Thursday, February 14, 2013

Soneva Fushi - Baa Atoll - Malediven - Rückblick!

Während ich hier an der einsamen Ostküste Sri Lankas in der Nähe Kalkudahs, die nichts weiter zu bieten hat als einen endlosen Strand ohne Menschen, Fischerhütten aus Palmenblattwerk, massive Wellen vom indischen Ozean heranrollend und meinen Hotelbungalow - ich bin der einzige Gast, der sich hierher offenbar verirrt hat - kommen mir rückblickende Gedanken zu Soneva Fushi, dem Maledivenresort, in dem ich die letzten 6 Monate gelebt habe.

Maledivenhype - Baa Atoll Fake

Was mich mittlerweile ein wenig erbost, ist der Hype, der um die Malediven gemacht wird. Der Hype um die angeblich besten Tauchplätze der Erde. Im Baa Atoll sind 90% der Korrallen tot! Die Tauchplätze selbst gehören mit ihrer Bewuchsformation überhaupt nicht zu den besten, die ich bisher gesehen habe. Ungerechtfertigt hohe Preise werden nicht nur auf Soneva Fushi für das Tauchen verlangt, sondern auch anderswo im Land. Den dafür zu erwartenden Service finden Gäste nicht vor. Stattdessen auf Soneva eine kleine chaotisch, nicht organisierte Truppe von gestrandeten, frustrierten Tauchlehrern, die in bekannt italienisch arroganter Art den Menschen glauben machen will, dass diese Insel der beste Platz zum Tauchen überhaupt ist. Im Tauchboot selbst erst entscheidet sie teilweise nach Gutdünken, welcher Tauchspot wohl angefahren wird. Wie so oft, fährt der Capt'n erst einmal ziellos ins Atoll, um erst während der Fahrt sein Ziel genannt zu bekommen. Eine Unorganisiertheit, die schon so manchen Gast verwirrt.

Verständlich ist es dagegen, dass morgens in Abhängigkeit der Konditionen im Meer entschieden wird, welche Plätze nicht angefahren werden können oder sollten. Doch diese zeigten sich während meiner Zeit dort nicht besonders unterschiedlich. Sicht oder wenig Sicht, Strömung oder wenig Strömung, Mantas oder keine Mantas oder etwas Welle. Von allem gab es wenig zu bedenken, wenn ich mal mit anderen Tauchgebieten in der Karibik vergleiche. Was beim Soleni Divecenter ebenfalls für ein Hype betrieben wird, was wohl zu viel Strömung sein könnte oder zu viel Wind, um einen Platz anfahren zu können, zeigte sich als ebenfalls typisch italienische Art. Die Malediven bieten annähernd Badewannenzustände. Wellen gibt es so gut wie nie, weil schlicht keine Stürme durchziehen. Die Atolllandschaft dieser Republik fängt Bewegung im Meer innerhalb der Koralleninseln gut ab und erzeugt eine immer gleichbleibende Meeresbewegung. Oft ist die See spiegelglatt - was viel Delphinbesuch mit sich bringt. Völlig unbeeindruckt war ich demnach von der "Strömung", um die ebenfalls jeder einen Hype betreibt. Auch bei Soleni fiel die Bemerkung, dass ich mich über die starke Strömung im Winter wundern würde. Nun, diese gab es bis zum Februar schlicht nicht und ich wunderte mich lediglich über den Gebrauch des Begriffs "starke Strömung".

Das bisschen Zug um die Insel und an den anderen Tauchplätzen war nicht mit dem zu vergleichen, was ich z.B. in Mexico erlebt habe - wo zu Strömungszeiten manchmal erfahrene Taucher durch Tiefenströmung umkommen, weil sie es schlicht nicht mehr zur Oberfläche schaffen. Was glauben denn die Baa-Atoll-Tümpeltaucher, welche Bedingungen sie vor der Tür haben? Tümpel auch deshalb, weil die Sicht im Wasser die meiste Zeit trüb ist. Bis November erinnert das Tauchen fast an Süßwasserseeruhe sowie Süßwasserseesicht. Das Meer hat meist eine dunkle grüngraue Farbe mit einer Sichtweite von manchmal nur wenigen Metern. Zuviel Plankton, Sand, Sedimente und so gut wie keine Strömung lassen sich das Meer zu einer Erbsensuppe verwandeln, so dass ich keine Maledivenbegeisterung verspüren kann. Nur 2-3 Monate dann klart das Wasser durch Strömungswechsel auf und zeigt etwas mehr von den Farben der noch lebenden Korallen. Doch nur wenige Tage in dieser Saison erlebe ich eine wirklich gute Sicht von 30m, die ich in Mexiko fast täglich als normal erleben durfte. Dort war eines Markenzeichen: Knallblaues Meer mit farbigen Korallen in besonders Cozumel und schneeweißer Sand, soweit wie das Auge reicht.

Nein, dieses Atoll der Malediven ist definitiv kein sehenswertes in der Maledivenrepublik. Vor 2,5 Jahren durfte ich zum Glück einmal das Süd-Ariatoll besuchen, wo ich das sah, was ich erwartet hatte: Bunte Korallen, ein wunderschöner Bewuchs sogar als Hausriff - Soneva Fushi ist umgeben von einer Wand bestehend aus fast ausschließlich toten Hartkorallen ohne jegliche Tischkoralle oder anderen nennenswerten Bewüchsen, dass sogar viele Gäste mich fragten, ob die Korallen alle tot seien und was ich von der Unterwasserwelt dort halten würde. Auch besuchende Resortkollegen, die sich im Schnorcheln und Tauchen übten, kommentierten das erschreckende und langweilige Bild unter der Wasseroberfläche. Den Enttäuschungen hatte ich nichts entgegenzusetzen. Ich gehörte nicht zu den Kollegen der Tauchschule, die den Gästen Märchen über die üppige Korallenwelt des Atolls erzählte und versuchten, die Taucher so bei Laune zu halten. Schließlich sind diese weder blind noch dumm. Der schlechte Zustand großflächig auch durch Veralgung ließ mich an manchen Plätzen sogar dafür schämen, dass ich Tauchgäste durch diese Tauchplätze führen musste. Nein - das Bild im Baa-Atoll ist eine Katastrophe. Und das Geld, das den Tauchern für diese Lüge abgenommen wird, ist unseriös.

Maledivenparadiese existent - aber nicht im Baa Atoll

Zurück zum Süd-Ariatoll - wo ich nun alles zu erwartende gefunden hatte: Korallen, tolle Tauchplätze, ausgewachsene Haie bei fast jedem Tauchgang, viel Leben am Hausriff auch während des Nachttauchens, Walhaichancen jedes Jahr und eine gute Organisation der Tauchschule. Hier wusste morgens jeder Guide ganz genau, welcher Taucher mit welchem Taucher zusammen gehen würde und welcher Guide die Gruppen führen würde. Nicht so bei Soleni auf Soneva Fushi. Hier wurde gewürfelt, bzw. hierarchisch entschieden, welcher Guide welche Taucher bekam. Die Tauchlehrer, die am längsten dort arbeiteten, nahmen sich stets die erfahrenen Taucher, um die längeren, tieferen und schöneren Tauchgänge zu haben. Checkdives, DSD's oder schlechte Taucher wurden meist den neuen Guides und somit mir überlassen. Selten hatte ich Gelegenheit, über die 25m Marke tauchen zu können - 30m sind eh das Maximum hierzulande - und gute Tauchgänge zu haben. Welche Taucher ich nun im Boot übernehmen sollte, wurde mich in 90% der Fälle nicht kommuniziert. Das "alte Team" machte sich nicht die Mühe, Einblick in ihre "Ablauforganisation" zu geben. Hätte ich nie nachgefragt, wer mit wem taucht und wohin es eigentlich zum Tauchen geht, wäre ich nie in der Lage gewesen, ein Briefing für den Tauchgang zu halten - nichtwissend für wen und über welchen Platz!

