Monday, June 11, 2012

Reisen & Apnoetauchen - eine Reise ins Innerste I


Rückblickend fügen sich heute mehrere Ereignisse wie Puzzleteile zu einem schlüssigen Bild zusammen. Begonnen mit den in der Vergangenheit gescheiterten Anfragen in Dahab nach einem AIDA Instructorkurs aus Termingründen. Ähnliche und absurdere Absagen für den SSI-Instructor-Kurs in Berlin (den ich als SSI-Ablehner ehrlich gesagt nicht wirklich machen wollte), die mich schon zweifeln ließen, welcher Wurm sich nun wieder durch mein Leben schlängelt. Ich ärgerte mich inzwischen auch, dass ich meinen Kursplatz bei Andreas für den AIDA Instructor am Bodensee in 2011 abgesagt hatte. Aber dafür gab es damals wohl gute Gründe. Ich war vorerst nach Mexiko gegangen und 8 Monate später zurückgekommen, obwohl ich nicht wirklich wusste, warum tatsächlich... da es eine sehr schöne Zeit war.

Diese Rückkehr im April geschah irgendwie aus dem Bauch und persönlichen/familiären Gründen heraus - aber irgendwie ohne rechtes Ziel vor Augen. Sicher ließ mich der 80ste Geburtstag meines Vaters nach Deutschland kommen. Ist ja klar! Aber auch aus besonderem Grund. Geplant für meine "Rückreise" hatte ich max 4 Monate oder kürzer. Um den Kulturschock und die finanziellen Verluste klein zu halten, füllte ich also meinen Kalender mit Aktivitäten und Aufträgen. Diese Zeit sollte ja auch einen Sinn haben. Dass mich dieser Sinn von aufsuchen würde, sollte ich später erfahren....

Diese Rückkehr war anders als bisher. Berlin fühlte sich nicht mehr als mein Zuhause an, wie in den vergangenen 19 Jahren. Sie war ein weiteres, seltsames Puzzleteil des Ganzen. 

Im Zuge meiner Terminplanung für den Sommer in Deutschland klopfte ich nun wieder bei Werner an, um mich nach Terminen für den AIDA Instructor Kurs bei Andreas zu erkundigen. Diesen Sommer wollte ich diesen definitiv absolvieren. Es fühlte sich richtig an und war an der Zeit. Als ich auch da für eine Weile kein Termine erhielt, kontaktierte ich Andreas Falkenroth vom Apnea College einfach direkt und bekam prompt eine positive Antwort! Das stimmte mich erleichtert - nach meiner eigenen nur halben Zusage und doch wieder unschönen Absage im letzten Jahr. In nur zwei emails stand der Ausbildungstermin vom 4.6.-10.6. fest! In Mexiko freuten sich nach dieser Information sofort einige Kollegen und Freunde, nach meiner geplanten Rückkehr im August oder Juli ihren ersten Kurs bei mir machen zu können. Soviel Zuspruch motivierte mich natürlich gleich doppelt.

In Berlin angekommen ging es Schlag auf Schlag. Gute Begegnungen mit neuen Themen und die besten Arbeitsangebote an den schönsten Orten unserer Erde prasselten wie ein warmer Sommerregen auf mich nieder. Ich fand mich in einem Auffangbecken von Möglichkeiten wieder und begann, die Puzzleteile weiter zu sortieren.

Irgendwann war es inzwischen soweit für meinen Flug nach Süddeutschland, um u.a. meinen Freitauchlehrerkurs zu beginnen. Etwas Zweifel diesen bestehen zu können, gehörten zum täglich Brot. Nicht der Umfang des Kurses oder so sehr die Inhalte bereiteten mir Sorge. Die bisherige Erfahrung, besonders um meine Tiefen kämpfen zu müssen, versetzten mich stets in eine Grundanspannung, die nun inzwischen physisch schmerzende Ausmaße annahmen. Für Magenanfällige wäre dabei sicher ein Geschwür herausgekommen. Für mich wuchs hingegen ein Stechen und Drücken in der Herzgegend. Eigentlich kenne ich mich damit schon seit mehr als 20 Jahren aus...doch diesmal ist es anders und verstärkt sich mit Kursbeginn zu bestimmten Momenten. Beruhigungsversuche halten entweder nur wenige Minuten oder Stunden an bzw. dringen gar nicht durch. Ein außergewöhnlich hoher Stress sucht mich vor Trainingsterminen im Bodensee heim.

