßend in die Arme! Ein inzwischen normal gewordenes Ritual zwischen uns - just for fun! Ich schwinge meine Knochen auf den Rücksitz und drehe die Scheibe herunter. Wir quietschen los Richtung Sorobon - zum Surfer Paradise - quere durch Bonaire's Mangrovensümpfe, in denen oft einige Flamigos mit ihren langen stelzenhaften Beinen stehen und mit ihrem pinkfarbenen Gefieder einen fantastischen Kontrast zum dunklen Grün der Bäume und Sträucher ergeben. Der Tag ist sonnige und nicht übermäßig windig. Es verspricht ein wirklich entspannter Tauchgang zu werden ohne hohen Wellengang an der Osatküste. Ich genieße den Ausblick und träume vor mich hin. In Gedanken gehe ich meine Ausrüstungsteile durch, zähle, überlege und bin in Gedanken schon fast im Meer... OH SHIT!!! NOOO! What?? I fuck off forgot my computer! Well, das ist nicht das Problem, weil wir eh nur bis 12 m Tiefe gehen... OK. Und weiter geht's. Wir schaukeln durch die Landschaft... Ich überlege weiter... OOHHHH NNNOOOOO!!! What again!!!!!!!!!!!!! Stupid bitch! I forgot also my boots! Fuck! Really FUCK! Ohne Boots kein Tauchgang, weil der Einstieg zu brachial ist mit all den spitzen Feuerkorallen und dem Wellengang.

Shit! Ok wir fragen am Surfersverleih. No! Keine Boots! Ok - keine Chance. Nils und ich müssen zurück zu Div'Ocean! Nils tritt das Gaspedal durch bis zum Unterboden von Tommy's Geländewagen. Wir brausen im Affenzahn durch die Botanik, um meine fehlenden Ausrüstungsbestandteile zu besorgen. Tja, Frau Instructor! Dat war ja mal wieder ein totaler Flop, gelle? Aber ich habe ja noch keine Schüler dabei und bin lediglich privat unterwegs. Solche Momente sind immer gut zum Lernen...

Außerdem was jetzt kommt, rühmt mich bis in den Himmel. Frau Instructor ist im Wasser nämlich hoch professionell und hilft anderen gern aus der Patsche... Nils und ich kommen voll ausgerüstet zum Superbeach zurück und fahren mit den andern zum Einstieg. Willem ist mit 2 Gästen hier, so dass wir den Tauchgang zu fünft machen werden. Ich hüpfe in meinen sexy-Waterproof und lasse mir den Reißverschluss auf der Rückseite schließen: zzzzzzttttt! Der Chromometer und der Computer nehmen ihren üblichen Platz an meinen beiden Handgelenken und ich lege mir langsam mein Wing-Jacket an und mache mich fertig zum Abmarsch.

Was nun folgt ist schon einzigartig! Wir alle stapfen mit halb heruntergelassenen Anzügen für 10min durch die 1m tiefe Bucht über Sandhügel und Sandlöcher im Grund und stolpern so mit 15 Kilo Zusatzgewicht auf dem Rücken vorwärts zum Riff, hinter dem wir den eigentlichen Einstieg ins karibische Meer finden werden, um unseren geplanten Tauchgang zum legendären White Hole durchführen zu können.

Der Weg gleicht einer Wüstenwanderung, bei der die Sonne uns erbarmungslos auf den Kopf brennt. Unsere Beine schaufeln sich jedoch durch 30° warmes Meerwasser und lassen uns nicht ganz so austrocknen, wie es auf einem Saharaspaziergang der Fall gewesen wäre. Jeder Schritt lässt entweder den linken oder rechten Fuß entweder in einem unwegsamen Loch verschwinden oder auf einem unerwarteten Sandhügelchen aufprallen. Genau lässt sich dieses bergauf und bergab nicht voraussagen, weil die Sicht um die Füße durch den aufwirbelnden Sand unserer Vordermänner verstärkt beeinträchtigt wird. Nach gefühlten 2 Stunden Marschierens wie bestimmt zu besten Armeezeiten (könnt ich mir vorstellen) erreichen wir alle das Riff und somit unseren Einstiegspunkt an der Ostküste! Ich freue mich sehr auf diesen spektakulären Tauchgang, weil er ein wenig Herausforderung durch starken Wellengang der Brandung bietet, als jeder Westküstentauchgang es vermag. Außerdem bin ich fit wie ein Turnschuh und habe keinerleih Verschnaufspausen nötig, was mich erfreut und stolz macht! Fahrradfahren ist eben ein guter Trainer sowie eine kräftige Statur. Ein wenig Eitelkeit und Eigenlob ist leider notwendig in dieser ewig plusternden Männerwelt, die unter Wasser plötzlich ganz bescheiden werden kann....

Ein Schwachpunkt jedoch zeigt sich doch bei mir. Beim Einstieg meine Balancefähigkeit, um den hereinpreschenden Wellen standhalten zu können! Balance ist ein grundlegender Teil der Yogaausbildung, und ich verfluche die Tatsache, dass ich diese in Berlin habe einschlafen lassen während der letzten Jahre! Doch Nils erweist sich als sehr fürsorglicher Buddy und wir halten uns mit einem Handarmgriff über Kreuz gegenseitig fest. Auf diese Weise halten wir gegen die Brandung stand und arbeiten uns Schritt für Schritt über die messerscharfen Spitzen der Feuerkorallen und die von anderem Korallengestein vor ins bauchtiefe Wasser. Jetzt gilt es in Lichtgeschwindigkeit in eine Flosse nach der anderen hineinzuschlüpfen, bevor der nächste Wellenbrecher über uns hinwegrollt und möglicherweise Ausrüstung mit sich reist. Mir müssen besonders aufpassen, nicht von der nächsten Welle auf die scharfen Korallen zurückgeschleudert zu werden. Doch Nils gibt mir gebräuchliche Anweisungen, wie ich zu welcher Zeit welchen Schritt tue, um sicher ins Wasser zu gelangen. Mit jeder Welle die uns entgegen rollt, klammen wir unsere Flossen und die Maske fest und stürzen uns hinab in die mächtige Woge, um nicht von ihr an Land zurück geworfen zu werden! Kopf untertauchen und mit ganzer Kraft nach vorn lehnen und danach an die Oberfläche driften, um im Wellental erst die eine dann die andere Flosse überzustreifen. Die Maske hängt sicher um den Hals, wo sie nicht mitgerissen werden kann. Eine Position, die der Open Water Diver Anfänger im ersten Pooltauchgang lernt.

