Monday, June 06, 2011

Segeln soll Spaß machen und keine Militärveranstaltung sein

Anna und ich bezogen also die Bugkabine, die uns ausreichen Platz bot für uns, den Krempel und außerdem recht gemütlich aussah. Leider war unser Glück besonders durch die niedrigen Temperaturen dort vorn in der größten Kabine getrübt. Nachts fror ich trotz vollständiger Bekleidung und Schlafsack! Für mein Geschmack einen Zacken zu scharf. Die Männer konnten sich nicht beklagen. Ihre Kabinen warn klein und warm. 2 lagen direkt neben dem Motorraum. Ha! Kunststück. Natürlich zogen sie uns als Memmen auf - wie echte Machos nunmal unter mangelnder Intelligenz leiden. Hätte sich einer einmal die Mühe gemacht, die Kabinensituationen genauer zu inspizieren, wäre er schnell dahinter gekommen, dass uns zurecht kalt war. Niemand bot an, Kabinen zu tauschen! Diese Frechheit kam hinzu. Die Krönung jedoch war, dass der fettleibigste Passagier noch damit prahlte, eigentlich nur zu schwitzen und keinen Schlafsack zu benötigen, den er noch nachgekauft hatte, und uns verstärkt als Memmen abstempelte.

Ich glaube, Anna und mir lag ständig auf der Zunge, was eigentlich zu so jemanden gesagt werden müsste. Aber wir konnten uns ja benehmen.... Auf Anfrage, ob der "beleibte Herr" nicht den neuen dicken Schlafsack gegen den alten dünnen, der der meinige war, austauschen würde wollen, kam ein eiskaltes Nein! Diese Team orientierte Reaktion hob die Stimmung weiter enorm. Dieser Kerl war nicht ohne Grund in der DDR bei den Grenzern an der Schussanlage beschäftigt...!!! Nich ohne Grund fuhr er lieber Motorboot als Segelboot. Wie sollte so jemand auch jemals ein Segelboot mit einem Team zusammen lenken wollen und können? Vollkommen fehl am Platze, fiel mir dazu nur ein. Das war Heini I.

Heini II zeichnete sich durch einen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex aus, trank gern zuviel und heimlich abends und war es gleichgültig, wie es seiner verunfallten Frau ging. Auch interessant! Als Segelteammitglied reagierte er unsicher, gleichgültig bis genervt und war eigentlich auch nur zum Geschirrwaschen zu gebrauchen. Diese Arbeit machte aber bei 4en die Runde. Nur der Skipper hielt sich vornehm von der Arbeit an Bord fern.

Womit ich bei Heini III angelangt bin. Der Skipper mit  Vornahmen A........ tat Wunder, wie toll und erfahren er war und alles konnte. Das Gegenteil bewies er des öfteren auf dem Törn. Besonders hervorzuheben war sein ausgeprägtes Wissen über die 46 Fuß Bavaria, bei der man tunlichst die Seeventile in den Naßräumen während der Fahrt durchs Wasser schließen sollte. Hätte der Skipper uns nicht sogar verboten (!!!!), diese zu schließen, hätten Anna und ich keinen Wassereinbruch in der Bugkabine gehabt, der alle ihre Sachen durchnässte und Teile meiner sowie unsere Matratzen unbenutzbar machten. Das war schon eine bemerkenswerte Leistung von Heini III. Mann kann sich unserer Freude vorstellen, gerade bei dem Gedanken an die Qualität unseres Nachtquartiers. Eigentlich hätten wir uns auch einfrieren lassen können.

Die Matratzen konnten abends bis morgens in der Sonne trocknen, während wir auf den übriggebliebenen Matratzenteilen schliefen, die in den anderen Kabinen die Umrandungen umgaben. Die Herren boten und immer noch keinen Tausch an!!! 3 Kerle hatten Einzelkabinen und wir 2 Frauen schliefen in einem klammen Kühlschrank auf Matratzenteilen für 1 Person mit Besucherritzen ab 30cm Breite. Hervorragend! Soziale Kompetenz waren für alle 3 ein Fremdwort. Egoismus und Unverschämtheit haben sie dagegen in einem Begriffentwicklungswettbewerb erfunden.