Die Kolonialherrschaft des Soleni Divecenter's

Was ich während meiner 6 Monate dort schon verinnerlicht habe, manifestiert sich im Nachhinein immer mehr. Bei Soleni geht der Tauchbetrieb sehr unorganisiert, unkollegial, altmodisch hierarchisch und unschön zu. Viele Gäste saßen oft im Boot, nichtwissend, was ihnen bevorsteht, und fühlten sich unwohl durch diese mangelnde Betreuung. Meist fragten sie mich wohin es geht, aus gutem Grund. Nur mir war es oft auch nicht bekannt und den anderen ebenfalls noch nicht. Dies wirk sehr unprofessionell vor den Gästen. Aber Änderungsbedarf schien bei Soleni nicht zu entstehen. Stattdessen bot sich den Fragenden im Boot das klassische Bild von dem herkömmlichen, großspurigen Tauchlehrer, der sich als Gott fühlt, vorn am Bug den Allwissenden mimte, sich nicht ansprechen und stören lassen wollte beim eingehenden Studium der Wellen - was anderswo Job des Kapitäns ist - und sich dann auch noch vom maledivischen Bootsstaff den Anzugreißverschluss hochziehen ließ! Ein Tauchlehrer, der nicht in der Lage war, seinen Anzug allein anzuziehen??? Dieses Bild kam mir übermäßig lächerlich vor und ich fragte mich allzu oft, für was sich diese italienischen Gockel und Gockelinen sich eigentlich hielten - obwohl es 2 Italiener, ein Schweizer und seine russische "Gefährtin" waren - plus seine italienische Geschäftspartnerin und plus seine italienische Ehefrau, die beide nur in den Ferien aushalfen. Die Malediver mussten springen, wenn diese selbsternannte Königstruppe das Boot betrat. Nein, zu solch einer sich selbst beweihräuchernden Welt wollte ich nicht gehören und solidarisierte mich schnell mit den Maledivern und anderen Kollegen aus der Region sowie aus dem Resort.

Alles in allem erlebt ich meine Zeit bei Soleni Divecenter aus Soneva Fushi als meine schlechteste in meiner Tauchlehrzeit bisher überhaupt. Die Kollegen waren das Gegenteil von locker und Spaß, die Atmosphäre von Falschheit und Verlogenheit durchzogen, die Tauchorganisation Chaos, die Tauchplätze zu 80% langweilig, die Kommunikation in dem kleinen Tauchunternehmen schlichtweg nicht existent. Diese Tauchschule würde ich aus vielen Gründen mit teilweise ausreichend bis tendenziell eher mangelhaft bewerten. Was das Leben bei Soleni außerdem erschwerte, war das enge Aufeinanderhocken im separaten Staffhaus. In diesem Haus lebt der Tauchschulinhaber wie ein Großgrundbesitzer mit seinen Leibeigenen und kontrolliert dort jeden Schritt. Nach Feierabend gab es nicht. Immer trafen sich 2 oder alle bei einem Bier und besprachen die Tauchgänge, die Gäste, den Tag, bedachten sich mit Sarkasmus und Spitzen, so dass nie eine abschaltende entspannte Neben-dem-Job-ist-auch-noch-ein-Leben-Atmosphäre entstehen konnte. Beim Frühstück ging das gleiche Spiel weiter. Selbst wenn ich mich absetzte, um mich mit anderen zu treffen, wurde ich noch überrascht gefragt, wohin ich ginge! Was zur Hölle geht Dich das eigentlich an? Waren meine reagierenden Gedanken, die ich dann für den fragenden Kolonialherren übrig hatte. Job ist Job, Bier ist Bier. Man kann dort den Leuten keinen Freiraum gewähren, muss in alles seine Nase stecken, beurteilen, verurteilen und einordnen. Let others be, sind hier Fremdworte.

Entsprechend unwohl fühlte ich mich von Anbeginn. Die Tatsache, dass dieser Selbstgekrönte in seiner Herrschaft über sein Königreich seinen Leibeigenen keinen freien Tag einräumte und sie täglich in der Tauchschule antreten ließ, verschlechterte meine Verfassung stetig. Hier gab und gibt es schlichtweg keinen Freiraum! Denn diesen könnte der "Herr" nicht kontrollieren! Auch Erholungsnachmittage mit Alleingänge in den Spa, zum Yoga oder anderswohin mussten an- und abgemeldet werden. Für mich ein unhaltbarer Zustand und viele rieten mir frühzeitig, die Insel und die Tauchschule zu verlassen. Doch ich hoffte immer noch auf Verbesserung mit der Zeit - aber das Gegenteil trat ein.

Heute in Sri Lanka wieder unter normalen freien Umständen lebend schüttele ich nur den Kopf, was alles möglich ist auf dieser Welt. Nirgends würde es einen Job in dieser Branche ohne freien Tag in 6 Monaten geben - was ich dem kleinen Großen direkt sagte und mir das Resortmanagement sogar als illegalen Zustand auf den Malediven bestätigte! Doch das Resort konnte nicht eingreifen, da Soleni unabhängig vom Resort agiert. Das der Kolonialherr der Tauchschule dann natürlich überhaupt nicht mit der Situation umgehen konnte, dass ich das Freitauchen auf der Insel etablierte, lag auf der Hand. Denn davon verstand er nichts, wollte es auch nicht lernen und nichts darüber wissen. Dies übrigens galt für alle dort als Staff agierende. Ausgenommen die Locals. Viele wollten dies von mir lernen und waren begeistert, offen und neugierig. Nur das italienische Königreich natürlich nicht - ängstlich um seine selbstgebastelte Krone. Die Gerätetauchlehrer mitsamt des Eigentümers beäugten mein durch das Resortmanagement forcierte und gewünschte Tun mit großer Ablehnung und Skepsis. Denn ich brachte etwas neues! Ich erhielt den Auftrag von Sonu, dem Resortgründer, und dem Management.  Ich machte etwas anders und ich war neu bei Soleni! Soviel Aufmerksamkeit steht nach Soleni-Hierarchiedenkweise nur einem alten Hasen wie dem Chef zu! Niemand neues mit einem neuen Angebot konnte so einfach an allem vorbeiziehen und dafür auch noch so viel Zuspruch erhalten sowie Erfolge erzielen!

Alles in allem bot ich etwas an, das man im "Königreich" nicht überblicken oder einschränken konnte. Im Gegenteil - sie alle mussten mitspielen und meinen Extraservice unterstützen und ermöglichen. Sowohl der Inseleigentümer als auch das Management waren nun einmal sehr an dem Angebot Freitauchen interessiert und buchten sogar Kurse bei mir. Einige glückliche Schüler konnte ich ausbilden und zu neuen Grenzen bzw. dem Entdecken neuer weiterer persönlicher Grenzen verhelfen! So hatte mich das Management schon frühzeitig gefragt, ob sie das Freitauchen in meinem Namen bewerben könnten. Auch das geschah ohne meine eigene Initiative! Das Resort kam zu mir - nicht umgekehrt! Natürlich stieß auch dies bei Soleni und seinem Eigentümer besonders auf blanken Neid. Entsprechend tendierte seine und ihre Kooperation gegen Null. Ein Verhalten, welches auch dem Resortmanagement auffallend missfiel und auf Unverständnis stieß. Dieses gab mir in meiner Argumentation Recht und entschuldigte sich sogar bei mir für das Fehlverhalten, das Soleni mir gegenüber an den Tag gelegt hatte! Immerhin generierte ich zusätzliche Umsätze und tat positives für das Standortimage. Doch der Soleni-Großgrundbesitzer musste dieses Parallelschaffen unterbinden, das eines seiner zu kontrollierenden Schäfchen auf eigenen Wegen beschritt. So erfand er Unzufriedenheiten im Team und in meiner Arbeit, erläuterte diese angeblichen Probleme aber mir gegenüber nicht. Er suchte eben lediglich nach Wegen, aus dieser für ihn unzufriedenstellenden Situation herauszukommen und wieder in sein unberührtes Königreich - das einzige was er hatte und haben wird - zurückzukehren, weil er dort alleiniger Kaiser sein konnte. Dass ich dieses Reich durch Neues erschüttert hatte, empfand er wohl als unverzeihlich. Kleine Männer ganz groß - war die Motivation zutiefst unehrlichen Agierens bei Soleni Divecenter Soneva Fushi... :-))