Inzwischen erreichen mein Buddy und ich eine akzeptable Schwimmtiefe, in der wir unsere Maske aufsetzen und auf dem Rücken in Richtung Abtauchstelle paddeln. Wir wiegen von der Wellenspitze in ihr Tal und zurück! Ich lasse meiner Begeisterung freien Lauf. Solche schaukelnden Wogen sind Spaß pur! Es ist wie Motorrad fahren nur im Wasser. Leider neigt Nils zu Seekrankheit und steckt seinen Kopf lieber unter die Oberfläche und will einfach nur abtauchen... Willem folgt uns mit seinen 2 Gästen, die nach 5min schon schnaufend ihre Erschöpfung verlauten lassen. Einen Tauchgang atemlos zu beginnen, wirkt sich negativ auf den Luftverbrauch aus und bewirkt Stress gleich zu Beginn. Wir müssen vor der geplanten Abstiegszeit nach unten, um nicht noch mehr Kraftlosigkeit aufkommen zu lassen. Eine kleine Verschnaufpause auf den Wellen und ein rufender Nils mit einem starken Abtauchdrang lassen uns alle an Ort und Stelle nach unten gehen. Alles ist ok. Wir sehen uns unter der Oberfläche und sinken lediglich bis auf ca. 12m maximal. Tiefer wird es nicht werden, weil der Tauchplatz auf dem Barriereriff des großen Surfersees liegt. Dieses Riff ermöglicht die Lac Bay erst mit ihrer vollen Schönheit, weil es die Brandung und den Großfischbestand davon abhält, in die Bucht zu gelngen. So verfügt Bonaire über ein wunderschönes, ganz natürlich entstandenes Schwimmbecken, in dem nur ganz kleine Fische leben und dessen Tiefe nicht größer als 1,60 auf einer Gesamtfläche von vielen Hektar! Dieser Salzwassersee bietet den Windsurfer ideale Bedingungen und den Sonnenanbetern einen einzigartigen Strand - eigentlich den einzig richtigen auf der ganzen Insel.

Über Fächerkorallen hinweg schweben wir in Richtung Süden. Ich überlege, was auf dieser Seite der Insel so besonders sein soll als auf der üblicherweise betauchten Westseite. Eindeutig erscheint mir die wesentlich weniger spannende flachere Riffformation, die keine tiefen Riffkanten ohne sichtbaren Grund erkennen lässt. Jedoch eines ist herzerwärmend: die Häufigkeit der Schildkröten jeglicher Größe an diesem Tauchplatz. Mit ihren aus den wunderschön gemusterten Panzern herausragenden Schwimmflossen begleiten uns diese ansehnlichen Tiere behäbig elegant schwimmend in Größen zwischen 30cm bis 1m Länge während des gesamten Tauchgangs. Ruhe steht für Unterwasserschildkröten und lässt diese faszinierenden Übrigbleibsel aus der Urzeit schlicht Vertrauen und Geborgenheit ausstrahlen. Mindestens 35 an der Zahl begegnen uns innerhalb der nächsten Stunde auf unserem Weg durch die beachtliche Strömung.

Nils, die andere 3 und ich kämpfen gegen die Strömung an und schieben uns über das Riff. Mir ist vollkommen klar, welchen Luftverbrauch wir erzeugen müssen bei dieser Beinarbeit. Es ist kaum zu schaffen. Bei entspannt langsamen Tauchen werden wir von den Wassermassen zuückgeschoben wie ein Sommerschlussverkaufsverweigerer von dem vorwärtsdrängenden Massen zum Grabbeltisch! Entgegen jeden Wissens legen wir uns in die Strömung und strampeln uns vorwärts. Heute ist es sogar machbar. Weder der Wellengang an der Oberfläche noch die Unterströmung sind übermäßig wie sonst oft, so dass wir den Tauchgang durchführen können!

Irgendwann legt Willem einen Linksknick Richtung Ufer ein und wir folgen ihm. Es ist ca. 32min und 120 bar später als ich den Lichtschein erblicke, der hinter dem Riff aus dem Nichts bis zur Oberfläche hinaufzustrahlen scheint. Eine kleine Erleuchtung - denke ich - und erkenne das "White Hole"!! Endlich angekommen! Wie die Beleuchtung eines Ufos, das am Meeresboden liegt und diesen anstrahlt, erscheint mir das hell erleuchtete Gebiet, was mich hinter der Riffwand erwarten wird.

Wir schweben über die Riffkante und ich erblicke ein Tal mit durch schneeweißen Korallensand bedeckten Grund, welcher diesen magischen, gleißend hellen Lichtschein von unten bis zur Wasseroberfläche verursacht hat. Wir tauchen ein in dieses von Riffwänden umrundeten Schimmern - einem Loch im Riff, in dem viele Tarpune stehen und Schutz vor Bewegung, Besucher und Eindringlinge suchen. Sie stehen in 1m Abständen zu- und untereinander und füllen das White Hole mit Leben gleich beim Eintritt. Wir gehen runter an die linke Riffwand, die einige Höhlen aufweist. Willem ist uns voraus und steuert auf eine größere Öffnung am Grund zu und gibt das Zeichen!! Die rechte Hand geht ausgestreckt und senkrecht an seine Stirn! HAI! Hier liegt ein Hai in der Höhle! Ich bin etwas aber doch kaum aufgeregt. Das Lustige an der Situation ist, dass wir unter Tauchlehrern und Divemaster das gleiche Zeichen geben, wenn jemand die Tauchgangsführung übernehmen soll und ich denke im ersten Bruchteil der Sekunde, warum ich nun den Guide machen soll!!?? Schnell realisiere ich den dummen Gedanken als superblöd und begreife die Realität, die uns mit einem Hai konfrontiert.