Doch vorerst begann ja mein Kurs bei Andreas so außergewöhnlich herzlich und entspannt, dass ich gleich am ersten Tag sehr dankbar für meine Entscheidung war, den Kurs bei ihm zu machen. Linda und Lotta dagegen, die ursprünglich in Dahab meine Alternative gewesen wären, sind das glatte Gegenteil in ihren Kursen. Dort regiert ein strenges unentspanntes Regiment. Für mich nicht die richtige Atmosphäre.

Was für ein großartiger Freediving - Kurs!

Und es kam noch besser. Andreas begann seinen Unterricht mit Gesprächen über seinen Hintergrund und erklärte seinen abweichenden Ansatz, Freitauchern wesentliches Wissen über Atmung und Yoga lehren zu wollen, weil er dies für außerordentlich wichtig erachtet. Ich wusste sofort, was er meinte und öffnete meine skeptischen Anfangsschranken sofort! Hier war ich perfekt richtig! Kein Freedive Dahab würde mir diesen Ansatz bieten und darüber hinaus noch eine solche unvergleichlich schöne und unabdingbar entspannende Kursatmosphäre. Ich fühlte mich sofort sauwohl bei Andreas und lies mich bereitwillig in sein Kurskonzept fallen. Sein vielseitiger Ausbildungshintergrund, seine persönliche Sichtweise auf die Durchführung des gesamten Programms sowie vorallem seine ganz eigene angenehme Art, seine Überzeugung neben den Inhalten und seine umfangreiche Erfahrung und nicht zuletzt seine unendliche Ruhe und Entspanntheit in der Lehre überzeugten dann MICH von dem richtigen Kursort Bodensee mit dem richtigen Instructor Trainer. Mein Vertrauen war hergestellt.

Wednesday, June 06, 2012

Instructorkurs für Apnoetauchen und Freunde treffen

Mit einem kurzen Airberlin-Flug gen München und einer 2higen Bahnfahrt bis Übersee erreichte ich Biggi, meine lustige Freundin seit Bonaire-Zeiten, um mir Ihr das Wochenende zu verbringen. Lange war das letzte Treffen her und ich erholte mich sofort in ihrer Gesellschaft nach dieser grauen frustrierenden Berlinzeit. Die Stimmungsaufhellung war mir sehr willkommen, da ich am Montag meinen Kurs für den Freediving Instructor beginnen sollte. Da brauchte ich meine Konzentration und meine übliche gute Laune. Na, da war der Besuch bei Biggi doch die perfekte Vorbereitung! Fröhlich tuckerten wir durch die Postkartenlandschaft bis Berchtesgaden herum und schafften es sogar, ihr aus dem Tierheim ein kleines Kätzchen zu beschaffen, das ein sehr schönes Zuhause auf dem Land bei ihr haben würde. Dort betonte man uns gegenüber, dass es nur kleine Kater aus diesem Wurf zur Verfügung gäbe. Was uns dazu veranlasste, über passende Jungennamen für den kleinsten und niedlichsten Tiger aus der Bande zu suchen. Später sollte ich erfahren, dass der kleine Kater eine Katze war und nun den Namen Lotti bekommen hatte! Tierheimpersonal: Ihr solltet schon mal lernen, den Unterschied zwischen Kater und Katze festzustellen.... Nun denn, Biggi war dies umso mehr recht und genießt nun die kleine Gesellschaft, die sich wohl bisher sehr gut benimmt und keine wilden Kratzanfälle zu Tage treten lässt....toi, toi, toi!