Am nächsten Morgen verweigerten Anna und ich diese Situation und brachten den Skipper dazu zu tauschen. Murrend zog er vorn und wir hinten ein. Sofort wurde uns warm! Natürlich konnte man dahinten nicht verstehen, warum wir vorn so froren. Hier herrschtenmindestens 5-7 Grad mehr. Man konnte fast von 18°-20° sprechen. Vorn waren allerhöchstens 15 oder 12° - je nach Außentemperatur.

So und mit unzähligen dieser unerträglichen Beispiel nahm der Törn seinen Lauf. Mein Unwohlsein stieg und ich bereute schon lange, mitgekommen zu sein. Obwohl es mir großen Spaß machte, am Ruder zu sein. Doch mit solchen Menschen wollte ich privat wie ggf. beruflich nichts zu tun haben. Die waren komplett falsch an Bord. Auch der Skipper hatte keinen Schimmer, was es bedeutete, Skipper zu sein.

Zurück in Sonderborg lief das Fass über! Beim Anlegemanöver im Paket pöbelte uns der Skipper nacheinander in unglaublicher Gossensprache an und beleidigte mich mit einem Schimpfwort, das nie geht. Gar nicht. Anna und ich als Frauen mit Gehirn waren seine auserkorenen Opfer. Die mussten gedeckelt werden, ganz klar. Denn wir hatten längst erkannt, wie schlecht seine Leistungen und wie gering sein Wissen war. Die Kerle wussten ja gar nichts, was Stefan sicher machte. Doch wir durchschauten diesen frauenfeindlichen Nichtskönner und totkranken Psychopathen schnell. An ihm gab es fast nichts angenehmes mehr und ich fragte mich andauernd wie man so jemanden auf Törn schicken kann. Aber seine Arbeitgeber sind inzwischen schlauer und schicken ihn nicht mehr.






Sunday, June 05, 2011

Ein Segeltörn oder was davon übrig blieb...


Eigentlich hätte man schon am Tag des Einchecken stutzig werden sollen - ist man auch...  In Flensburg bei Dings & Petersen sollten wir - 4 Gäste und 1 Skipper - mein Kollege bei der Sportbootschule aus Berlin - die Bavaria besteigen, die mit 8 Seglern besetzt werden sollte. 3 Gäste fehlten also aus verschiedenen Gründen.

Alles begann damit, dass der Skipper nichts geplant oder vorbereitet hätte und vor Ort keinen Organisationswillen demonstrierte. Anna und ich machten uns kurzerhand daran, die Einkaufsliste für die Lebensmittel zu schreiben, die der Skipper nicht nur hätte fertig, sondern auch schon durch rege Einkaufstätigkeit erledigt haben sollen. Mich wunderte das nicht und sah darüber hinweg. Während der Skipper nun die Bootsübergabe in Angriff nahm und wir sage und schreibe 1,5h auf Nachricht warteten, dass wir endlich an Bord gehen konnten, wurden wir immer unruhiger ob der langen Zeit, die die Übergabe in Anspruch zu nehmen schien.

Wieder übernahmen wir Mädels "das Ruder" und nahmen unser Gepäck. Schnurstracks gingen wir alle zum Boot, um uns danach in Einzugstrupp und Einkaufsbrigade unterteilen zu können. Es sollte schließlich einmal irgend etwas vorangehen hier!
Am Boot ankommend sahen wir unseren Skipper im lockeren Plausch mit den Bootsvercharterern! Toll - er macht sich 'nen Netten und wir warten uns graue Haare am Steg... und wieder wundert mich nichts...
Der Rest passiert ganz schnell. Ohne Gemurre wird die Bootsübergabe plötzlich beendet und 2 Gruppen bilden sich: Die Einkaufsbrigade, bestehend aus Anna und Thoralf (welcher Winkingergott seine Eltern bei der Namensvergabe geritten hat, blieb unserem Wissen unzugänglich) sowie mich und Stefan, unser Skipper und mein Kollege der Sportbootschule aus Berlin, die die Paketstücke an Bord hieften.
Das noch ausstehende Pärchen - Mitsegler Nr. 5 und 6 ließen weiter auf sich warten. Stefan und ich inspizierten die Kabinen und überlegten uns eine sinnvolle Verteilung und harmonieerzeugende Belegung. Natürlich hatten Anna und ich uns schon eine Doppelkabine reserviert. Nur aussuchen mussten wir sie noch. Eigentlich sollte es die Doppelstockkabine sein, da Anna nur mitschiffs nicht seekrank werden konnte, wenn wir nachts durch die Wellen schaukeln würden. Doch mein Blick hinein entfachte gleich ein leichtes aber nicht zu unterdrückendes Magendrücken. Die Kabine - für 2 ausgewachsene Zwerge - gebaut verfügte in Kubik mit Sicherheit über weniger als mein heimischer Kleiderschrank. Nun könnte man argumentieren, dass weibliche Kleiderschränke zu übergroßen Ausmaßen neigen würden, weil dies in der Natur ihrer Eigner läge.