Mir war die Entwicklung in der Tauchschule willkommen, da ich Freitauchen als mein Ziel erklärt hatte und mit der Arbeit als PADI Tauchlehrerin in dieser ermüdenden Form schließen wollte. Auch wollte ich weder geistig eingeschränktes noch unpartnerschaftliches Denken sowie am wenigsten unehrliches Agieren in meinem Umfeld akzeptieren. Das klassische Tun einer PADI Tauchschule - und hier beschritt sie auch einige nicht PADI standardgemäße Wege - war besonders dort nicht meines. Ein Unternehmen, in dem 60% Chef sind und 90% Chef spielen, kann nicht funktionieren. Und so funktioniert es ja auch nicht. Jedes Jahr wechseln dort die Saisontauchlehrer - wenn man mal von dem italienischen Paar absieht, von dem eine Hälfte Chef ist - weil sie mit der Tauchschulkultur nicht eins werden. Auch reden alle Mitarbeiter hinter dem Rücken des Chefs und kritisieren ihn, sein Handeln, seine Affäre, die allen das Leben erschwert und auf der Insel für Gesprächsstoff sorgt, seine Ungerechtigkeiten gegenüber seinen Tauchlehrern uvm. Entweder er weiß das tatsächlich nicht, will es nicht sehen oder sieht über diese Tatsache hinweg, weil die beiden den Gästen gegenüber das größte Grinsen zeigen können, das ich je gesehen habe , dass er so an den Beiden festhält.


Meine Entscheidung zu Soleni auf die Malediven zu gehen anstatt zurück nach Mexiko, um mir dort mein eigenes Geschäft auszubauen, hatte einen Grund und war rückblickend und zukunftsbezogen betrachtet jedoch nicht die nutzenbringendste Entscheidung. Einmal wollte ich auf den Malediven als PADI Tauchlehrerin arbeiten und in den Genuss eines guten Verdienstes bei null Kosten sowie schöner Malediventauchplätze kommen. Die Gegebenheiten auf Soneva Fushi erschienen mir darüber hinaus besonders gut und so räumte ich dem Arbeitsangebot erste Priorität ein. Inzwischen habe ich den Job gemacht, das Geld verdient, und der Wunsch ist erledigt. Ich hake diese Möglichkeit auf meiner Liste zu erlebender Dinge einfach ab - für immer. Wie hoch der Preis im Nachhinein für meine Entscheidung noch ansteigen wird, bleibt abzuwarten, sollte ich Mexiko tatsächlich wieder ansteuern. Bis jetzt jedenfalls war der Preis schon hoch genug - zu hoch, als dass ich ihn nochmals zu bezahlen bereit wäre. Gutes ist mir dennoch gelieben: $s und Kontakte!

Monday, February 11, 2013

In Sigiryia: Spießrutenlauf - auf der Flucht vor der Tuc-Tuc-Mafia


In Sigiryia angekommen finde ich mich an der Haupteinfahrt des Felsengeländes wieder und werde sofort von klettenartigen Tuc-Tuc-Fahrern angesprochen, ob meines eventuellen Wunsches, ein solches Gefährt zum Eingang nutzen zu wollen. Diese penetrante Art machte mich so rasend, dass ich ersteinmal nichts wie raus aus diesem Stimmenwirrwarr wollte, um durchatmen zu können. Die Busfahrt war extrem anstrengend gewesen und ich war um 5:45 morgens aufgestanden, um hier gegen 9:30 meinen Aufstieg zu beginnen. Können diese Taxihändler das gar nicht verstehen? Es ist vielleicht dumm gewesen, aber ich schulterte wieder meine Rucksäcke und machte mich mit meinen 20 Extrakilos auf den Fußweg Richtung Eingang. Diesen konnte ich noch nicht einmal sehen und ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich damit einließ. So entfloh ich der Dreiradmeute und erstapfte mir ein wenig Ruhe und freien Blick auf den Felsen.

Doch es sollte keine 2min dauern - ich hatte grad mein Gepäck abgestellt, um ein Foto von dem Naturmonument zu machen - hielt direkt neben mir ein Tuc-Tuc und sah mir seelenruhig dabei zu, wie ich versuchte, ein Bild zu machen. Erst recht verneinte ich eine Absicht gefahren werden zu wollen, weil mir dieser Fahrer so nah auf die Pelle rückte. Die Krönung: er blieb dort stehen, stieg aus und sah mir beim Handtieren mit der Kamera zu. Mich irritierte das völlig und ich empfand das als extrem unsensibel. Ich sah ihn an und er lächelte und meinte, ich könnte jetzt ruhig mein Foto machen. Bitte??? Vielen Dank auch! Ich versuchte ihm klarzumachen, dass ich das so eben nicht könnte, weil er mich so dreist dabei beobachten würde. Dann ließ ich mich gehen und forderte ihn unmissverständlich auf, mich endlich in Ruhe zu lassen und abzuhauen. Ich wollte sein Tuc-Tuc nicht! Er blieb. Ich drehte mich weg. Dann antwortete er ebenfalls ungehalten, dass er ja nur helfen wollte und eben jetzt wegfahren würde. Na endlich. Nun war ich erst recht motiviert, den gesamten Weg zum Eingang zu Fuß zurückzulegen. Wer mit Rücksäcken reist, sollte auch bereit sein, sie zu tragen. Jedoch nicht unbedingt auf den Löwenfelsen! :-)

Nach gefühlten 10km - es waren vielleicht 1,7 - 2km bis zum Eingang - griff mich wieder einer der Fahrergarde auf und erklärte mir, dass ich mein Gepäck im Tickethäuschen abstellen konnte und wo ich meine Eintrittskarte herbekam. Beim Kauf stockte mir der Atem. 30US$ wollten sie für das Erklimmen des Berges von mir haben! Das grenzt an Ausbeutung kulturinteressierter Touris. Mein erster Gedanke war auf dem Absatz meiner lokalen Ledersandalen kehrt zu machen und zur Straße zurückzulaufen. Mein zweiter Gedanke galt der Würdigung meiner Busfahrt im Morgengrauen, meiner Zielsetzung und auch meines Fußmarsches hierher. Ich würde jetzt diesen verdammten Felsen erklimmen, wo ich schon mal da war! Und dann ging es weiter. Ungefähr 20 wie Prostituierte boten ihre Dienste als Sigiryia-Guide an. Doch ich machte denen klar, dass ich mir einen solchen jetzt nicht mehr leisten könnte, weil der Eintritt bereits so teuer war. Außerdem wollte ich meine Ruhe haben - ein Grund, weshalb ich allein bis zur obersten Terrasse klettern wollte. Das Ganze war einfacher als ich gedacht hatte. Etwas über 2000 Treppenstufen ermöglichten einen gesitteten Aufstieg ohne Absturzwahrscheinlichkeiten. Anders wäre dies bei dieser Felsenform auch gar nicht gegangen. Ich musste an Mexico denken - die Mexis hätten hier garantiert einen superteuren Hubschrauberservice installiert, um Beinschwere kostspielig nach oben zu befördern. In den USA wäre es wohl erst recht so gegangen - oder mit einer Rolltreppe.
Nach der energieraubenden Busfahrt, der Flucht vor der Taximafia und dem Fußmarsch zum Eingang verlief der Aufstieg erwartungsgemäß schweißtreibend - trotz der frühen Morgenstunde, die noch weit vom höchsten Sonnenstand entfernt lag. Außerdem war ich nicht gerade trainiert nach meinem 6monatigen Aufenthalt auf der 1,5 x 0,6m² großen Malediveninsel, auf der wir uns hauptsächlich mit dem Fahrrad fortbewegt haben. Dennoch schlug ich mich tapfer und erreichte nach ca. 45min die höchste Ebene des Felsens! Vorbei an japanischen und europäischen Touristen wie singhalesischen Tourguides schlängelte ich mich über Steintreppen, Holzstiegen, Wendeltreppen, Laufgitter, Podesten und über Zwischenebenen bis hinauf zur höchsten und ältesten Gartenanlage der Geschichte Asiens! Sogar einen Pool gab es mit bestem Ausblick auf die am Fuße des weit und breit einzigen Berges gelegene Ebene mit Reisterrassen und Buschflächen. Der Ausblick war atemberaubend, die antike Ruinenanlage beeindruckend. Entdeckerisch schritt ich alles ab und suchte mir eine ruhige Ecke für mein Mittagshäppchen, das ich mir mit einem gierigen Affen teilte. Naja, nicht ganz. Ich überließ ihm die Bananenschalen und Apfelreste. Seine Portionen bezog er sonst aus einem der hierzulande selten anzufindenden Mülltonnen.