Am Sonntag fuhren wir gemeinsam nach München, um unseren lieben Kitsurffreund Jörg zum Frühstück zu treffen. Jörg ist immer ein Treffen wert, da er zu einer seltenen Kategorie "netter, hilfsbereiter, sozialer, lieber und doch sportlicher, ansehnlicher Mann" gehört. Er ist eine gute Gesellschaft und wir mochten ihn schon seit El Goune, Ägypten, wo wir ihn kennengelernt hatten. Damals gab ich ihm ein Zimmer meiner 3-Zimmer-TV-Sendungswohnung ab und wir vereinbarten nun gegenseitige Wohnmöglichkeiten in München oder Berlin. Nach 2h stand seine Entscheidung fest, doch zum Kiten an den Ammersee zu fahren und Biggi und ich machten uns zum Bahnhof auf. Bis 20 Uhr sollte ich immerhin noch in Lindau am Bodensee im Hotel einchecken, um dort am Montag meinen Instructorkurs bei Andreas Falkenroth zu beginnen. Ich freute mich schon die ganze Zeit darauf. So ging alles Schlag auf Schlag. Schnell parken, im Bahnhof noch Reiseproviant besorgen, zum Zug laufen, Platz finden und los gings schon. Laute Studenten nervten im Abteil die ersten 2h, noch lautere total betrunkene Bayern auf Männersauftour für die letzte Stunde bis Lindau machten die Fahrt kaum erträglicher. Ich erinnerte mich an Bayerns Wahlspruch, dass Bier hier als Nahrungsmittel gehandelt wird und nicht als alkoholisches Getränk. Die Dunkelziffer an Alkoholikern dürfte somit nicht geringer sein als anderswo.

In Lindau angekommen, enpfing mich der Bodensee unter einer dicken Wolkendecke mit prasselndem Regen und Temperaturen, die mich nicht vorstellen ließen, in ihm tauchen zu können. Schon gar nicht Apnoe! Aber darüber wollte ich noch gar nicht nachdenken und machte mich mit dem Bus in mein Garni Hotel auf.

Wednesday, May 23, 2012

Mission Meer und dann los...

Eine Schande für Deutschland ist ja nun die jüngste Aktion unseres grandios gehorsamen und am liebsten alle Regeln befolgendes Land, den weltweit bekannten Meeresschützer und Gründer von Sea Shepherd, Paul Watson, in Frankfurt verhaftet zu haben, um dem internationalen Haftbefehl aus Costa Rica zu folgen. Um gegen diese Verhaftung und die mögliche Auslieferung und für die sofortige Freilassung Watsons zu kämpfen, konnte ich heute einer Protestaktion in Berlin teilnehmen, zu der bei facebook aufgerufen worden war.


Relativ kurzfristig rauften sich also im Netz zahlreiche Anhänger und Meeresschützer aufgrund des geplanten Empfangs von Regierungsvertretern aus Costa Rica beim deutschen Bundespräsidenten zusammen und beschlossen, heute am 23. Mai 2012 ca. 300m vom Schloss Bellevue ihren Unmut auszudrücken. Tatsächlich wurden es so ca. 300 Personen. Begleitet war die Aktion natürlich von der Berliner Polizei, die die Gruppe strikt im erlaubten geografischen Rahmen hielt. Nun ja, was soll man sagen... Alles verlief absolut friedlich ab. Zu hören waren nur Rufe, Pfiffe und Gegenbebrüll als die Limousinenkolonne über den Kreisel zum Schloss rollte. Danach folgte eine Rede von Paul Watson, der seit 2 Tagen auf freiem Fuss ist und sich aber 2x pro Tag in Frankfurt bei der Polizei melden muss. Irgendwie schämen sich alle für Deutschland, dass diese Situation ermöglicht! Doch Paul winkt etwas ab und erzählt, dass sowohl die Polizei als auch die Richterin sich für seine Festsetzung entschuldigt haben und nur den Gesetzen folgen müssen... da haben wir es wieder! Wieso ignoriert der Rest der Welt den internationalen Haftbefehl - nur Deutschland nicht?