Nun endlich sehe ich mit eigenen Augen, wie wunderschön diese Spezies ist und wie weit entfernt davon, eine blutrünstige Bestie zu sein. Dies war mir schon lange klar und ich schäme mich fast für so verstandesfreie Gedanken. Bekanntlich gehören Haie zu den scheuesten Unterwasserwesen, die uns die Ozeane bescheren. Was wir gerade zu sehen bekommen, ist ein mittelgroßer "Nurseshark" von ca. 2,50m Länge, der sich eingeschüchtert in andere Gegenden verzieht, um nicht von uns zu belästigt zu werden. Unser Guide hat ihn auch durch Aufwühlen des Grundsandes aus der Höhle gelockt und wir sehen einen Moment das Gesicht des Exemplars sowie danach lediglich noch den Rücken und die Rückenflossen davon schießen. Man sagt, wenn Menschen Haie aus ihren Verstecken scheuchen, kommen sie nie wieder...
Manchmal verfluche ich die Tauchindustrie...

Nach diesem Höhepunkt drehen wir um, weil die Mehrheit unserer Gruppe schon zuwenig Luft hat, um weiter in das Loch hinein zu tauchen. Nils ist einer der Kanditaten und ein wenig entschuldigt, weil er seit 2 Monaten nicht im Wasser gewesen ist. Ich bedeute ihm, dass ich ihm als Tankstelle zur Verfügung stehe. Meine Luft im Hole ist noch bei 120 bar nach 45 Minuten und Strömung. Nicht einmal den halben Tank habe ich geleert und kann mich auf einen entspannten Rückweg freuen. Nils ist schon bei 70 bar und wird in Kürze Luft brauchen. Ab jetzt weich ich nicht von seiner Seite und wir steigen gemeinsam aus dem Hole auf, schweben über die Riffkante hinein in den Garten von tanzenden Fächerkorallen. Hier lassen wir uns nun mit der Strömung nachhause treiben ohne allzuviel Beinarbeit leisten zu müssen. Wieder gleiten wir durch einen Garten voll von Schildkröten. Ich lege mich neben eine mittelgroße und komme ihr ca. 30cm Kopf an Kopf nahe. Wir sehen uns an und gleiten zusammen mit den Wogen auf und ab. Wunderbar und einmalig, Teil des Unterwasserlebens zu sein! Nach einigen Minuten realisiere ich meine Verantwortung als Buddy und sehe mich nach Nils um, der geduldig auf mich wartet.

Wir schwimmen gemeinsam weiter. Jetzt signalisiert er, meinen Oktopus zu gebrauchen. Wir halten uns gegenseitig fest, während wir beide aus meiner Flasche atmen. Ich habe ausreichend Luftvorrat für den gesamten Rückweg. Immerhin gehen wir mit der Strömung, was Kraft und somit Luft spart. Aneinander geklammert wiegen wir mit den Wellen Richtung Süden zurück gen Ausstieg, der noch ungefähr 10min entfernt liegen muss. In der Nähe unseres Ausstiegs angekommen wechselt Nils wieder auf seinen Atemregler und wir wiegen weiter gen Strand über zahlreiche Fächerkorallen hinweg.

Der Grund kommt immer näher. Feuerkorrallen häufen sich unter mir. Die Wellen verstärken sich zusehens. Der Abstand zwischen Grund und Oberfläche verringert sich sekündlich und ich richte mich auch. Über Wasser erblicke ich Nils und unser Ufer, an dem Willem bereits mit unseren 2 verschnauften Gästen das Equipment teilweise ablegt. Nilsi und ich sind das Schlusslicht und finde das wunderbar. Wir behelfen uns wieder unserer altbewährten Methode des gemeinsamen Laufens über Feuerkorallen, um halbwegs sicher den Weg aus den Wellenbergen zu schaffen. Schritt für Schritt - Flossen ausziehen - Maske um den Hals legen und den-Arm-über-Kreuz-Griff praktizierend wackeln wir den Wellen entgegenstemmend aus dem Wasser Richtung Strand. Irgendwie laufen wir voll ausgerüstet und unversehrt auf den Strand auf die anderen zu. Hallooo!!! Nun steht uns noch der 10minütige Rückmarsch durch Lac Bay bevor: Wieder Hügel und uneinsehbare Löcher im Grund begleiten die letzte Etappe unseres Weges. Irgendwann treffen wir uns alle um unsere Autos herum wieder, bei denen wir alles ablegen, um uns ausruhen zu können! Was für ein Tauchgang bzw. was für ein Drumherum. Unter normalen Meerbedingungen wäre die Anstrengung doppelt so hoch gewesen. Ich beginne, Lust an dieser Art von Ausflügen zu bekommen. Herrlich untouristisch und neu könnte man treffend behaupten. Hier war ich nicht zum letzten Mal....;-)




Tuesday, December 22, 2009

Bonaire zu Weihnachten

Hach, wie schön - Weihnachtsdekoration auf Bonaire: Schaufenster in Schnee verhüllt, Weihnachstbäume noch duftend aus dem Schiff geladen, ein Dorfplatzweihnachtsbaum ganz im Sinne vom New Yorker Rockefeller Center und Weihnachstmärkte, auf denen ich mich mit lieben besuchenden Freunden tummeln darf.... Meine liebe Steffi mit ihrem noch lieberen Monsieur le Marc Aurel bezogen in den letzten 2 Wochen residierendes Quartier im Bamboo Bali, welches direkt auf der gesegneten anderen Strassenseite meines von Kriminellen überlaufenden Hamlet Resorts liegt. Neben eindrucksvollen Tauchgängen zusammen verlebten wir nun also den einen oder anderen Abendnachmittag inmitten karibischer Weihnachts- oder Polarimpressionen.
Meine Süßen! Schön dass Ihr da ward und ich Euch einige Tipps unter Wasser einflößen durfte! Es war mir eine Ehre und Freude und ich drücke Euch bis auf die Zeit back in Berlin!!! Knuuutsch!!! ...
Übrigens der Hut ist meiner und der Mann Steffi's...!