Der Abstieg ging erwartungsgemäß zügig und ich erreichte das Tal in weniger als 25min. Unten allerdings erwartete mich noch eine weitere Anlage, eine alte Höhle, eine Meditationsfläche, eine Versammlungshalle und anderes aus antiker Zeit. Alle Eindrücke wollte ich mitnehmen, denn eine Wiederkehr hierher plante ich nun definitiv nicht mehr. An einem anderem Ausgang als ich hereingekommen war nahm ich mir dann einen netten Tuc-Tuc-Fahrer, der mich zurück zum Eingang fuhr, damit ich meinen Trekkingrucksack holen konnte - meinen kleinen mit dem Notebook und anderen Wertgegenständen hatte ich mit auf den Gipfel genommen. Nach kurzem Beratschlagen wie ich weiter verfahren wollte - Übernachten kam nicht in Frage, weil es noch früh war und ich nichts anderes reizvolles in der Gegend ausmachte - ließ ich mich in einen zentralen Ort fahren und an einer Bushaltestelle absetzen. Dort bestieg ich den Bus nach Trinconmalee an die Ostküste und wünschte mir nur noch Meer und Strand. Ich war durch mit dieser Gegend und froh darüber.

Sigiryia - die ältesten Gärten Asiens


Kaum hatte ich mein Visum in Kandy beantragt und mir einen ruhigen Resttag zur Erholung gegönnt, folgten noch ein Tag mit einem 7km Spaziergang durch die Berge nach Kandy-Town, hinauf zum Buddha-Tempel und hinab bis zur Hauptbusstation im Zentrum, wo ich Informationen für meine am nächsten Tag anstehe Abfahrt nach Sigiryia - dem Löwenfels mit den ältesten Gärten Asiens - einholte. Unglaublich ist es tatsächlich, wie man hier von jedem eine andere Auskunft erhielt. Fahrpläne sind nicht angeschlagen und Fahrkartenhäuschen gibt es auch nicht. Jeder Reisende ist auf den Fahrtenverkäufer des jeweiligen Busses angewiesen. Dieser hat nur eines im Sinn: den größtmöglichen Absatz von Fahrkarten! Einen weiteren Platz gibt es immer noch in jedem Bus....


So bekam ich nun eine ungefähre Ahnung von den Abfahrtszeiten bzw. wusste zumindest, dass alle halbe Stunde ein Bus in die Richtung und Nähe abfuhr. Ein Direktbus gab es laut vieler Auskunft gebenden nicht und laut Hotelmanager und Tuc-Tuc-Fahrern sehr wohl. Diese konnten mir aber keine Zeit für diese angeblichen Busse beschaffen und redeten meiner späteren Erfahrung nach nur. Von Kandy nimmt der Reiseabenteurer am besten einen Bus nach Dhambulla und steigt dort in den Direktbus nach Sigiryia um. Die Fahrt insgesamt sollte so 2,5 Stunden dauern. In Anbetracht der Tatsache, dass ich um 6:45 an der Busstation sein wollte, um so früh wie möglich aus dieser mir zu hektisch gewordenen Stadt zu entkommen und soweit wie möglich nach Norden vorzudringen, erschien mir die Fahrtzeit erträglich. Also vervollständigte ich meine Reiseplanung für den nächsten Tag, entschied mich für den frühen Bus, welcher wohin auch immer - in die Nähe oder direkt zum Felsen - um den Felsen zu besteigen und danach weiterzureisen, wenn ich dann noch Kraft hatte. Was man in Sri Lanka wissen sollte, ist der Fakt, dass Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln tatsächlich ein Abenteuer ist! Nicht nur, dass man ständig in Lebensgefahr schwebte, weil die Busfahrer wie auf einem Himmelfahrtskommando unterwegs sind (die genaue Anzahl an Busunglücken pro Monat/Jahr/Woche konnte ich bisher nicht herausbekommen), nein, auch die Unbequemlichkeit durch die viel zu harten und kleinen Sitze, die kaum Beinfreiheit zuließen sowie die völlige Überfüllung der Busse ließen jede Fahrt zu einer Geduldsprobe werden. 

Mit dem glücklichen Umstand, zu der Gattung der Gewohnheitstiere zu gehören, ließ ich die Kilometervernichtung via Asphalt schweigsam über mich ergehen. Statt an mögliche Unfallszenerien zu denken, genoss ich das Andersartige, die bunten Ausblicke auf die Menschen um mich herum und auf der Straße sowie auf eine wirklich schöne bergige Landschaft mit reizvoll angelegten Terrassengrundstücken und reinen Urwaldzonen, soweit das Auge reichte. Im klimatisierten, mittelgroßen Reisebus hatte ich glücklicherweise einen vergleichsweise geräumigen Platz hinter dem Fahrer ergattert und es mir am Fenster so bequem wie möglich gemacht. Auffallend war der ebenfalls vergleichsweise gesittete Fahrstil des Fahrers und der recht sympathisch wirkende Ticketdealer, dessen Job darin bestand, während der gesamten Tour immer an der Eingangstür zu stehen, um unterwegs neue Fahrgäste anzuwerben. Gleichzeitig kassierte er, sorgte für das praktische Aufstapeln der Gepäckstücke zwischen den Vordersitzen und kümmerte sich um einen reibungslosen Ablauf beim Ein- und Aussteigen sowie bot ein zusätzlichen Ausguck auf die Straße. Bei so manchen Überholungsmanövern hoffte ich, dass er auch als Schutzengel bezahlt wurde. 