Als Watson noch erzählt, dass die Gefängniswärter sich haben mit ihm fotografieren lassen und sich Autogramme haben geben lassen, ist das Gelächter groß und Erleichterung macht sich breit. Das versöhnt doch wieder um einiges. Paul Watson ist hoffnungsfroh, was das Verfahren, die Arbeit von Sea Shepherd und die Rettung der Meere angeht. Ich finde seinen Optimismus erstaunlich - vor dem Hintergrund der Bestandsdezimierung in den Weltmeeren. Toller Typ, sympathisch, kein Guru, ganz sachlich, bodenständig und zielfokussiert! Seine Rede in Teilen hier:






Tuesday, May 15, 2012

Mission Deutschland … und dann weiter...


Manchmal regelt die Zeit alle offenen Fragen für Dich. Meist reicht es auch, einfach Dir selbst zuzuhören. Eines Tages weißt Du dann wohin es gehen wird. In meinem Fall hat es sich inzwischen schlicht von allein manifestiert, dass ich nach meiner Rückreise von Mexiko nur eine bestimmte Zeit in Deutschland verbringen und dann wieder zurück ans warme Meer reisen werde. Die Fragen waren bis dato noch, ob tatsächlich und wohin tatsächlich. Grob angedacht war Mexiko zwecks Freelancer-Arbeit und Vertiefung meiner Tauchkenntnisse durch weitere Kurse im Bereich Tec & Cave. Als Zeitraum für Deutschland hatte ich mich selbst von 4 Monaten auf 3 – 2,5 Monate eingeschränkt. Es erschien mir undenkbar, so lange in Deutschland verbringen zu können. Und tatsächlich gehört Heim-/bzw. Fernweh – wie man es nimmt – zu meinem täglich Brot. Heimweh zum Meer ist es definitiv. Auch Heimweh nach meiner Welt zu Menschen, die meine Leidenschaft für das Meer teilen und den gleichen oder individuell ähnliche Wege gehen, ist es ebenfalls. Auch Fernweh nach neuen Tauchplätzen, Ländern und Orten, an denen man vielleicht bleiben möchte, sowie Lust auf neue Kulturen und Begegnungen ist Teil der Reise. Es ist das Heimweh nach dem Reisen.

Trotz einer schönen Zeit in Berlin oder vielleicht auch wegen dieser schönen Zeit in Berlin, in der ich bisher eben auch - nicht ausschließlich - diese Menschen getroffen habe, die ebenso denken und leben wie ich, fühlt sich mein Standort Hauptstadt erstmal nicht mehr gut und richtig an. Ich fühle mich deplatziert - nicht mehr im richtigen Umfeld. Das ist eine wunderbare Erkenntnis. Denn diese erlöst mich von dem jahrelangen schizophrenen Kampf mich für eine Welt entscheiden zu müssen und nicht zu können. Dieser Kampf scheint nun von allein beigelegt zu sein. Auch nach mehr als 3 Wochen in Berlin weiß ich: es ist vorbei. Deutschland ist vorbei. Für diese aktuelle Zeit jedenfalls. Langfristige Prognosen gebe ich nicht ab - sollte man auf Reisen auch nie tun :-). Alles kann sich täglich sofort ändern. Erstmals nach meiner Rückkehr nach Berlin weiß ich jedoch sicher, ich will hier nicht mehr leben. Wie entspannend....