Die Rückseite der Sonne

Es ist wohl ganz normal, zwischenzeitlich Schübe von Heimweh zu verspüren, wenn man weit entfernt ist von dem Platz, den man viele Male sein zuhause getauft hat. Auch die Entfernung zu seinen Wurzeln wird einem auf Reisen erst bewusst. Gerade stelle ich mir die lachenden Gesichter meiner kleinen Nichte und meines kleinen Neffen vor - die im Übrigen gar nicht mehr so klein sind - wie sie ihren Vater, meinen lieben Bruder, mal wieder in den kurzzeitigen Wahnsinn treiben und sich dabei kaputt lachen. Ich vermisse diese Szenen zwischendurch immer mal wieder und stelle mir vor, wie das Spiel zwischen Eltern und Kindern wohl ausgeht. Mit ihren lustigen Gesichtern bringen sie mich oft zum Lachen und ich wünsche mir die kleinen grossen Sportskanonen in der Nähe. Aber dank email und meines guten Bruders werde ich hier mit aktuellen Fotos versorgt! Hier gleich eines aus diesem Sommer und mit wahrscheinlicher Genehmigung des Urhebers, Papas und Bruders Wolfgang :-) (DANKE W!)!? Dies ist jedoch lediglich ein kleiner Ausflug in meine Familienbande zwischendurch...

Unterm Strich beschäftigen einen wohl - auch laut anderer Reisenden - Gedanken über den Sinn und Hintergrund Deiner Reisen und der sich daraus ergebenden Perspektiven. Gedanken an die zuhause aufgegebene (Pseudo?)-Karriere zugunsten der Freiheit und des immer schönen Wetters sowie an die Zukunft und das dortige Überleben kommen bei mir allerdings nur selten hoch. Vielmehr die Frage nach der Leidenschaft des Tuns und des Seins - der Beschäftigung des Lebens, die dieses auch annähernd ausfüllen, ergreifen meine Gedankenwelt mitunter heftig. Kann ein Leben in der Sonne ein Leben mit stetig steigendem Erfolg wie Rückschlägen in unserer westlichen Stressgesellschaft ersetzen oder vermissen wir den Erfolgsdruck oder den Wettbewerb oder einfach die Atmosphäre des Fortkommens im Beruf? Wenn dies so wäre, wohin führte uns dieser Weg des beruflichen Weiterkommens? Was treibt uns an? Das primitive Motiv nach mehr Geld? Das noch primitivere Motiv nach mehr Macht? Oder das noch dazu Intellekt resistente Motiv der Eitelkeit, in einer hohen Position zu sein? Auch die Frage, was bedeutet ein Leben in der stetigen Sonne?

In meinem Fall bisher ist es das Ausüben meines geliebten Hobby's des Tauchens oder vielmehr meiner Leidenschaft und Sehnsucht nach dem Meer. Bereits derzeit tägliche Lufttemperaturunterschiede von 4 Grad oder 6 von 33° auf 27° oder Wassertemperaturen auf 30 Metern von 29 auf teilweise 26° machen mich betroffen und lassen mich hinterfragen ob eine Ortsänderung herbeiführen muss. Der eigene Horizont in der großen Freiheit ist demnach ganz einfach auf Deine lokale und derzeitige Situation beschränkt... Sozusagen leben wir überall in einem Dorf. Kann das Leben in der Sonne ein Leben im Büro ersetzen?

Fragen deren Antworten ich bisher nur vermuten kann, die aber auch nicht wichtig sind. Aus meiner Sicht ist die wichtigere Frage diejenige nach dem Sinn eines alternativen Lebensstils - fern dieser Pseudomotive und künstlichen Welt bzw. nach der Definition des natürlichen, für einen selbst richtigen Weges. Ist die westliche Welt eine künstliche? Ist ein alternativer Weg eine echte Alternative und wegbereitend oder lediglich eine Scheuklappenlösung? Wo liegt der eigentliche Sinn unseres Daseins?

Eines kann ich an dieser Stelle mit Sicherheit behaupten: Wo immer der Sinn des Seins für den Einzelnen liegt - der Horizont sollte weltweit geöffnet sein, um die eigene bescheidene Exiztenz dankbar als ebensolche wahrnehmen zu können!

Ergänzend möchte ich hiermit in Marmor gehauen feststellen, dass Bonaire keine alternative Lebensweise ist, sondern schlicht und einfach ein FUCKING STUPID HOLLAND ist - nur mit besserem Wetter!!! :o)))) Also stelle ich mir vorherige Fragen erst im richtigen Wahlexil...


Monday, December 21, 2009

Weiter geht es taeglich auf Bonaire

Vieles ist inzwischen wieder geschehen auf Bonaire - so auch, dass vor einiger Zeit mein Fahrrad vonb meiner kleinen Terrasse gestohlen wurde und der Dieb so sarkastisch war und mein Schloss fein saeuberlich ueber die Waescheleine gehaengt und dieses zur Sicherheit mir 2 Waescheklammern befestigt hat. Nett oder? Jetzt huepfe ich zwischen dem etwas zu klein geratenen Mountainbike meines Mitbewohners Andre und dem klapprigen Shop-Pickup von Div'Ocean und halte alle Sinne offen, um ein neues Rad zu finden. Der Mensch braucht ja Bewegung auf der kleinen Insel...

Unser trauriger Vorfall im Tauchkurs ist inzwischen vollstaendig "abgewickelt", wenn man diesen Begriff ueberhaubt verwenden kann. Die oertlichen Behoerden haben Kontaktaufnahme und Besitzruecksendung nach New York uebernommen sowie die Rueckgabe des Mietwagens. Unser Kollege und Freund Dik wird hoffentlich bald wieder unterrichten duerfen. Dies haengt davon ab, wie lange PADI Zeit fuer die interne Klaerung dieses Falles benoetigt. Tommy versucht taeglich, diesen Prozess bei PADI zu beschleunigen, damit bald alles wieder der Normalitaet entspricht. Das schoenste im Moment fuer Dik sind Nachrichten von Schuelern und ehemaligen Schuelern, die ihn in den Himmel loben! Die Mitschuelerin die ihm bei den Rettungsversuchen geholfen hat, hat gleich danach gesagt, dass sie auf jeden Fall den OWD-Kurs weitermachen will und zwar ausschliesslich mit unserem Dik. Was fuer eine grossartige Nachricht fuer ihn. Ich erlebe es immer wieder, wie neue Taucher - seine Schueler - seine Geduld und sein Verstaendis und vor allem seine Ruhe loben! Ruhe is das wichtigste beim Tauchenlernen. Dies wissen auch unsere Schueler hier sehr zu schaetzen.