Irgendwie 2 Stunden später erreichten wir Dhambulla, wo ich mein Ticket zahlte und auf dem verdreckten Halteplatz meinen Trekkingrucksack hinten und den Handgepäckrucksack vorn herum schulterte. Lediglich über die Straße zur großen Busanlaufstelle (bei uns ZOB genannt) musste ich gehen und den Bus zum Löwenfelsen ausfindig machen. Dies dauerte ca. 3min. Dieser Bus übertraf die kühnsten Bilder meiner Vorstellungskraft! Was sich hier Bus nannte, war eine total abgewrackte ebenfalls mittelgroße Toyota-Karre aus dem Jahre 1356, die wohl nur noch von Rost und Dreck zusammengehalten wurde. Die Sitze mussten anscheinend durch Spinnenweben befestigt sein und waren total ausgesessen und verbeult. Kein Originallack war an diesem schrottreifen Gefährt noch zu sehen. Doch wer brauchte schon Lack? Hauptsache, das Ding fuhr noch und der Fahrer weiß, wie das von statten geht und wohin der fahren muss. Oben im Fenster stand in erkennbaren Lettern "Sigiryia" und ich kletterte ohne zu Zögern in den Müllhaufen, um wieder direkt hinter dem Fahrer Platz zu finden. Trekkingrucksack zwischen die Vordersitze gelegt, meinen Handrucksack mit dem Notebook auf meinen Schoß bzw. unter den Beinen gesichert - und ich war bereit. Meine einzige Sorge galt der sensiblen Elektronik meines Computers, der ja nun grad neu ist, die hoffentlich durch das Gerüttel und Geschüttel auf den hiesiegen Straßen keinen Schaden nahm. Das wäre mehr als ärgerlich aus vielerlei Hinsicht. Also verstaute ich ihn immer so stoßsicher wie es irgend ging und hoffte das Beste.
Im Bus hatten sich bereits andere europäische Felsenpilgerer eingefunden und sahen alle nicht besonders glücklich aus. Wen wundert es. In diesem Kaff nahmens Dhambulla möchte ich nicht einmal Selbstmord begehen - so deprimierend, unter Dreck begraben und abschreckend hässlich wirkte es auf mich. Ich erinnere mich auf dieser Reise ständig an die Worte meines Nachbarn in Dahab, wo ich während meines Ägyptenaufenthaltes im Sinai in Asalla, dem dortigen Beduinenviertel gehaust habe: "Dahab! Nur Indien ist dreckiger". Mir ist inzwischen klar, dass Sri Lanka streckenweise mehr Dreck als Dahab zu bieten hat und so gesehen auch als Tor nach Indien anzusehen ist. Doch dies ließ sich jetzt nicht ändern und ich wartete geduldig auf die Abfahrt zu meinem für heute auserkorenen Ziel - der höchsten Spitze des Löwenfelsens im Herzen von Sri Lanka. Was danach kommen sollte, würde ich danach entscheiden.

Indien Visum - Antragsprozedere II

Nun hatte ich wirklich alles zusammen für meinen Antrag und stürmte sanft aber entschlossen die Visastelle. Kurz stellte ich Blickkontakt mit meinem wirklich auffällig für hiesige Verhältnisse genährten Sachbearbeiter her, um meine Wartezeit so kurz wie möglich zu halten. Er rief mich direkt zum Tresen und nahm meine Unterlagen in Empfang. Diesmal lies ich ihn meinen Pass selbst aufschlagen - er würde die richtige Seite schon finden - und gab ihm meinen Antrag zum Ableich sowie sämtliche Kopien erneut. Alles fand seinen Platz auf den bereits stapelartig platzierten anderen Anträgen. Gespannt verfolgte ich seine Handbewegungen, die einen Kugelschreiber bewegten und die von mir bereit gestellten Informationen im Antragsformular mit den offiziellen Informationen, die mein Reisepass enthielt, abglichen. Zufrieden machte der Runde ein Häkchen nach dem anderen neben jeder Antragszeile und schloss am Ende tatsächlich meinen Pass, nahm alle Zettel und tackerte sie zusammen! Es war getan! Ich hatte alle Unterlagen korrekt eingereicht. Er blickte zu mir auf und berichtete mir mit unveränderter Miene, dass ich nun eine Summe von 5996 Rupien zu zahlen hätte, um den Antrag abzuschließen. Wieviel???

Die Tausendersummen in Sri Lanka hören sich immer so schockierend an und ich geriet kurz in Panik. Knapp 6000 Rupien sind grad mal 50 US$. Was für mein Budget auch eine stattliche Summe ist. Die Dollars läppern sich schon mit der Zeit. Aber für mein Visum war ich bereit. Ich kramte in meinem Portemonnaie und hielt ihm Dollar hin. Stur schüttelte er den Kopf und meinte, ich müsse in Rupien bezahlen. Arrrghh!! Ich hatte nicht genug in bar! Oh nein! Wieder raus, hieß es, um US$ zu tauschen. Naaa guuuuut - es war nicht zu ändern. Ein gefühltes 120stes Mal lief ich an den mir inzwischen bestens bekannten und immer lächelnden Eingangssicherungsangestellten vorbei, um eine Bank zu finden. Zu Fuß loslaufend fragte ich mich durch. Andere Straßenseite. Beim Versuch eine Bank zu betreten, verstellte mir der dort wachende Securitymensch die Tür. Hey - wie unhöflich! Warum? Er fragte mich doch glatt, was ich in der Bank wollte! Wie bitte? Was wohl! Geld natürlich, dachte ich, und antwortete freundlich, dass ich meine US$ tauschen wollte. Bestimmt verneinte er diese Möglichkeit und informierte mich, dass dies eine Investmentbank sei und kein Geld tauschte. Ok - wie auch immer die Dinge hier laufen und warum. Akzeptieren und weitersuchen heißt das nun folgende Motto. Draußen fragte mich jemand, was nicht in Ordnung war. Das muss man den Locals hier tatsächlich lassen. Sie beobachten, nehmen teil und helfen manchmal unaufgefordert weiter. Ich erklärte mir dieses Verhalten als in dem kollektivistisch veranlagten, das asiatische Kulturen innehaben. Menschen sorgen viel mehr füreinander als in der westlichen Industriegesellschaft. Dies hat, wie alles andere auch, Vor - und Nachteile. Ich antwortete dem Fragenden und ließ mir bereitwillig den Weg zu einer anderen Bank weisen. Wegweisen hierzulande bedeutet lediglich, den Arm in die richtige Richtung zu heben und ein uuuääähhh-Geräusch damit zu machen. Da ich das immer als unzureichend und irgendwie als Witz empfand - und ich war im Moment nicht zum Scherzen aufgelegt - reagierte ich nun doch ganz leicht ungehalten und fragte ihn "Where?". Er wiederholte die gleiche Geste und schaute mich fragend an, als ob er sich fragte, warum ich ihn nicht verstünde. Junge, sei halt etwas konkreter in Deiner Auskunft. Was natürlich etwas schwierig war, wenn man die Tatsache beleuchtete, dass ich nur 3 Worte singhalesisch kannte und er ungefähr 20 Wörter Englisch. Wir wiederholten dieses Frage- und Antwortspiel bestimmt fünf Mal, weil ich keine Lust mehr hatte und konkretere Auskunft wollte. Das muss doch in diese Köpfe hinein zu bekommen sein?!

Wie sich auch hier herausstellte, konnte ich meine fordernde Art komplett an meinen imaginären Hut stecken. Mehr Auskunft war schlicht nicht nötig und mein Frager hatte einfach recht, wie die meisten anderen Hilfsbereiten eben auch. Nur ich wollte inzwischen einfach eine weiterentwickelte Kommunikationsform erfahren - mit mehr Worten und Höflichkeit. Der Ursprung dieses Bedürfnisses war in meinen nach 6 Monaten Soneva Fushi blankliegenden Nerven zuzuschreiben. Außerdem wusste schlicht nicht, dass nicht mehr Information notwendig war - woher auch - und war zu bockig, mein schon vorhandenes Vertrauen auch anzuwenden und einfach mal loszulaufen. Ich würde diese Bank ganz einfach finden. Ich wollte nur den Helfenden mitteilen, dass seine Art zu informieren mir als unzureichend erschien. Dafür konnte ich mich hinterher schon wieder nicht mehr leiden. Denn, nachdem ich loslief, ihm mir vorauslaufend folgend und nach vorn zeigend, sah ich schon weitere Banklogos an den Gebäuden und ich bedankte mich freundlich für die Hilfe und seine Bemühung überhaupt. Keine 30m weiter fand ich eine Bank, in der ich am Schalter 50US$ eintauschen konnte.