Doch nein, dieser Kleiderschrank-Kabinenvergleich hinkte keinesfalls. Meine Kleider nehmen Platz in einem Raum von 2,80m mal 2,20 Höhe und 0,70 Tiefe ein. Das einzige was hier in der Natur seiner Eignerin liegt, sind größere Abmessung der Bekleidung aufgrund einer nichtübersehbaren Körperhöhe! Verglichen mit Carrie Bradshaw jedoch verfüge ich zuhause über einen Schuhkarton mit Klamotten und sollte nun zu zweit in einer Mitschiffs-streichholzschachtel der Marke "Welthölzer" schlafen und eine Überfahrt ins Nachbarland heil überstehen! Schon beim alleinstehen in diesem Nähkästchen bekam ich schon Atemnot und wollte das Dach aufreißen - und ich bin daran gewöhnt, die Luft beim Apnoetauchen anzuhalten. Doch auf Apnoeschlaftraumen aufgrund akuter Sauerstoffnot in jeder der folgenden 7 Nächte wollte ich mich einfach so richtig einlassen!

Im Augenwinkel stach mir die "Königssuite" ins Auge und ich taufte sie insgeheim in "Queenscastle" um. Hier würden nicht nur 2 Frauen Platz haben, sondern darüberhinaus sogar ihre bescheiden  befüllten Gepäckstücke. Die Betten waren ein Doppelbett, das umrandet mit kleinen Schubfächern und einem Schrank für Hängekleidung sowie mit unendlich viel Stauraum in der Bilge ausreichen Platz für 8h Atemluft zweier energetisch überdurchschnittlich geladenen Borddamen ließ.

Während ich unter Deck Gepäckstücke wahllos in die Kabinen verteilte, um Platz zum Durchlaufen im Salon zu schaffen, begann der Skipper am Kartentisch die Funktionen des Schiffs sowie unserer Seekarten zu studieren. Ich beschloss, mir eine faule Warterunde in der Hecksitzecke an Deck zu gönnen, um noch einige Feierabendsonnenstrahlen durch meine Poren aufzusaugen und Wärme zu tanken.

Inzwischen kommen alle wieder an Bord und auch die letzten Beiden - upps, nein nur einer der letzten Beiden fehlenden Bordgäste - erreichen unser Seegefährt. Somit werden wir nur 5 Passagiere sein - inkl. Skipper!! Ist das nun gut oder schlecht?

Für die Kabinenverteilung scheint es vorerst gut zu sein. Für die spätere Stimmung innerhalb der Crew sollte sich diese geringe Anzahl von Multiplikatorindividuen als unhomogene Gruppe hinderlich für einen neutralen, offenen toleranten Umgang miteinander erweisen. Je weniger Menschen auf engstem Raum über einen längeren Zeitraum hinweg sich einer gemeinsamen Aufgabe stellen, desto unterschiedlicher und polarisierender fallen Meinungen und Einstellungen aus wie ins Gewicht. Die Fahrt entwickelt sich zur Millieustudie. Die Situation entwickelt sich tag für tag in Richtung Höhepunkt und mit ihr nimmt die Atmosphäre proportional bis ins unterste Kellergeschoss ab.