Das bringt mich aber auch direkt zur aktuellen Lage, in der ich mich akut befinde. Während der bisher schwierigsten Momente mit meiner Familie in Norddeutschland – in denen ich mich ununterbrochen frage, ob ich meine Richtung jetzt doch gen Heimat ändern sollte, um eventuellen Notfällen möglichst nah zu sein bzw. sämtliche Entwicklungen durch meine Anwesenheit positiv zu beeinflussen – erreichen mich gleich mehrere großartige, wenn nicht sogar die besten, Arbeitsangebote als Tauchlehrer für die schönsten Plätze dieser Erde, die man sich wünschen kann! Dabei steht Mexiko als Standort ganz hinten an. Vorn dagegen lag Palau ab Juni – was ich aus aktuellem Anlass abgesagt habe bzw. glücklicherweise auf später verschieben konnte – außerdem Fidschi ab November/Dezember oder andere Südseeziele, Indonesien, Indischer Ozean und andere Südostasienregionen – diese komplett auf einer Segelyachtflotte für Tauchsafaris. Kann es genialeres geben? Erstmal nicht. Parallel habe ich meinen Mexikoplan schon seit einiger Zeit fertig. Familiäre Rückschläge könnten diese Möglichkeiten jedoch zunichte machen, denn wie könnte man in einer solch schweren Situation 1. einen solchen Job machen und 2. nicht im Kreis der Familie verbringen wollten. Doch diese Überlegungen sind momentan nicht akut - jedoch on demand....

Nun, jedoch wenn Murphy zuschlägt, holt er richtig aus!

Einen Tag nach Ankunft in Norddeutschland bei meinen Eltern erhalte ich die langersehnte email meiner favorisierten Malediveninsel, auf der ich schon seit einer Weile arbeiten sollte – es hatte zeitlich und organisatorisch bisher nicht geklappt. Einen weiteren Tag später flattert mir das Interesse einer zweiten Malediveninsel in den virtuellen Briefkasten mit der Nachfrage nach meiner "Availability"! Es ist wie verhext. Mit beiden hatte ich nicht wirklich gerechnet – dennoch war ich immer dran geblieben, hatte innerlich aber komplett losgelassen. Wie es eben so ist. Was also tun, wenn alles aufeinmal auf Dich zurollt?? Als erstes meine Maledivenhauptkontaktin Larissa kontaktiert, um die freudige Nachricht loszuwerden.

Nun sitze ich also, hole Infos ein, wäge ab, überlege, ob mehrere Optionen hintereinander möglich wären bzw. neu zu organisieren wäre, vergleiche Konditionen, um herauszufinden, welche die beste Möglichkeit ist bzw. um keine nachteiligen Konsequenzen zu verursachen. Da gilt es schon, einiges abzuwägen. Man möchte sich in der Community auf jeden Fall als zuverlässige Angefragte präsentieren, die Zugesagtes einhält. Doch so richtig fest zugesagt ist bisher auf allen Seiten noch nichts wirklich. Lediglich die Wünsche, die Jobs gern machen zu wollen, um nun Details zu verhandeln. Spannend wird es demnach die nächsten Tage. Welche Destination steht wohl am Ende als nächstes auf dem Reiseplan...?

Tuesday, April 24, 2012

Berlin - kalt, roh und im Laufschritt - und dann noch Apnoe!

Tag 3 in Berlin und meine Stimmung pendelt zwischen sentimentaler Heimweh, über deprimierte Resignation bis hin zu sachlich orientierter Alles-schnell-Erledigen-und-weg-Stimmung. Berlin will mir nicht mehr ans Herz wachsen. Roh und kalt zeigt es sich mir von der gleichgültigen Schulter. Nicht bösartig oder abschreckend. So wie immer und ich nehme es erst jetzt als 19jährige Berlinbewohnerin wahr. Weg ist der Reiz der unentdeckten, nie endend wollenden Großstadtflairmystik. Die Straßenzüge, Häuserburgen sowie Busse und Bahnen wirken eher abschreckend und belastend auf mich - ganz natürlich eigentlich - und verursachen Stress und den Wunsch zur Landflucht in mir. Der Berliner im Frühling allerdings agiert erstaunlich entspannt, ist aber meilenweit von der mexikanischen Fröhlichkeit und Unbefangenheit entfernt - Lichtjahre der Unwissenheit.