Drinnen ging es fast zu wie in einer deutschen Bank. Kurz an den Schalter treten, Pass vorzeigen, den Geldschein abgeben und warten. Doch ich musste mich hinsetzen und warten. Ok. Auch das konnte ich zuguterletzt noch tun. Erstaunliches war zu beobachten. Der mit einem klassischen Gewehr bewaffnete Sicherheitsbeamte an den Bankschaltern hatte anscheinend den Rundumauftrag für alle Fragen in Sachen Sicherheit. Er war doch tatsächlich derjenige, der die Kopie meines Reisepasses erstellte. Dies lag nicht im Aufgabenbereich der Schalterdame! Interessante Zuständigkeitsbereiche, fand ich und verglich schon wieder mit unserer Welt. Nach ca 5min. rief mich die Dame wieder zum Schalter und händigte mir die Rupien zu einem schlechteren Kurs als überall auf der Straße aus, ließ mich gegenzeichnen und reichte mir meinen Reisepass über den Tresen. Der Kurs wich nur leicht von dem gängigen ab, das machte den "Kohl auch nicht fett". Ich hatte die richtige Währung in den Händen, bedankte mich freundlich bei der Netten Bankangestellten und verließ das Gebäude. Draußen überquerte ich schnurstracks die Straße und lief zielstrebig auf das Visabüro zu, ging schon wie eine alte Bekannte an den Sicherheitsleuten vorbei, die mir schon die Tür von weitem aufhielten, und steuerte meinem wohlstandsbebeutelten Sachbearbeiter in dem Visatresen zu. Der winkte mich auch sofort bestätigend heran und ignorierte die fragenden Blicke der anderen 2 ausländischen Visabeantragenden neben mir. Der Kugelige war sowas von bereit, die knapp 6000 RP in Empfang zu nehmen und ich genauso, sie bei ihm loszuwerden, damit wir dieses leidige Prozedere nun endlich abschließen konnten.

So war es dann auch. Ich erhielt mein Datum zur Empfangnahme: 18.2.2013. Moment mal. Das ist 1,5 Wochen. Weil ein Wochenende dazwischen lag. Ok, es musste schneller gehen. Ich plante meine Rückreise zur Westküste am 16.2. Das trug ich vor und fragte, ob die Bearbeitung auch schneller ging und ich schon am 15. kommen konnte. Kurz mit dem Kollegen abgestimmt und diskutiert bestätigte mir der Weltgeformte meine Bitte und schrieb mir den 15.2. um 9.30 auf meinen Laufzettel! Juhu! Vor der Absprache mit dem Kollegen wies er mich noch darauf hin, dass der 15. nicht garantiert werden könnte. Nun jedoch hörte es sich so an, als ob das in Ordnung ging. Puuuuhh!!! Erledigt! Ich nahm meine Quittung, bedankte mich freudig und verließ das Büro. 2,5 Stunden hatte alles gedauert. Das war sogar erträglich für eine solche Aktion. In Deutschland wäre das sicher nicht so schnell gegangen. Egal, nach dieser Anstrengung ließ ich mich nur noch zurück in mein lärmisoliertes Hotel in den Bergen zurückfahren. Ausspannen und Entspannen standen nun ganz oben auf meiner Liste :-)!

Indien Visum - Antragsprozedere

Endlich saß ich nun in der heiligen Wartehalle der indischen Botschaftsvisastelle in Kandy. Bewusst hatte ich mir Kandy und nicht Colombo ausgesucht. Während der zu erwartenden Wartewoche gab mir diese schöne Bergregion Zeit und Gelegenheit zur Erkundung. Da ich Kandy selbst schon kenne, hatte ich mich entschlossen, die weitere Umgebung: Sigiriya und die Ostküste zu bereisen. Aber nun galt es erstmal abzuwarten, was die Visumssachbearbeiter mir anbieten würden.

An das deutsche Arbeitsamt erinnerte mich die Nummer, die mir die Sicherheitsbeamten in die Hand drückten. Was hingegen gar nicht an unsere Agentur der Arbeitslosenverwaltung erinnerte war die Form der Nummer. Keine schicke elektronisch ausgedruckte, sondern eine mit Kugelschreiber auf ein ca. 2x2cm großes abgerissenes Stück Verpackungskarton geschriebene krakelige 21 hielt ich in meinen verschwitzten Händen. Nicht nur der Hitzeschweiß, sondern auch die 1mm dicke Dreckschicht bedingt aus der von Kandy's Abgas verschmutzen Luft klebten mit sowohl an den Fingern als auch auf den anderen freiluftzugänglichen Bereichen meiner Haut. Und es war erst Morgen....

Auch daran gewöhnt man sich schnell, weil es schlicht nicht zu ändern ist. Brav wartete ich also auf meinem knarzenden in eine feste Sitzreihe eingebauten Körperform angepassten Plastiklehnstuhl, dass mich einer der drei vorn hinter dem Tresen verschanzten Sachbearbeiter zur Vorlage meiner Unterlagen rief. Mit mir wartenden noch ca. 10 weitere Bittsteller aus der Gegend. Auch westliche Touristen traf ich, die das gleiche Anliegen wie ich hatten. Irgendwann hörte ich ein Murmeln und ein wohlgenährter Beamter nickte mir zu. Nur um sicher zu gehen erwiderte ich das Nicken mit einem Lächeln und stand nach erneuter Bestätigung des Mondgesichtigen auf, um meinen Gang offizellen Gang weiterzuführen. Passport! Das war einfach. Sogar mit der richtigen Seite geöffnet überreichte ich dem Herrn mein Reisedokument. Ob ich dieses Formular ausgefüllt hätte, fragte mich der Gute und hielt einen mir unbekannten Zettel hoch. Ich verneinte, bekam meinen Pass zurück, den Zettel in die Hand gedrückt und den Fingerzeig zum Eingang, wo ein Wandtisch mit Kugelschreibern zur Erledigung einluden. Wenn es weiter nichts ist. Nach dem Befolgen seiner Aufforderung trat ich wieder an den Tresen, übergab meinen Zettel, der im übrigen die gleiche Information enthielt, die mein online-Antrag für die indische Botschaft enthielt. Warum auch immer ich diesen Zettel zusätzlich mit den Informationen und ein Passbild versehen musste - ich tat es einfach.

Diesen Zettel, meinen online ausgefüllten und ausgedruckten Antrag sowie Passkopien legte ich dem runden Bearbeiter nun nocheinmal. Doch bevor ich zum Beenden meiner Präsentation gelangte, hörte ich mein Gegenüber fragen, ob ich eine Kopie von der Seite des Passes hätte, auf der der Sri Lanka Visumstempel zu sehen war. Nein! Woher sollte ich wissen, dass ich diese Seite brauche? Dies stand im Internet nirgends zu lesen. Na, die müsste ich aber haben für den Antrag. Wenn es weiter nichts ist, dachte ich leicht angesäuert. Das fing ja gut an. Aber eine Kopie lässt sich wohl irgendwie beschaffen. Der Beamte bestätigte mir meine Gedanken und verwies mich an Copyläden draußen an der Straße. Eine Kopie und die Sache sollte geritzt sein. Also packte ich meine Unterlagen wieder zusammen und stapfte nach draußen. Die Sicherheitsbeamten am Eingang gaben freundlich Auskunft, wo ich eine Kopie machen könnte. Gleich nebenan, hieß es! Das ist ja einfach und schnell gemacht. So war es auch. 10 Rupien - das doppelte von Kopien an der Westküste - bezahlte ich für eine Kopie und kehrte zurück auf meinen Plastiksitz im Visabüro.