Geprägt ist der Törn durch Verhaltensweisen 5 unterschiedlicher Charaktere, davon 3 Männer und 2 Frauen. Allen voran ist da der Skipper, der seiner Aufgabe zu begeistern, zu motivieren, zu führen, zu lehren, mizureißen, mit gutem Beispiel voranzugehen, großartig zu sein in seinem Fach und seiner sozialen Kompetenz mitnichten nachkommt. Dafür werden wir Gäste mit äußerstem Negativismus, Sarkasmus, Frauenfeindlichkeit,  verbalen Tonentgleisungen, Beschimpfungen und indiskutablem unsozialen Team störenden Verhalten durch den Skipper "beglückt". Damit paaren sich Unerfahrenheit, Ahnungslosigkeit, Unsportlichkeit durch massives Übergewicht sowie Bösartigkeit nach frei nach alter Stasimanier durch einen Gast an Bord - was im Lauf der Woche gut harmoniert mit dem Standardfrust des sich aufgegeben habenden Skipper. Parallel wird die Mischung gefärbt durch die Unerfahrenheit eines weiteren Gastes, der zudem aufgrund eines offensichtlichen Alkoholproblems dazu neigte, vorhandene Gemeinschaftsvorräte von Bier vorschnell zu bekämpfen oder weitere selbst erworbene Hopfengetränke in der eigenen Kajüte zu bunkern. Dies noch toppend zeichnete dieser Passagier sich durch einen herzerfrischenden, großen Minderwertigkeitskomplex aus, der für einige Lacher in der RUnde sorgte, was wiederum die Stimmung sporadisch aufhellte. Als Grabredenschreiber fand sich A. zum Beispiel gerade noch gut genug, an Bord nie niedersten Arbeiten übernehmen zu können und äußerte dies hilfsbereit und sehr überzeugend. Wen würde bei diesem nicht vorhandenen Selbstwertgefühl die Neigung zu einem derartigen, täglichen Bierkonsum noch wundern?

Mittendrin ist da noch Anna, die Jüngste an Bord und Ärztin von Beruf. Sie analysiert die Dinge auf dem Wasser stets messerscharf und scheut keine Konfrontation mit dem Skipper oder teilt schon mal gern die eine oder andere Spitze gegen die Schwächen der anderen aus. Schockiert ist sie über die Erklärung unseres Skippers unheilbar erkrankt zu sein und eigentlich keine Genehmigung von seinen Ärztinnen für diesen Törn bekommen zu haben! Ich stimme da voll zu. In einem Fall einer akuten Infektion mit heftigen Fieberschüben wären wir als unprofessionelle Segelcrew nicht in der Lage gewesen, das Boot und uns heil nachhause zu bringen. Eine grob fahrlässige Organisation seitens der Törnplanung - finden wir. Rechtlich wäre ein Unfall vor diesem Hintergrund wohl kaum zu verteidigen vor einer Versicherung oder anderen Institutionen. Ich frage mich im weiteren Verlauf des Törns über die Beweggründe der Sportschule, diesen kranken Skipper segeln zu lassen und habe von nun an immer 3 Fragezeichen im HInterkopf.


Segeltörn mit echter Bewegung auf allen Ebenen...

Was erwartet man von einem Segeltörn? Was erwartet man von einem Segeltörn auf der Ostsee? Was erwartet man von einem Segeltörn auf der Ostsee in der dänischen Südsee? Was erwartet man von einem Segeltörn auf der Ostsee in der dänischen Südsee, der als Ausbildungstörn verkauft wurde? Was erwartet man von einem Segeltörn auf der Ostsee in der dänischen Südsee, der als Ausbildungstörn verkauft wurde und eine Woche andauert?

Nun ja, vorab sollte man natürlich keinen Internet-Zugang auf einem Segeltörn erwarten. Schon gar keinen Internetzugang auf einem Ausbildungssegeltörn, der das Boot täglich woanders hinsegeln lässt. Auch sollte man keinen Internetzugang und realistische Gelegenheiten zum Internetten während eines Ausbildungstörn auf der Ostsee erwarten - schon gar nicht, wenn man nur eine Woche Zeit hat.

1. es ist kalt auf der Ostsee - denn es ist nicht die Südsee, sondern die dänische Südsee. Auch wenn es währenddessen in Berlin brüllend heiß ist, frieren die Süddänen bzw. die, die die Gegend besuchen resp. besegeln. 5 Schichten Kleidung plus Wind und Regenanzug schützen vor Durchfrostung bis auf die Knochen nicht. Jedenfalls Nomalfigürliche. So traf das nicht für jeden sich an Bord befindlichen zu, der körperbedingt an Bluthochdruck litt und sich in seinem kulinarischen Leben beste Chancen für einen baldigen Herzinfarkt "erarbeitet" hatte. Anyway - die dänische Südsee ist launisch. Es kann regnen und hageln. Vom Wind gar nicht erst zu reden.... Alles in allem ermattet das Wetter, die Anstrengung am Ruder und an den Segeln schnell am Tag, so dass man kohlehydratreichste Nahrungsmittel schier einzuatmen beginnt und das abendliche Schlafengehen nach dem Eessen meistangepeiltes Ziel ist. Zum Aufsuchen eines Internetcafés fehlt da jegliche Motivation. Das Bloggen verliert plötzlich vollkommen an Bedeutung zugunsten des Schlafbedürfnisses ;-).