So konzentriere ich mich auf das reine Erledigen aller Aktionen, die jetzt dringend und sowieso anfallen und behalte mein angepeiltes Abflugdatum im Hinterkopf. Playa wartet zum Glück auf mich, denn ich habe dann etwas im Gepäck, woran viele dort interessiert sind: mein Apnoe-Tauchlehrer-Brevet! Neben Tauchlehrern plane ich ab dann, auch Apnoetauchen zu unterrichten - für Taucher, für Surfer, Kajakfahrer und andere Wassersportler oder Ambitionierte. Es tun sich noch viele Möglichkeiten auf und ich freue mich auf weitere aufregende Abenteuer im karibischen Meer und den Cenoten von Yucatan! Daher geht es los im Juni mit dem AIDA Kurs am Bodensee! Mehrere Treffen mit verschiedenen Freunden aus Süddeutschland finden bei der Gelegenheit auch gleich statt. Neben einer lieben Besucherin aus der Schweiz, die ich von den Malediven her kenne oder meiner lieben Bergziege Biggi, dich ich seit meiner Zeit auf Bonaire kenne, treffe ich ein Laura und Christian, mit denen ich 2008 von Grenada, durch die Grendinen an St. Vincent, St. Lucia und Martinique vorbei bis Dominica gesegelt bin! Wie schön, dass wir uns endlich treffen können und sogar schon einen kleinen Segelausflug auf dem Bodensee im Visier haben!! Und wieder sehr schöne Ziele vor Augen! :-)

Thursday, April 19, 2012

Das war Mexico

Gepackt, aufgeräumt und verabschiedet endet mein 8monatiger Aufenthalt in Playa del Carmen, Mexico, und Umgebung. Dass es ein komisches Gefühl ist, plötzlich in meine alte Welt zu fliegen - in ca. 13,5 h, um genau zu sein - versteht sich vielleicht von selbst. Weil die nächsten Wochen eher von Kälte, Stadtlärm und Grau-in-Grau geprägt sein werden, hatte ich mir heute noch ein letztes Mal Strand und Meer gegönnt. Mit Kamera, Maske und Apnoeflossen konnte ich ca. 500m vom Strand entfernt nochmal zu den Doktoren und Triggern hinuntertauchen und das warme Nass genießen, an das ich mich hier so gewöhnt habe. Ein Wetterumschwung bereitete dem jedoch ein baldiges Ende, was mich wieder in die Wohnung zum Fertigpacken trieb. Das wechselhafte Regenwetter kommt mir derzeit entgegen und erleichtert die Abreise ein wenig.

Auch die vorherigen Tage vergingen nicht ohne tägliche Strandbesuche zum Schwimmen und Bummeln in Playa. So lässt sich noch etwas von der unkomplizierten und entspannten Atmosphäre hier aufsaugen, die mich hoffentlich über die nächste Zeit in Berlin rettet. Ein schöner Abschluss war doch noch die Beachbar-Party mit fast allen Bekannten und Freunden. Fast 40 Personen kamen zusammen, um nochmal in alter gewohnter Runde einige Cervezas zu stämmen und sich upzudaten, was man so in Zukunft plant und vorallem wo. Wir 5 Gastgeber verlassen zuerst Playa - eine ist schon wieder in Australien, die nächste bin ich morgen, die folgende ist Emilia auf dem Rückweg nach Argentinien und danach reisen Marijke und Remco zurück nach Curacao, was ja nicht weit von hier ist. Eine schöne Zeit zusammen begossen wir also am Strand und schworen, uns an diversen Orten wieder zu treffen, um zusammen tauchen zu gehen.

Schön war Louis Kommentar - von unserem frischen Franzosen - der in der großen Runde kommentierte, was für eine tolle Gemeinschaft wir seien und dass wir doch alle gleich seien! Als Instructors einfach den heimischen Konventionen den Rücken gekehrt zu haben und in andere Länder gegangen zu sein, um dort das zu tun, was wir lieben, mache uns gleich und großartig! In einem hat er bestimmt recht: das, was wir tun, macht uns irgendwie gleich. Wir sind eine Community - unabhängig von Herkunft, Alter, Vorgeschichte oder sonstigem. Diese Welt haben wir einfach gemeinsam - egal wohin wir gehen und sie leben. Dies ist ein Stück Zuhause.