Rasch fand ich mich wieder am Tresen vorn wieder und legte meine Kopien, meinen Reisepass, meinen Antrag vor. Nach 10 Sekunden hielt mir der Dicke meinen Antrag unter die Nase und forderte mich auf, meine dort vermerkte Reisepassnummer zu überprüfen. Was soll denn das jetzt? Er kann doch sicher selbst lesen, wollte ich meinen. Also gut, immer lächeln und brav den Aufforderungen folgen, heißt das Motto bei ausländischen Behörden. Ich prüfte. Und bestätigte die korrekte Nummer. Der lang wie Breite war anderer Meinung. Superschlau wies er mich auf den kleinen Unterschied der letzten beiden Stellen der Nummer hin, die meinen Deutschlandcode zeigten. Diesen hätte ich nicht mit auf den Antrag tippen dürfen. Die absolut korrekte Passnummer findet jeder deutsche Staatsbürger auf der Ausweisseite oben rechts und nicht im Fuß des Passes eingestanzt. Ok! Das muss einem aber auch gesagt werden. Für mich war das jetzt keine große Sache und ich versuchte seinen ernsten Gesichtsausdruck mit einem "lass-Fünfe-Gerade-Sein" Geschwätz zu beschwichtigen. Keine Chance. Für den autoritären Sachbearbeiter war dieser Unterschied entscheidend und er eröffnete mir kurz und knapp die Notwendigkeit, meinen Antrag neu im Internet ausfüllen und ausdrucken zu müssen und dann wiederzukommen! Was??? Unfassbar! Aber aus seiner Sicht nachvollziehbar. Als ob dies nicht genug wäre, wies er mich ebenfalls auf die falsche Größe meiner Passbilder hin und riss gnadenlos mein in Male aufgenommenes Passfoto von meinem Antrag und gab es mir zurück. Das auch noch! Ich durfte nun also in dem Chaos draußen ein Internetcafé finden, meinen Antrag neu ausdrucken, und einen Fotoladen, der mir schnell die richtigen Passfotos beschaffen konnte. Zum Glück hatte ich meinen hilfsbereiten Tuc-Tuc-Fahrer draußen vor der Tür warten. Schnurstracks steuerte ich mit meinen Papieren in der Hand - meine Tasche ließ ich direkt im Visa-Büro - auf ihn zu und berichtete von meinen neuen Herausforderungen.

Fahrer war auch Führer. Mit seiner Hilfe war schnell klar, welcher Laden Internet und die Möglichkeit zum Ausdrucken hatte. Nach etwas Warten saß ich in einem wirklich schmuddeligen Hinterzimmer einen ganz kleinen Kramladens vor einem Computer und tippte brav all meine Informationen in das Onlineformular. Ausdrucken war nicht so einfach möglich. Ein Mitarbeiter musste sich der Möglichkeit bedienen, das pdf-Formular an seine email-Adresse zu senden, um es von dem am Drucker angeschlossenen Rechner aus zu öffnen und zu drucken. Was dieser Mitarbeiter mit meinen Informationen in der Lage war zu tun, wollte ich mir nicht ausmalen. Identitätsdiebstahl war heutzutage ein großen Thema. Ich vertraute einfach auf das Gute in ihm und hoffte, er würde die Informationen einfach löschen. Selbst wenn er es in meinem Beisein getan hätte, wäre er nach meinem Verschwinden in der Lage gewesen, die Daten wieder hervor zu fischen und zu verwenden. Risiko! Mit meinem Ausdruck und allem anderen bestieg ich nach dem Bezahlen das Tuc-Tuc und machte mich auf die Suche nach einem Fotoladen. Im ersten Shop negierte die Frau im Sari, weil sie keine Sofortpassbilder erstellen konnte. Wir fuhren weiter. Während ich woanders fragte, hatte sich mein Fahrer nützlich gemacht und rief mich heran. Er brachte mich zu ein ca. 2m² großes Fotofachgeschäft, welches einer jungen Singhalesin gehörte. Hier fand ich auf kleinstem Raum alles, was ich brauchte. Eine offene moderne Frau mit der richtigen Technik: einen zum Fotografieren hinter ihrem Stuhl durch einen Vorhang verdeckten Raum, eine digitale Spiegelreflexkamera, einen modernen Computerarbeitsplatz sowie eine Bildsofortentwicklungsmaschine von der Größe eines tragbaren Damenschminkköfferchens. 10min später hatte ich meine Fotos und konnte mich zur Visastelle zurückfahren lassen!

Sunday, February 10, 2013

VISA für Indien - die Zweite


Was ich in Male, der Hauptinsel der Malediven, aus Zeitgründen nicht mehr geschafft hatte - warum sollte ich eine Woche lang bei völlig überzogenen Hotelpreisen auf diesen 2 schrecklichen, lauten Inseln warten, auf der es nichts spannendes zu sehen oder zu tun gab, wenn ich in Sri Lanka das gleiche Ziel erreichen und in der Zwischenzeit sinnvolleres unternehmen konnte? So verschwendete ich bereits 2 Tage in einem 50$ Hotel - unglücklicherweise über das muslimische Wochenende - um mir am Sonntag dann endlich die Information vor Ort abzuholen, dass die Botschaft für das Visum mindestens 3-4 Arbeitstage benötigt und mit der Bearbeitung erst am Montag beginnen konnte, da in Deutschland Wochenende sei! Ach nein! Dies bedeutete mit großer Wahrscheinlichkeit, sie würden es nicht in 4 Tagen ab Montag schaffen, da Freitag wieder islamisches Wochenende ist und auch Samstag niemand in der Botschaft arbeitet. Also hätte ich demnach 1,5 Wochen in Male festgesessen und Zeit wie Geld verschwendet. Das kam überhaupt nicht in Frage.

Nach dieser Nachricht aus der indischen Botschaft führte mich mein nächster Gang direkt zu Sri Lankan Airways, wo ich nach einigen Hürden bzgl. Einreise- und Gepäckbestimmungen endlich ein Ticket in den Händen hielt. Es gibt hier keine Möglichkeit, Tauchgepäck mitzuführen, ohne 15$ pro Kilo bezahlen müsste, das über dem 30kg-Limit liegt...! Unfassbar! Die Sportgepäckregelung war komplett weggefallen - sogar bei Emirates. So saß ich in Male mit 50kg Gepäck und hatte nur eine Lösung: Larissa! Zum Glück stimmte sie meiner raschen Nachfrage sofort zu, meine 30kg Tauchtasche bei ihr in Hulhumale zu lassen. Auch wenn ihre Wohnung, die sie mit ihrem Freund zusammen bewohnt, offensichtlich keinen Platz für einen Sofagast in der Wohnzimmerküche aufwies, boten die ca. 45qm offenbar wenigstens Platz für meine Tauchtasche. Gottseidank! Ich war dankbar für diese Hilfe, denn ein Flugticket mit dem Gepäck hätte mich knapp 500$ gekostet. So lediglich ein Viertel - eigentlich ein Fünftel - doch ich musste ein Hin-und Rückflugticket kaufen. Angeblich würden mich die Behörden in Sri Lanka sonst zurückschicken, weil deutsche Staatsbürger ohne Rückflug kein Eintrittsvisum erhielten. Doch wie sich herausstellte, war den Einwanderungsbehörden mein Rückflug völlig wurscht, fragten nie nach meinem Ticket und guckten mich auf meine Nachfrage bzgl. meines Abfluges eher befremdet an. Es war also nicht wirklich wahr, was mit in Male bei Sri Lankan Airlines gesagt wurde bzw. dort im Computer hinterlegt war. Also das nächste Mal One-Way für die Hälfte online und fertig! Doch was soll's, ich wollte so schnell wie möglich raus aus dem Land und brauchte schnell ein Flugticket, damit ich noch schneller aus dem Hotel ausziehen konnte. Also bekam ich noch einen Platz im letzten Flieger um 22.10 nach Colombo. Perfekt! Dort hatte mich ein Freund von Kalhara abgeholt, 3h mit dem Tuc-tuc durch die Nacht gefahren, um mich um 3.30 Uhr morgens bei seiner Familie abzuladen. Alles in allem ganz große Klasse, denn ich musste nicht in Colombo übernachten.