2. Darüber hinaus bleibt auf einem Segeltörn weder vor oder nach dem Frühstück bzw. niemals zwischendurch wirklich Zeit, sich tippende Gedanken zum Törn zu machen - es sei denn handschriftlich in ein Papiertagebuch, wie es meine Kajütenmitbewohnerin Anna aus der Schweiz getan hat. Die Abläufe an Bord sind normalerweise so durch Aktivität gefüllt, dass man sich über freie Minuten - auch mal außer ständiger Reichweite aller Mitsegler - freut und einfach mal nichts tun möchte.

3. Die technischen Voraussetzungen auf einem Segelboot - in unserem Fall einer Bavaria 46 - bzgl. Internetzugang sind reichlich begrenzt und beschränken sich auf internet-fähige Mobiltelefone mit Kleinstbildschirm.

Anzumerken bleibt, dass auf einem richtigen Ausbildungstörn nichteinmal Zeit für Gedanken an das Internet übrigbleiben würde. Dieser wäre prall gefüllt - von morgens bis abends - vom ersten bis zum letzten Tag - mit Planung, Organisation, Inhalten, Lernen, Segeln, Theorie, Küchendienst, Nachtwache und diversen anderen zahlreichen notwendigen Tätigkeiten.

Das Stichwort bleibt Segelausbildungstörn....

Was würde man nun tatsächlich unter diesem Begriff verstehen?

Tuesday, May 17, 2011

Endlich!! Koffer packen und frischen Wind um die Nase wehen lassen...

So, die wichtigsten Termine für dieses Jahr sind endlich eingetütet! Ende Mai 1 Woche Segeln auf der Ostsee und Meilen sammeln für den nächsten Schein! Mitte Juni 2 Wochen Dahab zur Triple Depth competition im Freediving! Ende August bis irgendwann 2012 Mexiko - Tauchen, Tauchlehrern und in der Sonne leben!

Bis dahin arbeite ich Türme von Aufträgen und Aufgaben ab, sodass das wichtigste nicht mit auf die Reise gehen muss. Morgen ist erstmal der Beginn der ersten Pause seit dem Winter-Ägypten-Aufenthalt. Koffer bzw. Travellerrucksack packen bedeutet, wetter- und windfeste Bekleidung zusammen zu suchen, sowie für eventuelle Missentwicklungen die Seekrankheitspillen nicht zu vergessen. Diese nehme ich immer obligatorisch mit, ohne sie schlucken zu müssen. Aber man weiß ja nie.... zur Not habe ich sie dann eben zur Hand! :-)

Mit dem Zug wird es klassisch nach Schleswig Holstein gehen, wo ich einen Stopp bei der Familie einlege, um Samstag weiter auf der Schiene bis nach Flensburg zu rollen und dort "mein Segeltörnböötchen" aufzusuchen. Bin schon gespannt auf die Kojenverteilung und packe zur Sicherheit mal den Schlafsack ein, um evtl. auch mal an Deck schlafen zu können....

Nicht ganz unwichtig wäre sicher die Adresse und Telefonnummer des Vercharterers zu haben, um das Boot zu finden. Noch einen Blick auf die Wettervorhersage und die Törn-Checkliste und schon kann es losgehen!

Friday, April 22, 2011

10/2007: Sri Lanka - liberales Paradies zwischen den Welten


Vor jetzt schon 3,5 Jahren flog ich in den Inselstaat Sri Lanka - mit der Vorstellung einen lebenswerten paradiesischen Lebensraum mit indischer Vegetation und gleicherweise abgelegener Entspanntheit zu finden. Ich sollte nicht nur Recht behalten, sondern auch einschlägige Begegnungen haben, die seitdem große Bedeutung für mein weiteres Leben haben.