Friday, April 13, 2012

Freitag der 13. - Standortbestimmung

Die vergangenen Wochen waren gekennzeichnet von einigen kläglichen Versuchen, endlich Urlaub zu machen und mir eine Auszeit zu können. Aber wovon? Von 7 Monaten zwar meist sehr anstrengenden Arbeitstagen auf der Tauchbasis an wechselnden Standorten? Eigentlich schon, wenn man diese Arbeit als solche Arbeit betrachtet, von der man sich erholen möchte. Andererseits stelle ich fest, dass diese Arbeit meine Leidenschaft war und ich mich seit der Beendigun eher wieder zurück vor den Computer zwingen muss, um meiner Online-Arbeit nachzugehen. Dies erscheint mir wesentlich anstrengender als den Tag mit Gästen - die auch nerven, aber oft auch ganz lieb sind - im Meer zu verbringen und das zu tun, was ich so liebe: Tauchen, TAUCHEN, T A U C H E N ! ! !

Die Wailers - als ob Bob Marley vor uns steht!

Dennoch, es hilft nichts. Ich gestalte meine Tage gemischt. Strand, Hängematte, Computer, Ausflüge mit dem Mietwagen und Planung für meine Rückkehr. Irgendwie schiebe ich derzeit wieder 4 Projekte gleichzeitig über das www an und finde doch noch Zeit zum Nichtstun, am Strand liegen, Lesen oder Kuscheln. Denn meine Zeit verbringe ich derzeit auch mit Hector - der einem venezuelanischen Abbild aus einer Neuauflage der Gilettewerbung gleicht - nach seinem Feierabend und an seinen freien Tagen. Bei der Zeit, die mir seit dem 31.3. frei einteilbar zu Füßen liegt, ist auch schon die eine oder andere Party drin - so auch am
7.4.2012 am Strand von Playa del Carmen Senor Frogs!

Die legendären Wailers spielen um 9pm live am Strand und lassen bis nach Mitternacht selbst die letzten Sandflöhe Luftsprunge erleben. Die Wailers waren einst eins mit Bob Marley und werden jetzt durch dessen Sohn Kevin repräsentiert. Dieser Abend wird unvergesslich! Die Musik ist der Knaller - einzigartig cool, fröhlich, durchdringend bis zur Gänsehaut - als ob Bob Marley vor uns stehen würde. Umgeben bin ich von Freunden - es sind Freundschaften, die sich hier mit der Zeit entwickelt haben - und treffe Hector auf dem Konzert, der die Bühne vor eifrigen Fans abschirmt. On Top kommt natürlich auch noch, dass der Mond voll scheint und das Meer kitschig herüberglitzert. Und wieder frage ich mich zum Hundertsten Mal: warum habe ich nun tatsächlich diesen Flug nach nach Berlin gebucht...?! Die Antwort mittlerweile ist klar: zum Aufräumen der Unklarheiten und zur Bestätigung, dass ich mich richtig für meine Rückkehr entscheide.




Die Spuren der Maya entdecken, versteckte Buchten finden und immer MEER, MEER, MEER

In den nächsten Tagen finde ich mich wieder in der Mischform meiner Existenz wieder und beschränke meine Ausfahrten mit dem Wagen auf naheliegende an einem Tag abfahrbare Ziele. So geht es nach Chichen Itza und Valladolid und nach Majahual und Xcalac am äußersten Zipfel Mexikos, an dem man nach Belize spucken könnte. Nach Xpuha verbringen wir einen Tag am Strand - einen Sandwurf von meinem ehemaligen Arbeitsplatz Royal Tulum entfernt - der in einer außerordentlich schönen Bucht liegt, die ein ansehnliches Riff sowie einen spektakulären weißen Sandstrand bietet.