Auch die Bonaireianische Einwanderungsbehoerde ist zufrieden mit mir und stempelte mir an unserem Unglueckstag einen Monat verlaengerten Aufenthalt in den Pass, so dass ich noch bis Ende Januar geniessen darf und meine naechste Freundinnenbesucherin Gast geben kann!

Desweiteren sind wir wieder mit neuen Gaesten und Schuelern beschaeftigt und stehen kurz vor unserer Weihnachtsfeier in 2 Teilen: Diesen Mittwoch Happy Hour, Essen gehen, Feiern gehen und naechsten Mittwoch mit unserem Boot Tauchen gehen und danach einige Drinks geniessen. Eine gute Sache, dass die Stimmung ebenfalls wieder nachhaltig aufhellen wird.

Ich habe mir mein Weihnachtsgeschenk schon jetzt gemacht und darf mich glueckliche Besitzerin eines neuen Super SONY VAIO Notebooks nennen, dass just heute den Weg in meine Arme gefunden hat. Somit steht einem steten Schreiben und Hochladen von Fotos regelmaessig nichts mehr im Wege!

Thursday, December 17, 2009

Wenn ein Tauchschueler stirbt...

...ist es mit Sicherheit der schrecklichste Moment im Leben eines Tauchlehrers. Leider ist meinem lieben Freund und Kollegen Dik gestern dieses passiert. Wir trauern um einen Open Water Scuba Diver Schueler, der aus koerperlich gesundheitlichen Gruenden vor dem OW Tauchgang 2 an der Oberflaeche einen Herzinfarkt erlitt und trotz Wiederbelebungsversuchen durch seinen Instructor Dik sowie der Mitschuelerin, einer Krankenschwester, bis zur eigenen totalen Erschoepfung beider Notfallhelfer nicht wiederbelebt werden konnte.

Wir trauern ausserdem besonders mit unserem lieben Dik, der aufgrund dieser erstmaligen Erfahrung einen tiefen Schock erlitten hat und sich in der naechsten Zeit ersteinmal erholen wird. Trotz seiner absoluten Unschuld an diesem Unfall ist er natuerlich mit Selbstvorwuerfen und Fragen ueberfordert, wie er diesen Vorfall haette verhindern koennen. Was nun folgt, sind polizeiliche Ermittlungen, Unfallberichterstattung bei PADI und die Ueberlegung, diesen Vorfall an die lokale Oeffentlichkeit zu geben, um Geruechten vorzubeugen. Was ich Dik im Moment geben kann - viel Unterstuetzung und Gespraeche - gebe ich ihm gern und wuensche ihm das allerbeste fuer sein Ueberwinden dieses traurigen Ereignisses.

Tuesday, December 15, 2009

Rueckblick 7 - IE die letzte...

Nach dem Theoriekrimi geht es weiter. Theoriepräsentation am Nachmittag mit sofortigem Feedback. Wir legen alle mehr oder weniger - ganz eigene - lustige Shows hin. Gary Newman kommt in den Genuss von holländisch, deutsch und englisch und erhält ggf. Simultanuebersetzungen von entweder Tommy oder Asko. Wir werfen mit Pseudoschülerkommunikation, Requisitennutzung und Kurs- wie Equipmentverkaufsstrategien ganz nach PADI Klassenzimmermanier um uns und ernten den einen oder anderen Lacher aus dem Publikum. In englisch ist das ganze wesentlich unkomplizierter, wirkt viel weniger gestelzt und Gary versteht mich unmittelbar. Die Show läuft gut und wir punkten alle recht erfolgreich. Somit ist der erste Tag gelaufen wir blicken einem vorbereitenden Abend für den morgigen Freiwasserpräsentationstag entgegen.

Der Sonntag!!! Zweiter und letzter IE Tag! Wir sammeln uns bei den Divefriends auf der Terrasse und geniessen unseren Morgenkaffee mit dem Blick auf das frische tuerkise Meer und einer Brise Morgenwind. Alle sind da! Wir bauen zuerst unser Equipment zusammen! Langsam steigt die Aufregung - aber längst nicht mehr bis zu dem Level vom Tag zuvor. Jetzt kann nicht mehr viel schiefgehen!! Denkste....





Zuerst geht es an die Open Water Präsentation bzw. an die Briefings davor - die ich mit 5 Punkte!!! Höchste Punktzahl! SUPI! - Im Wasser klappt die Organisation bei allen gut - Divermastereinsatz, Fehlererkennung und -korrektur, sowie positives feedback und Erinnerung an den richtigen Ablauf der Übung für den Pseudoschueler. Ich habe die Maskenübung und den panischen Taucher unter Wasser als Tauchlehreraufgaben. Der erste Mal seit dem Rescuekurs fuer mich. Aber gut geplant ist halb gewonnen durchgefuehrt. Hat klasse geklappt!

Danach raus und vorher Rescue 7 vorgemacht. Unsere Gruppe nimmt Tommy ab, waehrend Gary noch mit der 2. Truppe auf dem Grund hockt. Rescue 7 klappt ebenfalls! Logisch - hab ich inzwischen total verinnerlicht! Zufriedenheit pur! Und jetzt ganz raus - Debriefing! Supi - Wieder top gepunktet! Dann kurze Pause und wieder ins Wasser zur Confined Water Praesentation!





Zuerst machen wir Skillzirkeltraining. Alle machen parallel 5 skills in 2 Gruppen vor und Der Examiner notiert die Punkte. Das ist einfach. Lediglich beim Jacketablegen fange ich an ein wenig zu tanzen... Aber das lässt sich zu dem Zeitpunkt halt mal nicht vermeiden... Alles andere klappt reibungslos!