Damals legte eine erste Begegnung mit einer Deutschen, die im selben Guesthouse wohnte wie ich den Grundschein dafür, dass ich begann, meinen längst überfälligen Träumen Leben einzuhauchen. Sie machte mir den entscheidenden Mut, meine Vorstellungen umsetzen zu wollen und auch zu müssen. Danach dauerte es noch genau 2 Jahre bis zur entscheidenden Wende in meinem Leben.

Larissa, seinerzeit Tauchbasisleiterin auf einer Malediveninsel, verbrachte eine Woche Urlaub in Sri Lanka, um von dem Stress ihres Jobs zu entspannen. Ich, Berliner Büroangestellte in der Abteilung GMF Marketing einem international agierenden Oberflächenbeschichtung-konzern, war schon lange unglücklich mit meinem Bürodasein und hatte in Berlin begonnen, meinen ersten Traum umzusetzen - das Tauchen zu lernen.

Ich gerade meinen PADI OWD absolviert und das, was ich meine damal eigene Ausrüstung nannte, gleich mit ins Paradies geschleppt. Endlich wollte ich mein ersten Meererlebnis haben und die bunte Welt der tropischen Fische sehen. Tauchen wollte ich schon seitdem ich Anfang 20 war und hatte mich aber in den frühen 90er von meinem langjährigen selbstherrlichen und herrschsüchtigen Freund davon abhalten lassen. Aber das ist eine andere Geschichte... Jetzt war es soweit! Ich hatte vor langer Zeit begonnen, Dinge nachzuholen oder trotzdem umzusetzen. Und hier war ich nun - in einem unglaublich schön wirkenden Paradies und bereit für meinen ersten Meerestauchgang.

Das Guesthouse lag direkt am Strand von Hikkaduwa mit abgegrenzten Mauern, die einen Garten umrahmten, in dem Larissa und ich oft auf den Sonnenliegen lagen und einfach nur lasen oder uns über das Land, ihr Leben auf den Malediven und ihre Geschichte sowie meine Möglichkeiten unterhielten. Mich faszinierte diese Mut und Freude ausstrahlende Frau, die gerade einmal 10 Monate jünger ist als ich. So sehr, dass ich in die gleichen Fußstapfen treten wollte und fortan nur noch überlegte, wie ich das anstellen konnte. Von der Zeit an war Larissa meine stetige Beraterin und gibt mir Tipps, Infos und Kontakte für meine Umsetzungspläne. Das geschieht aber erst etwas später....

Jetzt verbrachten wir unseren Urlaub ersteinmal gemeinsam in Hikkaduwa und machten uns eine schöne Zeit. Larissa wohnte im Erdgeschosszimmer mit angrenzender Terrasse und Gartenzugang. Ich bewohnte schräg drüber das Balkonzimmer mit Meerblick und übersah den Garten sowie die Nachbargrundstücke. Während ich mich ausruhte und diese paradiesische Atmosphäre in mich aufsog: Meeresrauschen - den Anblick der Wellen, die kraftvoll donnernd an unseren goldenen Strand rollten und die feuchten Böen, die die Kokospalmen rascheln ließen - befand sich Larissa oft in einem der örtlichen Internetcafés und chattete mit ihren Verehrern. Für mich stand sofort bei Anfunft in Sri Lanka fest: Ich war angekommen! Dieses Bild und dieses Gefühl sollte ich nie vergessen. Es brannte sich in mein Weltenbummlergehirn ein.

Der goldgelbe Strand mit dem üppigen Palmenbewuchs und die kraftvollen Wellen des indischen Ozeans bildeten die Vegetation, die ich immer gesucht hatte. Irgendwann hatte ich in Deutschland einmal eine Dokumentation aus Südindien gesehen und diese Landschaft als mein Wunschziel auserkoren. Nun ja, da ich mich noch nicht reif fühlte für die tiefgreifenden Probleme, die Indien kennzeichnen, hatte ich mich für die kleine Schwester Sri Lanka entschieden. Und das war ein richtiger Entschluss :-). Seit dieser Begegnung und weiteren Erlebnissen auf Sri Lanka hab ich mein Leben anders ausgerichtet und sehe mich heute viel näher an meinem Wunschziel als ich es damals war. Deshalb war diese Reise meine wichtigste überhaupt. Heute geht es wieder um neue Auslandsaufenthalte und gleichermaßen meiner Wunschtätigkeit, interkulturelle Kommunikation zu unterrichten. Es ist nur logisch, dass ich viel reisen muss und will, um glaubhaft die Kulturen und ihre Lebensweisen and andere weitergeben zu können.