Kandy - zurück in der schönen Tempelstadt in den Bergen

Nachdem ich nun 3 Tage an der Küste verbracht und nach Kandy abgefahren war, war mein erster Amtsgang gestern früh der Wechsel in ein anderes Low-budget-Hotel, das ich im Internet gefunden hatte und bei dem ich mir telefonisch den Preis von 13$ pro Nacht bestätigen lassen habe. Wie sich herausgestellt hatte, sind die Preisangaben im Internet nie korrekt und weichen oft stark von der Realität ab. Böse Überraschungen wollte ich mir auf Dauer nicht leisten. Immerhin herrscht in dieser Region Hochsaison und viele Touristen belagern die Hotels und Gästehäuser. Durchschnittspreise liegen bei 40$. Da ich noch knapp 2,5 Monate Reisen vor mir hatte, war haushalten angesagt. Mit etwas suchen und verhandeln kann man hier immer noch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis erzielen. Nach dem Umzug aus dem ersten Gästehaus, was mir schlicht nicht sympathisch war, hinein in das große aber einfache Paradise Inn mit ehrlicher Atmosphäre ließ ich mich nun halsbrecherisch im Tuc-Tuc wieder nach Kandy-Town fahren, um die indische Botschaft aufzusuchen. Diese befand sich weit außerhalb der Stadt weiter oben in den Bergen.

Die kleine Rundfahrt war ganz hübsch. Mein Anliegen schnell erledigt. Wie sich herausstellte, als ich im vorderen Amtszimmer am Eingang einem Botschaftsbeamten gegenübersaß, hatte ich meinen Antrag direkt bei einer Visastelle in der Stadt vorzulegen. Ok, kein Problem, dann fahre ich den Berg eben wieder herunter. Ich bedankte mich mit einem freundlichen Lächeln wie immer - ungeachtet meines teilweise Unverständnisses über hier herrschende Abläufe und Kommunikationsformen oder -inhalte - und hatte dabei stets den Vorsatz der Toleranz und des Respektes gegenüber meines Gastlandes und der hier herrschenden Sitten im Hinterkopf. Mit der Zeit geht einem die Geduld und die Offenheit für das Andere in Fleisch und Blut über, besonders durch die Zusammenarbeit mit von uns weit abweichenden Kulturen. So stellt sich ein Verstehen, Erinnern und dankbares Annehmen dieser anderen Gegebenheiten ein. Wenn hier alles wie in Deutschland wäre, würde es ja keine Sinn machen, dieses Land und andere Länder zu bereisen, gell?!

Anyway, mein Kandy-Tuc-Tuc-Fahrer setzte mich brav vor der Eingangstür der Visastelle ab. Hier sah es aus, wie beim deutschen Arbeitsamt. Naja fast. Ich trat ein und landete in einem Sicherheitsvorraum mit offiziell gekleideten Beamten, 2 Männern und einer Frau, die für die Durchsuchung meiner Tasche und meiner Person zuständig waren. Als ob ich die Visastelle in die Luft sprengen würde. Jedenfalls jetzt noch nicht :-). Mal gucken, ob sie mir mein Papier ausstellen oder nicht! Alles war locker und freundlich. Meine Tasche durchsuchte die Dame nicht ohne meine Zustimmung und die beiden Herren sollten sich noch als freundliche Touristenauskunftsansprechpartner herausstellen...

Thursday, February 07, 2013

Sri Lanka - on the road again - Kandy!


Eigentlich vermeide ich ja Wiederholungsreisen, da es so viele schöne Ziele in der Welt gibt. Doch Sri Lanka hat sich für mich bereits recht schnell während meines Maledivenaufenthaltes ergeben. Durch die Verbindung zu Kalhara und die veränderte politische Situation beschloss ich früh, nun endlich meine geplante Weiterreise im Land durchzuführen. In 2007 war die Reise nach Norden nicht möglich und alles nördlich von Negombo und Kandy mit Risiken, einem Bombenattentat zum Opfer zu fallen, verbunden. So bin ich nun gestern früh nach Kandy aufgebrochen - wieder mit dem Expresszug via Colombo, was insgesamt 6h dauerte - um von hier aus endlich den Löwenfelsen Sigiryia zu besteigen. Diese alte Festung des alten Singhalesischen Königreiches bietet laut Reiseerfahrungen Anderer eine unbeschreibliche Atmosphäre durch außergewöhnliche Natur. Dieser Besuch war mir vor 5,5 Jahren nicht gelungen. Von dort aus schaue ich mal, wie es weitergeht. Sigiryia ist eine Station des zentralen Kulturdreiecks des indischen Subkontinents. Sollte der Transport erträglich werden, statte ich den übrigen Stationen einen Besuch ab, bevor ich mich nach Kalkudah an die Küste aufmache, um mir den Oststrand anzusehen. Berühmt auch unter Kitesurfern und solche, die es werden wollen!

Den größten Teil der Strecke kann man mit dem Zug zurücklegen, was eher als das kleinere Übel der Low-Budget-Fortbewegung angesehen werden kann. Im Long-Distance-Bus sollte man zusätzlich zu der großen Unbequemlichkeit durch zu enge Sitze, der Hitze und der Überfüllung jederzeit auf Verkehrsunfälle vorbereitet sein. Der Verkehr im Land ist recht lebendig und Vorfahrtsregeln gibt es eher frei dem Motto: der Stärkere gewinnt, der Schnellere flutscht durch oder der Klügere drängelt sich vor. Im Tuc-Tuc habe ich Überlegungen zum Thema Logik schon 2007 aufgegeben. Nur wenn es richtig brenzlig wird und mein Tuc-Tuc-Fahrer seinen "abgesoffenen" 2-Takt-Dreirad in aller Ruhse vor einen heranrasenden, öffentlichen Bus schiebt, um auf der gegenüber liegenden Straßenseite das Gefährt bergab wieder zum Laufen zu bekommen, kriegt er schon mal einen panischen Aufschrei zu hören. Die Reaktion ist immer gleich: ein überlegenes Grinsen! Und recht hat er. Nichts passiert. Denn alle arrangieren sich auf diese Art. So oft hoffte ich inständig auf der Rückbank, er möge jetzt nicht den Mönch oder die alte Frau im schönen Sari überfahren, sondern einfach eher mal abbremsen. Stattdessen umkurvt er solche Szenerien und die Fußgänger nehmen ihm die Nähe zum Blechstinker auch nicht übel.

Es funktioniert also und ich übe mich im aktiven Loslassen. So schlimm ist es eigentlich auch  nicht. Nur aus Sicht eines Blech-Tuc-Tucs erscheint der Verkehr zu jeder Sekunde hochgradig lebensgefährlich - wenn man nicht an ihn gewöhnt ist. Wie schnell ein Dreirad zwischen 2 Bussen, LKW oder richtigen Autos zerquetscht sein würde, habe ich mich bisher nur einmal gefragt. Doch als der Gute heute die kleine Kiste fast auf das Heck eines Großraumbusses setzt und eine Vollbremsung mit Ausweichmanöver auf die Gegenspur hinlegt, kriegt er doch mal meinen Tipp zu hören, mehr Abstand zum vor ihm fahrenden zu halten. Was interessiert es den dämlichen Busfahrer, wenn ein Tuc-Tuc mit 2 Niemanden an seinem Heck kleben, während er der Meinung ist, im Moment des Armzeigens den Bus zum stehen bringen zu können? Wir sind die Schwächeren und somit Matsch. Das muss jetzt noch nicht sein. Nicht in Kandy im Jahr 2013.