Dann geht es weiter. Skillpräsentation! Meine Uebungen sind u.a. Atmen aus der Alternativen Luftversorgung (im begrenzten Freiwasser 30sec.). Ich bin dran - sortiere mir meine Schueler, hole meinen Divemaster und mache den Skill vor. Danach platziere ich meinen Divemaster - irgendwie nur halbwegs, weil er meine Anweisung nicht richtig sieht - und hole mir 2 Schueler nach vorn. Ohje, alle versuchen mir mit grossen Augen zu deuten, dass der Examiner hinter mir nicht zufrieden ist. Bevor ich starten kann, greift dieser ein und platziert meinen Divemastern hinter den wartenden Schuelern, wo er hin gehoert. Uppss! Na das kann ja heiter werden. Ich beginne die Uebung von meinen Pseudoschuelern abzunehmen. Alles gut - Fehler erkannt und korrigiert und drauf hingewiesen sowie positives Feedback gegeben sowie das Zeichen fuer den Wechsel gegeben. Das ist der Abschluss meiner Confined Water Praesentation und andere sind dran. Vincent hat die gleiche Uebung wie ich und verursacht mir als Pseudoschueler einen Herzinfarkt. Ich hatte vergessen, explizit auf die 30sec hinzuweisen und diese Zeit beim Atmen aus der alternativen Luftversorgung exakt atmen zu lassen. Fuer mich bricht die Welt zusammen. Durchfallen bei Confined bedeutet keine Wiederholung bis zum naechsten IE im Fruehling! Wieder muss ich wie ein Trauerklotz im Wasser gehangen haben, weil Gary mir mit einer Geste bedeutet, ich solle nicht so abhaengen. Doch ich moechte mich am liebsten in einem Wurmloch verkriechen. Gespannt verfolge ich den weiteren Verlauf der Uebungen meiner Kumpanen bis zum Ende, in der ich natuerlich brav meine Rollen als Divemaster oder Tauchschueler spiele.

Das Ende vom Lied unter Wasser ist: Gary, unser Examiner, schwamm auf uns zu und knuffte jedem von uns nacheinander mit der Faust an unsere Faust, was bedeutet, dass alles fuer alle gut gelaufen ist! Jedem von uns! Auch mich! Mir wurde erst draussen klar, dass ich trotz dieses Fehlers durch war. Wahnsinn!! Was fuer ein Glueck! Geschafft! Ich hatte es geschafft!!! Die Praxis war vorbei! Wir hatten alle bestanden!!!! Dann ging alles hopplahopp: als wir den Kopf aus dem Wasser steckten, wurden wir direkt von einem tropischen Platzregen empfangen! Es war wie unsere Taufe als frischgebackene PADI Open Water Scuba Instructors!! Lachend stiegen wir aus dem Wasser und wurden gleich vor dem Divefriends-Gebaeude versammelt und mit Blitzlichtgewitter abgelichtet und so fuer die Nachwelt verewigt. Gluecklich, geschafft und erleichtert genossen wir die Regendusche und bruellten "Cheese" in die Tropfen bedeckte Kamera.

10min spaeter brannte schon wieder die Sonne und wir waren fertig abgeruestet mit Handtuechern umwickelt bereit fuer das feierliche Finale unserer IE! Um den Tisch versammelt warteten wir strahlend auf das was da nun kommen sollte. Gary gratulierte jedem von uns mit handshake zur bestandenen Tauchlehrerpruefung und uebergab Tommy die Ehre, uns unsere Urkunden "Certification of Completion" selbst zu ueberreichen. Nacheinander reif er uns auf und jeder bekam seine Urkunde. Es war unglaublich und unerwartet ruehrend fuer mich und mir kullerten schon wieder die Traenen!! Welch ein schoener Augenblick und ich freute mich fuer und mit jedem fuer den neuen erreichten Profilevel. Feierlich erhielt ich von Tommy die Urkunde und einen Haendedruck und ich beliess es auch in diesem Moment bei der gefassten Variante. 7min spaeter - als alles vorbei war - lief ich auf in zu ..."Tommy!!!!!" "Jaaa?" und fiel im um den Hals, um mich fuer alles,was er fuer mich getan und organisiert hatte, zu bedanken! Und das alles war aussergewoehnlich und ebenso nett. Immerhin hatte er mir nicht nur den bezahlbaren IDC ermoeglicht, sondern auch vor einem extrem bedauernswerten Dasein bei den Tropical Divers bewahrt und gerettet, indem er mir einen Divemaster-Job in seiner Basis gegeben hatte und vieles sehr menschliches und hilfsbereites immer wieder zwischendurch auf die Beine gestellt, was mir eine Superzeit hier bisher beschert hat. Da muss man auch mal knuddeln koennen :-)))!!! DANKE TOOOMMMMYYYY FFFUUUUEEEERRRR AAAALLLLEEEESSSS!!!

Rueckblick 6 - die IE jetzt aber und der grosse Schock

Nach unserer Praeabsolution fuer die PADI IE loeste sich unsere Teilnehmertraube schnell auf, um im beschaulichen Heim die erste IE Aufgaben wie Theoriepraesentation und Briefing vorzubereiten. Zuhause angekommen will ich gleich im pc die PADI Standards fuer meine Aufgaben lesen und mein Script fertigschreiben. Es ist so gegen 23 Uhr. Ich blicke auf mein kleines Tischchen und suche die Entertaste, um den Bildschirmschoner abzuschalten... Da ist keine Entertaste!! Da ist kein Bildschirmschoner!!! DA IST KEIN NOTEBOOK!!!! DA IST GANZ UND GAR KEIN PC MEHR AUF DIESEM TISCH!!!!! Was ?? Wie??? Wohin??? Verwirrt gucke ich irrwitzigerweise in der Schublade - nichts! Unter meiner Bettdecke!!! (Tauchen macht bloed, muss man einfach wissen) Nichts! Unter das Bett kann mein SONY VAIO nicht gelaufen sein. Im Kleiderschrank? NEIN! Mir bleibt nur Andre und Willem zu fragen - meine Mitbewohner in meinem neuen Haus auf dem Hamlet-Gelaende. "Andre, my PC is gone! Not there anymore!!" "What?" Er geht mit mir die Moeglichkeiten durch, laeuft ums Haus, um moegliche Spuren zu finden. Nichts. Mein Notebook war gestohlen!!!! Und das in der Nacht vor der Pruefung! Haette der Dieb nicht noch ein paar Tage warten koennen?? Ich wollte mir zwar eh einen neuen Rechner kaufen, aber so dringend war es denn doch nicht!!! Manno!!!