Vor einiger Zeit bin ich dort noch täglich arbeiten gegangen. Jetzt kann ich endlich das Urlaubsfeeling genießen und einfach das machen, was ich möchte an einem solchen schönen Strand. Natürlich schwimme ich zum Riff raus und tauche dort einige Male ab, um Kleintiere, Langusten und andere Schätze in den Korallenhöhlen zu suchen. Nur wenige 7-9 Meter geht es runter bis zum Sandboden auf dem sich die Bewuchsformationen türmen und eine recht intakte Korallenlandschaft zur Schau stellen. Um dorthin zu gelangen, sind jedoch ersteinmal 20min schwimmend vom Strand zu überbrücken. Kein Problem - schwimmen gehört zu meinen entspannendsten Lieblingstätigkeiten.

Ein besonderes kleines Highlight war der Ausflug mit dem Hotelkatamaran, den mein ehemaliger Kollege Marquitos täglich mit Hotelgästen durch die Wellen steuert. Alexa hatte uns einfach auf die Liste gesetzt, obwohl wir gar nicht zu den Hotelgästen gehörten. Es geht nichts über gute Beziehungen! In der Vergangenheit bin ich nach Feierabend mit einem Kollegen zusammen auch schon Tauchen gegangen von diesem Katamaran aus - mit Gerät diesmal. Unser Guide hat uns draußen wieder rausgefischt und in der Zwischenzeit sein Fischerglück versucht. 

Ein anderer Tag führte mich allein bis an die geografische Grenze von Mexico und ermöglichte mir einen kurzen Blick auf Belize bzw. die Bäume und Mangroven, die auf der belizianischen Seite stehen. Hinter Xcalak gibt es nichts mehr an der Küstenschotterpiste - denkste. Plötzlich stehe ich im Vorgarten von mayastämmigen Dschungel-strandbewohnern, die sich sichtlich über meinen Besuch freuen! Der hübsche Sohn der Familie zeigte sich gleich besonders interessiert an meiner Anwesenheit.... Doch ich wollte ja nur wissen, ob ich immer noch auf der mexikanischen Seite fahre oder schon unwissentlich die Grenze übertreten hatte. Natürlich waren wir noch in Mexico, aber der Ort war nicht mehr auf der Karte eingezeichnet. Es befanden sich auch nur einige Häuser am diesem Strand. Als Ort konnte man das ganze nicht bezeichnen. Es lebt sich dort sehr ruhig und ich fragte mich, ob ich das auf Dauer ertragen könnte. Aber soweit sollte es ja nun nicht kommen. Ich wollte nur bis zum Ende der Straße fahren und dann wieder umkehren. Also fand ich bei der Familie heraus, wie das Straßenende aussehen sollte - 5km noch, sagten sie. Es waren ca.15. Aber wen interessiert das schon :-).

 Ich brauchte noch eine weitere halbe Stunde bis zum Ende des Landes auf dieser schmalen Landzunge Richtung Süden. Auf dem Weg dorthin begegnete mir irgendwann fast niemand mehr, außer vielleicht mal ein Pickup mit Fischern auf dem Weg nachhause. Auch an einsamen Häusern am Strand, die zum Verkauf standen, kam ich ab und zu vorbei. Doch irgendwann wurden diese immer weniger und wurden durch verfallene Häuser oder Bauruinen abgelöst. Die Sonne neigte sich längst zur oberen Baumkante des Dschungels, so dass ich schon befürchtete, nicht mehr im Hellen anzukommen. Doch dann sah ich es: das Ende der Straße! Erleichtert fuhr ich darauf zu und stoppte schon wieder im Prinzip in einem Garten eines Hauses - na zumindest könnte man denken, dass ich auf einem fremden Grundstück stand. 3 kläffende Hunde kündigten meine Ankunft an und ich bereitete mich auf ein freundliches Hallo für die Hausbewohner vor. Doch die nahmen gar keine Notiz von mir. Waren wohl gewohnt, dass Touristen plötzlich in diese Bucht kamen. Ich machte 3 Fotos, kuschelte kurz mit den Vierbeiner und verschwand wieder ganz schnell in die Richtung, aus der ich gekommen war. In der gleichen Nach gegen 22.30 war ich wieder in Playa in meiner Wohnung!