Tuesday, April 05, 2011

123 - zum Mittelmeer und zurück

Auch wenn es nur kurz war - der Trip nach Mallorca am Samstag bis gestern war eine entspannende Oase inmitten anstrengender Aufgaben des Berliner Alltags. Ich floh mit dem Leichtflieger "easyjet" noch vor dem Morgengrauen gen Süden, wurde empfangen von einem Mietauto mit auf dem Vorderreifen deponierten Schlüssel und fuhr gen Puerto de Pollenca.

Fern von jedem Nervbrief oder grauen Wolken, die kaum einen Sonnenstrahl durch meine Berliner verkalkten Regenschmuddelscheiben lassen, bewegte ich mich durch sattes Grün unter blauem Himmel und entschied, dass dies das Mindeste sein sollte, was mein nahes Zukunftsleben alltäglich werden lassen sollte.

Mein Kurztrip nach Mallorca beinhaltete eine Schulung für ein neues CMS-System der Actionsport Tauchzentrale sowie die Actionsport Prodive Mallorca Tauchbasis - beides Seiten, die ich pflege! Drumherum wollte ich mir ein wenig Erholung und Sonne gönnen - so die Idee.

Was ich immerhin schaffte, waren rund 20min am Strand zu meinem Privatvergnügen. Meine Zeit umfasste ansonsten Gespräche, Meetings, Spontandiskussionen und Termine. Ich wohnte auf der Basis - bescheiden und einfach - und war somit immer vor Ort, um mögliche Entwicklungen zu besprechen oder mir Anregungen anzuhören, während Tom, Inhaber der Basis und Organisator des Ganzen, in seinen Terminen feststeckte.

Ich mag die Basis, ihre Leute und die Atmosphäre. Außerdem stehe ich sowieso immer gern mit Rat und Tat zur Seite und genieße die Neuigkeiten vor Ort! Dennoch hätte ich mir mehr Effizienz in der Umsetzung für mich und meine Ideen gewünscht, obwohl ich das Wiedersehen mit einigen Berliner und Mallorqinischen Bekannten sehr genossen habe.

Inzwischen kann ich mir gut vorstellen, öfters vorbei zu kommen oder einer Weile zu bleiben, nur um eine ruhige Zeit zu verbringen und die Welt Welt sein zu lassen. Port de Pollenca auf Mallorca erscheint mir wesentlich schöner und angenehmer als Berlin oder jede andere Ecke in Deutschland oder Mitteleuropa. Ich suche mein Zwischenzuhause im Süden: mehr Sonne, mehr Grün und keinen Winter. Außerdem muss meine Katze einen sicheren Auslauf haben - wenn ich mal eine habe ;-)!

Leider genießt Mallorca den peinlichen Ruf eines Neodeutschtums, dem man als halbwegs intelligent denkender Mensch keinesfalls angehören möchte. Auch ich habe Vorbehalte und schäme mich immer etwas, sobald ich dieses Flugziel anderswo erwähne. Doch um ehrlich zu sein, ist von diesem stereotypen Bild Mallorcas in "unserer" Ecke dort oben im Nordosten nichts zu sehen oder zu spüren. Noch ist das Landschaftsbild von typisch mallorcinischen Bauten und Gegenden geprägt. Keine Bettenburgen, Ballermänner oder andere Katastrophen sticht mir schmerzvoll ins Auge beim gemütlichen Durchkreuzen der wirklich schönen Buchten. Eher sind diese von kargen Fels- und Sandsteinbergen umsäumt, die in türkisblaue Flachwassermündungen abfallen, an die einsame Steinstrände als rustikal anmutende Ruheplätze angrenzen.

Ich genieße die Zeit auf dem Zodiac sehr und staune über die Ruhe und das Naturereignis Nordmallorca. Nur einige Wohlhabende genehmigten sich ihre Paläste mit Meerblick. Doch stehts geschmackvoll in das große Ganze eingegliedert und von viel Grün umgeben. Nicht einmals die Zufahrtspisten sind vom Wasser aus sichtbar und kein Motorenlärm ist zu hören geschweige denn ein Auto zu sehen. Karge Felsen, reich und hitzebeständig bewachsen mit einigen Farbtupfen der ansehnlichen Häuser unterbrochen - das ist diese Küstenlandschaft Mallorcas.