Ich akzeptierte den Gedanken erstaunlich schnell: das Notebook war gestohlen! Wozu auch aufregen. Zu aendern war es nicht und ich hatte meine Pruefung vorzubereiten. Strategische Herangehensweise: Stoppe, denke, handle :-) bsw. Schrittchenstrategie. Punkt 1: Was bedeutet dies fuer die morgige Pruefung? Kein Notebook, kein PADI Instructor Manual zur Verwendung. Ok! Loesung: Notebook beschaffen, weil Manual CD ist noch da. Uebrigens ist noch alles andere im Zimmer vorhanden. 1. Schritt: Tommy anrufen und informieren! Er ist auch geplaettet und bietet mir sofort die Nutzung seines Notebooks an. Torseidank! Morgen ist gerettet. Ich setze mich aufs Bett und ueberlege weiter, was dies noch bedeutet. Welche Daten sind weg, welche zuhause auf dem Backup? Welche Moeglichkeiten hat der Dieb mit einem deutschsprachigen Notebook mit deutschen Daten? Kann er sich Zugang zu Konten verschaffen und nuetzen ihm diese etwas ohne PIN-Nummern? Fotos!!!Meine Bonaire-Fotos von 2,5 Monaten! Futsch! Vergangenheit! Pure Erinnerungen! Das stimmt mich traurig.... Ich sortierte Fragen ueber Fragen, beruhige mich so langsam und beginne meine Pruefungsvorbereitungen. Nach der Zeitverzoegerung lege ich mich geschafft gegen 2:00 schlafen. Dies gelingt mir natuerlich nicht wirklich und ich finde vielleicht 3h Schlaf vor dem schlimmsten Tag: 2x 90minuetige Theoriepruefungen - beginnend um 9:00 morgens.

Emma holt mich gegen 8.30 ab und wir betreten die heilige Halle unserer "Ich-weiss-wie-man-taucht-und-kann-auch-anderen-beibringen-wie-man-unter-Wasser-nicht-absaeuft-Beweisveranstaltung". Verhaltene Aufregung macht sich breit. Wir nehmen wieder auf den hinteren Reihen Platz. Tommy blickt mich mitleidig an. Was nu? Da mein Gesicht wie ein offenenes Buch ist, muss ich wie das heulende Elend, dessen Lieblingshaustier gerade ueberfahren worden ist, ausgesehen haben. Er stellt mir den Computer hin und ich versuche die CD einzulegen. Das gelingt mir grad noch. Waehrend die Installation laeuft, merke ich ploetzlich wie mir jemand den Nacken massiert! Ueberrascht dreh ich mich um... Gary Newman - mein Examiner - ist so suess und will mich beruhigend troesten. Ich beginne ihm zu erklaeren, warum ich etwas gestresst bin und er unterbricht mich nur, um mir zu sagen, dass er meinen PC-Verlust schon gehoert haette und mich jetzt erstmal aufbauen will! Ist das der Hammer! Das war eine so nette Geste und wir lachen beide. Mit einiger Hilfe von Emma und Tommy krieg ich irgendwann meine PADI Standards zum Laufen - aber zu spaet, so dass ich mit den 5 Tauchtheoriekapiteln beginnen soll, waehrend meine Sitznachbahrin die Standards zuerst schreibt.

Der Stress beginnt. Ich ueberblaetere das erste Kapitel - Physik - nachdem ich die ersten 3 Fragen gelesen und nicht verstanden habe. Mann Frau, jetzt konzentriere Dich! Das sind nur englische Buchstaben in deutscher Reihenfolge zu lesen - wuerde Tommy jetzt sagen. Ich beschliesse, mit laessigeren Themen zu beginnen und blaettere zu Physiologie. Ich lese die erst Frage und blicke wieder nicht durch. Also jetzt tief durchatmen und die Sinne zusammenrufen. Ich kann ja nicht alle Kapitel nur Ueberblaettern. Aber mit 3h Schlaf und allen Begleiterscheinungen erscheint mir meine letzte Gehirnzelle auf Reserve zu laufen... Doch wie sagt man: Da muss Du durch! Und ich reiss mich zusammen und beginne meine Kreuzchen zu machen. Physiologie, Tauchumgebung und-fertigkeiten, Tauchausruestung, dann Physik und zum Schluss RDP - Tauchprofile berechnen. Meine Anspannung steigt ins unermessliche. Seit vielen Jahren war ich nicht mehr so gestresst. Nur wenige Fragen kamen mir wirklich bekannt vor aus anderen Tests oder unserem AI Test. Ich musst mich sehr konzentrieren und liess zum Schluss einige Luecken, die ich am Ende nacheinander zu beantworten versuchte. Jedes kapitel umfasste 12 Fragen, die man mit 75% (9 richtigen Antworten) schreiben musste. Zwischendurch verlor ich die Hoffnung, diesen Test bestehen zu koennen und ich schaute ab und zu rueber zu Tommy, um ihm eine hilflose Geste zuzuwerfen. So war er schon auf das Schlimmste vorbereitet... Doch er schob mir eine abwinkende Hand und ein Laecheln zurueck, um mir wieder zu bedeuten, dass alles gut werden wuerde! Ich begann zu verzweifeln und riet einige Antworten - so mein Eindruck. Nahm er mich denn nicht ernst??

Bis zur letzten Minute reize ich die Pruefungszeit aus und lese wieder und wieder ueber meine Antworten, ueberlege genau und bleibe aber bei meinen Entscheidungen. Dann irgendwann schliesse ich den Teil ab und gebe meine Zettel Gary. Vor den Standards nehme ich kurz eine frische Brise draussen. Pepe steht dort und erholt sich ebenfalls von seiner Pruefung, die er fuer seine Course Director Zulassung bei uns mit geschrieben hatte. Er wirkt ebenfalls gestresst und selbstzweifelnd.

Es hilft nichts, ich muss wieder rein, um meinen Standardstest zu schreiben. Tommy war so lieb und hatte sein Notebook schon an die Steckdose gehaengt, damit ich stoerungsfrei loslegen konnte. In der Zwischenzeit, war jeder wieder an seinem Platz und Gary unterbrach die Runde, um uns mitzuteilen, dass jeder von uns bereits die 5 Kapitel bestanden hatte!!!!!!!!!! WAAAS? hatte ich richtig gehoert? Ich lehne mich nach links aussen, um Gary zu sehen und fragte unglaeubig: "Really???" Tommy lacht laut los und Gary schaut mich schmunzelnd mitleidig an und nickt nocheinmal. Ich freue mich irgendwo in mir und laechle wie bloed in die Gegend. Tommy freut sich, dass ich mich freue! Was fuer ein Felsen faellt mir vom Herzen!!! Jeder hoert es poltern und ich gewinne im Nu an Selbstbeqwusstsein und mache mich motiviert an meine PADI Standardsfragen. Auf meinen Pruefungsboegen ist die Startzeit notiert. 90min von nun an!
Ich las die 1. Frage. Ok... die naechsten Fragen ok, aber hier und da mal kurz nachgeschlagen und weiter geht es. Ich behalte die Zeit im Auge und beginne etwas zurueckzufallen. Macht nix, ich hol das schon wieder auf. Einige Fragen sind wirklich richtig tricky! Ich suche nach Antworten im Manual. Wo zum Teufel steht der ganze Quark? Im pdf gibt es die schoene Suchbegrifffunktion, die mir in vielen Faellen Zeit spart. Andere Fragen finde ich nicht so schnell und beginne, unruhig zu werden! Mein Selbstvertrauen sinkt und ich beginne wieder langsam, mich mit dem Gedanken vertraut zu machen, kein Instructor zu werden. Wenn ich diesen Test versiebe, gibt es keine Wiederholungsmoeglichkeit in dieser IE. Wieder blicke ich verzweifelt zu Tommy und schuettle den Kopf. Er winkt auch diesmal ab und nickt aufmuntert, aber schon mit gerunzelter Stirn. Er schwitzt naemlich eh schon fuer alle mit und ich nerv ihn noch mit meinen Chickenbefindlichkeiten! Aber darueber machte ich mir zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken und konzentrierte mich weiter auf meine Antworten.

Da ich spaeter begonnen hatte, sass ich auch am laengsten in der Pruefung, waehrend einer nach dem anderen meiner Mitleidenden den Raum verliess und fertig war. Dies versetzte mich noch unter mehr Stress. Zum Schluss begann ich wieder meine Raterunde. Was bei der Theorie durch Wissen gedeckelt werden konnte, musste hier nun mit Logik aufgefangen werden, weil keine Zeit mehr zum Nachschlagen war. Ich ging alle Fragen durch und fuellte noch die Luecken mit Antworten. Was solls - Top oder Flop. Nu is eh allet zu spaet! Gary wurde stand auf und fragte mich verstaendnislos witzig "What are you looking for???" Ich sagte, ich glaubte ich waere fertig. Inzwischen nahm der behaebige PADI Pruefer neben mir Platz, in der Hand seinen Loesungsschluessel zum Pruefen meiner Antworten. Er grinste und wollte mir meine Pruefung abnehmen, als ich gerade noch rechtzeitig eine fehlende Antwort bemerkte. "STOP!!"rief ich. "What?" und legte seine Loesungsschluessel auf die Antworten. Ich konnte nichts mehr machen und wies ihn auf die fehlende Antwort hin und darauf, dass ich diese nicht wuesste. Er sagte mir, ich solle mehr Selbstbewusstsein haben. Ich wuesste sie schon! Ich koenne ihm diese auch so sagen oder noch ankreutzen. Ist das zu fassen? :o) Er bat mich die Frage zu lesen. Was ich tat. Allerdings versteht er kein Deutsch... Dann fragte er mich was ich meinen wuerde, was die Antwort sei. Es wahr ledigleich eine Wahr-Falsch-Antwort. 50% Chance... Tommy beobachtete das Szenario beunruhigend von weiter weg, wie ich mit Gary auf der letzten Bank hocke und ueber Pruefungsantworten diskutiere. Ich antworte Gary, dass ich denke, dass die Antwort wahr ist. Sofort hoere ich ein baeriges "na dann schreib doch 'wahr' hin!" von ihm. Ok.... denke ich mir unsicher und gebe ihm den Test. Oh Gott. Er geht direkt neben mir ueber die Antworten und sieht sich alles genau an. Dann notiert er eine Zahl ueber den Test: 80%!!!!!! WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!! BESTANDEN!!!! Zu allem Ueberfluss zeigte ermir danach noch meine Theorieergebnisse: 2 Kapitel mit 100%!!!, 2 mit 85 und 95 und eines mit 75%!!! Gary steht auf - ich auch - er gibt mir die Hand und sagt, dass ich einfach mehr Selbstvertrauen haben muesste und geht grinsend weg... ich stehe da und rufe "Ï am too old for such a stress!!!"Er lacht "You too old?? You are still a baby!". Ich bin so fertig mit den Nerven, wie schon ganz lange nicht mehr, stehe da mit butterweichen Knien...mir kommen die Traenen und ploetzlich finde ich mich in Tommys Armen wieder, der zu mir gelaufen kam und mich erleichtert und gluecklich fest drueckt und mich gar nicht mehr loslaesst! Ich fange in diesem Moment fast an zu heulen!!! Die Erleichterung, der abfallende Stress, das sich einstellende Bewusstsein, die IE weitermachen zu koennen und die Tauchlehrerpruefung nun bestehen zu koennen und die stuetzende Geste meines IDC Mentors in dieser Minute, dem ich meine Teilnahme, meine Vorbereitung und meinen gesamten so toll verlaufenden Bonaire-Aufenthalt zu verdanken habe, oeffnen mein Herz bis zum Anschlag!!! Uebergluecklich wanke ich durch den Raum, packe meine Sachen, rede noch irgendwas mit den Beiden, woran ich mich nicht mehr erinnere und gehe langsam nach draussen. Niemand von unserer Truppe ist zu sehen. Ich war die letze...