Dennoch, es ist keine tropische Insel. Mallorca hat nichts von Sri Lanka oder St. Lucia. Trotz ihrer understatement Schönheit hat sie nichts von der saftigen Üppigkeit, die jene Inseln des indischen Ozeans zu vollbringen vermögen! Ich nenne sie keinesfalls eine prachtvolle Insel, die ich mit einem Paradies gleichsetzen würde. Dafür ist sie zu europäisch - landschaftlich, klimatisch und kulturell. Sie bleibt eine 4 auf einer Skala von 1-10....

Friday, March 18, 2011

Minireisefieber oder an jeden kleinsten Strohhalm klammern!


Inzwischen hat die Tristheit meines Berliner Daseins längst alle Grenzen überschritten und ich träume mich täglich in die Ferne. Trotz schweren Unglücks in Japan, der endlos zu bedauerndes Menschen in den Erdbeben- und Tsunamibetroffenen Gebieten oder vielleicht auch deswegen, steigt mein innerer Druck, aktiv zu werden gegen die Zerstörung, die wir Menschen unserem Planeten antun. Auf der Suche nach einer sinnvollen Verbindung meines stetigen Fernwehs und meiner Kommunikationsarbeit recherchiere ich im Netz nach Aktivitäten und Projekten von Umwelt schützenden Non Profit Organisationen, die speziell in tropischen Gebieten tätig sind. Denn wer möchte schon einfach nur reisen und sinnlos in der Landschaft herumliegen? Dieses Jahr wird das alles entscheidende - habe ich beschlossen. Solange die Berliner Auftragslage nicht die Wunschjobs in der Beratung und Lehre hergibt, fühle ich mich geradezu eingeladen, weitere Erfahrungen in der Welt, ihren Ländern und ihren Kulturen zu sammeln und vor Ort sinnvolles zu erfahren und mit meinen Zielvorstellungen zu verknüpfen.

Während ich so in den Tag hineinüberlege - jeden Morgen bei einer bis fünf Tassen Kaffee - klammere ich mich schon jetzt an den kleinsten Strohhalm, wieder ein Flugzeug zu besteigen. Und wenn dieses nur 4h weit fliegt. Nach Mallorca.... Beruflich darf ich zumindest für ein Wochenende am 2.4. eine kurze Auszeit von Deutschland nehmen. Es für mich erstaunlich, wie sehr ich mich auf diesen Kurztrip freue.


Letztes Jahr im Mai und Oktober war ich schon beruflich dort und es gefiel mir mittelmäßig. Mallorca gehört nun wirklich nicht zu meinen bevorzugten Destinationen, weil es schlicht Touristen verseucht ist. Obwohl der Norden der Insel noch recht rar durch Peinlichkeiten aus Great Britain und Deutschland geprägt ist. Es liegt wohl eher daran, dass mir das Gebiet zu erschlossen ist. Schön? Ja, auch. Spannend? naja. Entspannend? Ja, schon. Verglichen mit meinen Traumreisezielen erreicht sie höchstes Stufe 2 auf einer Skala von 1-10. Egal! Ich kann hier raus und einen Hauch von Reisefieber einsaugen! Das rettet mich etwas bis zum nächsten Flug, der mich definitiv weit weg bringen wird - und das für lange Zeit.

Nun denn, Mallorca bedeutet für mich Port de Pollenca im bergigen Norden der Insel, Aufenthalt auf der Tauchbasis Prodive Mallorca, einem alten mallorcinischen Haus im Zentrum der Kleinstadt, das eine Minute vom belebten Strand und der Marina entfernt liegt. Von dort überblickt man die gesamte Bucht, von wo die Tauchtouren starten und diverse Segelboote anliegen. Ich darf mich während meines Aufenthaltes ganz romantisch zu dem neuen website CMS schulen lassen, welches die Actionsport-Kette für alle Betreiber einführen wird lassen. Ein guter Grund zum Verreisen! Die Actionsportler haben ja kein Geld, heißt es immer. Doch für ein 4 Tage Treffen im Ausland reicht es dann doch.... Egal - ich flieg mit. Bestimmt wird der Aufenthalt nicht nur mit angenehmen Dingen erfüllt sein, aber immerhin findet alles in Finca-Atmosphäre statt.